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Limmer Tauschen statt kaufen
Hannover Aus den Stadtteilen Limmer Tauschen statt kaufen
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00:15 27.02.2016
Die zweite Auflage der alternativen Kleiderbörse im Club Béi Chéz Heinz war ein voller Erfolg. Quelle: Behrens
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Hannover

In den Achtzigerjahren symbolisierten Birkenstock-Sandalen und selbst gestrickte Pullover ein neues Umweltbewusstsein. Während die Fußwohl-Sandale gerade eine kleines Revival erlebt, ist der urige Öko-Strick längst ein Mode-Relikt geworden. Wie sich das Verhältnis von Umweltschutz und Mode verändert hat, zeigen die angesagten Kleidertauschpartys der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Am Sonntag lockte die zweite Auflage der alternativen Kleiderbörse Hunderte modeaffine Besucherinnen und Besucher in den Club Béi Chéz Heinz. Wer seine mitgebrachten Teile auf die vorbereiteten Kleiderständer hängte, durfte sich im Gegenzug andere Stücke mit nach Hause nehmen. Bei Kaffee, Brause und Kuchen informierten die Umweltschützer ganz nebenbei über die giftigen Konsequenzen massenhafter Textilproduktion und gaben Tipps zum verantwortungsbewussten Kaufen.

„Du musst kein Geld ausgeben, bist sonntags beschäftigt, tust was Gutes und hast Spaß“, fasst Studentin Emma Römer den Reiz zusammen, am Sonntagnachmittag im Kellerclub nach neuen Klamotten zu stöbern. Liebevoll improvisiert hängen lange Leinen und Holz-Mobiles in dem Raum, in dem noch der Duft der nächtlichen Party hängt.

Bis zu fünf Frauen-Teile und zehn Herren-Kleidungsstücke dürfen Gäste mitbringen. Eintritt kosten die Partys nicht. Kleiderbügel zur ordentlichen Präsentation liegen bereit. „Ich dachte immer, dass mein altes Zeug keinen Wert mehr hat. Hier wurde es mir förmlich aus der Hand gerissen“, freut sich Jennifer Becker. Dass sie am Ende selber lediglich einen schwarzen Rock findet, der ihr gefällt, stört sie nicht weiter. Man hat schließlich ohnehin zu viel Zeug im Schrank, findet auch Greenpeace-Mitarbeiterin Ina Zerbin.

Im letzten Sommer veranstaltete Greenpeace gleichzeitig bundesweite Kleidertauschpartys in 30 Städten. Das Konzept, das auf unaufdringliche Weise Konsumkritik mit Flohmarktatmosphäre verbindet, kommt an. Künftig sollen die Tauschpartys häufiger stattfinden. Die Kleiderbügel-Mobiles und anderes Mobiliar lagern in der Hamburger Zentrale und können von den Ortsvereinen ausgeliehen werden.

Die erste Kleidertauschparty in Linden fand im Sommer auf dem „Platz-Projekt“ in der Fössestraße statt. „Wir wollen den Tausch-Gedanken populärer machen“, erklärt Ina Zerbin. Dass die meisten Besucher der konsumkritischen Veranstaltung dennoch vor allem zum Konsumieren kommen, ist ein Paradox, dass die Greenpeace-Mitglieder inkauf nehmen. „Wir diskutieren aber durchaus darüber“, erklärt Zerbin.

Wer tauscht, braucht nichts Neues zu kaufen - so die Idee, die scheinbar gut ankommt. Kleidung, die an dem Tag keinen Abnehmer fand, wurde anschließend an das Sozialkaufhaus Fairkauf gespendet. Ausgelegte Broschüren und ein Info-Film informierten über verschiedene Aktionen, mit denen Greenpeace der Umweltverschmutzung durch die Textilindustrie begegnet. So konnte etwa die Aktion „Detox“ mehrere bekannte Markenhersteller zu einer Selbstverpflichtung bewegen, bis zum Jahr 2020 auf den Einsatz gefährlicher Chemikalien zu verzichten. Umwelt-Zertifizierungen können Verbrauchern eine Orientierung darüber geben, welche Textilien unter akzeptablen Bedingungen hergestellt wurden.

Aus Sicht von Greenpeace eignen sich dazu gegenwärtig übrigens die Zertifizierungen „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) und das Textil-Label „IVN“ des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft.

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