Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Limmer Kunst auf allen Ebenen
Hannover Aus den Stadtteilen Limmer Kunst auf allen Ebenen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:44 14.04.2016
Kunst überall: Selbst unter den Dachbalken sind Bilder aufgehängt. Quelle: Moers
Anzeige
Hannover

Als die Lindener Galeria Lunar vor einem Jahr schließen musste, zeigte sich die Kunstszene kämpferisch. Mit einem Trauermarsch über die Limmerstraße wurde der Kunstraum symbolisch zu Grabe getragen. Ausgerechnet eine junge, zugezogene Anwohnerin hatte sich über zu viel Kunst-Lärm beschwert. Ein Tiefschlag für die Szene, schließlich hatte die Galeria Lunar quasi als Pionier junge Kunst nach Linden geholt. „Die Galeria Lunar ist tot, es lebe die Galeria Lunar“, kündigte Ausstellungsmacher Nils Schumacher wehrhaft die baldige Wiederauferstehung der Galeria an. Jetzt ist Schumacher zurück, mit einer neuen Ausstellung. Allerdings nicht in Linden und nur für eine begrenzte Zeit. In der Wunstorfer Straße hat er gemeinsam mit sechs Künstlern ein ganzes Wohnhaus in einen Kunstraum verwandelt. Ein spannendes Projekt, dass andeutet, wohin der Kunstwind weht in Hannovers Westen.

„Wenn Limmer das neue Linden ist, ist Marienwerder dann das neue Ahlem?“ Die Besucherin, die mit einem Sektglas die Bilder im Hausflur betrachtet, ist amüsiert über die neue Popularität ihres Stadtteils. Als ob es in Limmer vor dieser Vernissage keine Kunst gegeben hätte, bemerkt sie. „In der Schwanenburg sind regelmäßig klassische Konzerte und demnächst gibt es eine große Ausstellung auf der alten Conti“, erzählt die Bewohnerin aus dem Alten Dorf, die nicht mit dem Namen in der Zeitung auftauchen möchte. Ein Bild hat sie heute schon gekauft. Es heißt „Buddhistische Würmer“. Mit einbrechender Dunkelheit füllt sich das Treppenhaus des sonst unauffälligen Wohnhauses mit Besuchern. Die ganz jungen, trendigen Studenten sind nur einzeln vertreten. Der Altersdurchschnitt liegt irgendwo zwischen 25 und 50. Die Malereien, Zeichnungen und Collagen stammen alle von Künstlern, die bereits in der Galeria Lunar ausgestellt haben. Ralf Bednar, Iris Schmitt, Nils Schumacher und Meike Zopf haben das gesamte Treppenhaus, drei Wohnungen und den Dachboden mit Bildern gepflastert. Es gibt viel zu sehen. Auf dem Dachboden spielt ein dänischer Indie-Musiker sensible Musik.

„Wir wollen zeigen, dass man mit Kunst leben kann“, erklärt Carlett Bosten. Als eine von drei Mieterinnen, die ihre Wohnung als Galerie auf Zeit zur Verfügung stellen, hat sie es sich in ihrem Bett gemütlich gemacht. Auch die Besucher können sich in ihr Bett legen. Von dort hat man den besten Blick auf ein großes abstraktes, blaues Bild. In Bostens Bett wird die Intention der Ausstellung deutlich, die Schumacher in seiner Eröffnungsrede mit einem Zitat aus einem Daniel-Kehlmann-Roman erklärt. „Ich möchte die Kunst in die Mitte der Gegenwart holen und raus aus den Galerien.“ Mit der Ausstellung „raufrunterkunst“ ist ihm das gelungen. Ob die Galeria Lunar nun endgültig Geschichte ist, da ist sich Schumacher noch unklar.

Die Ausstellung „raufrunterkunst“ läuft noch bis Sonnabend, 16. April. Das Haus in der Wunstorfer Straße 21 ist täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am letzten Tag findet anläss- lich der Finissage von 12 bis 20 Uhr ein Hofflohmarkt statt. Der Eintritt ist kostenlos.

Von Mario Moers

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch weiß niemand, wie es mit dem Gebäude des Fössebads und damit dem Kellerclub Béi Chéz Heinz weitergeht. Nachdem aber Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert in der HAZ klargestellt hat, dass aus dem ohnehin engen Sportbudget der Stadt kein Cent für den Betrieb eines kommerziellen Musikclubs ausgegeben werde, meldete sich Grünen-Fraktionschefin Freya Markowis zu Wort.

Conrad von Meding 07.04.2016

Ein umstrittenes Thesenpapier im Internet sorgt für Unruhe: Die Otto-Brenner-Akademie schlägt vor, das Fössebad abzureißen und ein Stadtteilzentrum zu bauen. Das Netzwerk Archive Linden-Limmer distanziert sich von dem Vorschlag.

Juliane Kaune 02.04.2016

Seit fast hundert Jahren steht er an der gleichen Stelle - und ist längst zum Wahrzeichen des Stadtteils geworden. Nun sichert Baudezernent Uwe Bodemann Geld für das Industriedenkmal aus dem Topf für Städtebauförderung zu.

Juliane Kaune 02.04.2016
Anzeige