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Limmer Die Wasserstadt nimmt Formen an
Hannover Aus den Stadtteilen Limmer Die Wasserstadt nimmt Formen an
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02:16 25.10.2015
Die Präsentation der Planungsergebnisse bei der Info- und Diskussionsveranstaltung im Gemeindehaus. Am Tisch rechts: Baudezernent Uwe Bodemann. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Limmer

 „Wir wollen weiter Einfluss nehmen können“, forderte Berus. Die nächsten offiziellen Schritte sehen so aus: Die Stadt handelt mit der Investorengesellschaft einen städtebaulichen Vertrag aus und gibt den Bebauungsplan für den ersten Bauabschnitt zur Beratung in die politischen Gremien; 2016 soll das Baurecht stehen. Dann könnten die ersten Bagger rollen. Für die Anwohner besteht noch immer reichlich Anlass für Kritik. Immerhin: Die Bürgerbeteiligung soll auch im nächsten Jahr weitergehen.

Wie geht es weiter?: In fünf Bauabschnitten soll die Wasserstadt in den kommenden Jahren entwickelt werden. Die Eigentümergesellschaft um Günter Papenburg muss sich noch zu Grundstückspreisen äußern, bevor Bauträger wie Eigentümergemeinschaften, Genossenschaften, Firmen oder die kommunale Baugesellschaft GBH ihren Hut in den Ring werfen können. Der erste Bauabschnitt werde jetzt „Baufeld für Baufeld beplant“, sagte Wasserstadt-Geschäftsführer Martin Pietsch. Auch die Infrastruktur - unter anderem die Leitungen für Kommunikation, Energie und Wärme - wird jetzt geplant und kalkuliert. „Da muss geklärt werden, wie teuer das wird“, erläuterte Baudezernent Uwe Bodemann. Anfang nächsten Jahres soll der Entwurf für den Bebauungsplan vorliegen; bis Sommer oder Herbst 2016 könnten Vertrag und B-Plan fertig sein. Irgendwann zuvor werden auch die Kaufpreise transparent und das Bieten um die Grundstücke startet. „Wir haben nach wie vor Interesse. Aber was wir bauen können, hängt von den Preisen und der Förderung ab“, sagte GBH-Geschäftsführer Karsten Klaus. Verschiedene Wohnformen, das ist festgelegt, soll es in der Wasserstadt geben: Wohneigentum, Mietwohnungen, Geschosswohnungsbau, genossenschaftliches und gemeinschaftliches Wohnen - und geförderter Wohnraum. „Die soziale Förderung von Wohnungen wird es geben, das ist Ratsauftrag“, betonte SPD-Baupolitiker Ewald Nagel. Michael Dette, Nagels Kollege bei den Grünen, setzte hinzu: „Der Umfang, was gefördert wird, ist noch strittig.“

Was sagen Kritiker?: Cornelia Schweingel, SPD-Bezirksratsherrin, forderte, dass im städtebaulichen Vertrag auch festgelegt wird, dass Baugemeinschaften tatsächlich zum Zuge kommen. Mit der Gruppe „Jung und Alt am Wasser“ (Jawa) steht mindestens eine solche Bauherrengruppe in den Startlöchern. Deren Beteiligung ist Schweingel noch zu ungewiss. BI-Mitglied Anja Niezel und Eike Geffers, SPD-Fraktionschef im Bezirksrat Linden-Limmer, kritisierten die Abstimmung der Ratsgremien Anfang Oktober. Die legten die Zahl der Wohneinheiten auf 1600 bis 1800 fest. „Die Wünsche der Bürger werden mit Füßen getreten“, schimpfte Geffers. Allenfalls 1200 Wohnungen sollte es laut Votum im Bürgerdialog geben. Zu wenig, befanden SPD und Grüne im Rat der Stadt. Der ehemalige Lindener Ratsherr Ernst Barkhoff wandte ein, dass es noch in den Neunzigerjahren Ideen für eine Bebauung mit mehr als 1000 Wohnungen gegeben habe. Erst später sei der Plan entstanden, rund 600 Einfamilienhäuser zu errichten. Diesen Plan hatten Papenburg und die Stadt angesichts des wachsenden Bedarfs an Wohnraum kassiert. Der neue Plan stehe für ein gutes Projekt, sagte Barkhoff. „Da entsteht kein Ihme-Zentrum und kein neues Mühlenberg.“ Nicht einigen konnten sich BI und Investoren in der Frage nach der Gebäudehöhe. Maximal vier Geschosse wollten die Bürgervertreter; nun soll es doch einige Gebäude mit bis zu acht Etagen geben.

Wie sieht der fünfte Bauabschnitt aus?: Das einstige Conti-Gelände südlich der Wunstorfer Straße hatte früher den Fabrikparkplatz aufgenommen. Pläne, dort ein Gymnasium oder ein Flüchtlingsheim zu bauen, sind jetzt vom Tisch. Die neueste Idee: Das Areal soll mit mehreren Gebäuderiegeln für insgesamt rund 170 Wohnungen bebaut werden. Direkt am Ufer des Stichkanals Linden ist ein schlangenförmiges Haus vorgesehen; jede Wohnung soll einen Blick aufs Wasser bekommen. Mitten im Quartier plant die Stadt einen Hochbahnsteig. Die Wasserstadt soll ans Stadtbahnnetz angeschlossen werden. Die verlängerte Bahnlinie 10 endet in den Überlegungen vorerst auf dem früheren Conti-Parkplatz. Ob das so passiert und ob die Linie dereinst über die Wunstorfer Straße weiter nach Ahlem geführt wird, müssen noch ausstehende Wirtschaftlichkeitsprüfungen ergeben. Deren Ergebnisse sollen in den nächsten Monaten vorliegen.

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