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Neue Pädagogik im neuen Gymnasium

Neue Schule in Limmer Neue Pädagogik im neuen Gymnasium

Klassenrat statt Frontalunterricht: In Limmer starten Lehrer und Schüler mit viel Schwung und Vokabelfußball.

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Unterricht mit neuen Methoden: In der 5e am Gymnasium Limmer wird der Klassenrat bestimmt. 

Quelle: Samantha Franson

Limmer. Zum Aufwärmen gibt es erst mal ein bisschen Vokabelfußball. Lehrerin Anke Müller teilt die Klasse in zwei Hälften und fragt jeweils nach dem englischen Begriff für ein deutsches Wort.Die beiden Mannschaften der 5e am Gymnasium Limmer liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Immer wenn ein Wort richtig war, rückt der Magnet auf der Tafel in Richtung gegnerisches Tor. So macht Vokabelabfragen Spaß. „Weiter, weiter“, rufen die Kinder, als Anke Müller aufhören will.

Hannovers 17. Gymnasium ist auch mit einer neuen Pädagogik an den Start gegangen. Als die damals noch kommissarische Schulleiterin Wencke Hedderich das neue Konzept im Mai 2016 erstmals im Schulausschuss der Stadt vorstellte und von Wochenplanarbeit, Doppelstundenprinzip, sozialem Lernen und ganzheitlicher Schülerförderung sprach, erinnerte viel davon an das, was man bisher eher von Gesamtschulen als von klassischen Gymnasien kennt. Die Zuhörer jedenfalls waren mitgerissen von dem Ansatz und der Dynamik, mit der Hedderich ihn vortrug.

Zwei Monate nach Schulstart sind die Lehrer immer noch von der Aufbruchstimmung erfüllt. „In einer neuen Schule kann man alles von Grund auf mit aufbauen anstatt sich einem bestehenden System anzupassen, jeder bringt seine Pläne und Erfahrungen mit ein“, sagt Heiko Schlößer, Müllers Ko-Klassenlehrer. „Ideen versanden nicht einfach.“ Müller, die vorher am Gymnasium Langenhagen mit mehr als 1300 Schülern gearbeitet hat, schätzt auch die heimelige Atmosphäre an der Wunstorfer Straße. An diesem Montagmorgen wollen die beiden Lehrer in ihrer Klasse das Prinzip des Klassenrats einführen. Dabei entscheiden die Schüler selbst, welche Themen sie besprechen und wie sie bestimmte Probleme lösen wollen.

Erst einmal müssen die Formalien geklärt werden. Wer ist der Schriftführer? Wer achtet auf die Zeit? „Lasst uns einen Kreis bilden“, sagt Müller. Anstatt umständlich Tische und Stühle zu verrücken, gehen die Kinder einfach in den „Differenzierungsraum“ gegenüber von ihrem Klassenraum. Auch das Raumkonzept des neuen Gymnasiums ist auf die andere Pädagogik ausgerichtet. Einen Klassenrat kennen viele Fünftklässler schon aus der Grundschule. Klassensprecher Matteo hat keine Mühe, Freiwillige für die Aufgaben zu finden, sondern eher die Qual der Wahl. Auch bei der Wahl der Konferenzvertreter gibt es kaum jemanden im Kreis, der sich nicht zur Wahl stellt.

Noch sind die Wände in den Klassenräumen recht kahl, auf dem Schulhof fehlen die Spielgeräte. Die Kinder stört das nicht, sie haben auch auf der Rasenfläche ihren Spaß. „Ich freue mich darauf, wenn unsere Schule richtig fertig ist“, sagt Svea (10) aus Seelze-Velber. „Das wird cool.“ Und Sara (10) aus Ahlem ergänzt: „Bald bekommen wir ein Klettergerüst.“ Georg (10) aus Davenstedt hat an seiner neuen Schule nichts auszusetzen, im Gegenteil: „Die Klasse ist toll, die Lehrer sind sehr nett, und die Toiletten sind sehr sauber.“ Auch Cem, der aus Limmer stammt, findet, dass „sich alle sehr gut verstehen“. Kein Wunder, es kennen sich viele schon von der Grundschule.

Das Gymnasium Limmer ist im buchstäblichen Sinn eine Schule für den Bezirk. Die meisten der rund 125 Schüler wohnen in Badenstedt, Davenstedt, Limmer, Linden und Ahlem, einige auch im angrenzenden Seelze. Wenn der Unterricht zu Ende ist, ist allerdings noch lange nicht Schulschluss. Die offene Ganztagsschule bietet nicht nur Mittagessen, sondern auch ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften. Jens Grote von den Arminia Spartans etwa bringt seinen Jungs die Grundzüge von Flag Football bei. Das ist eine weniger körperlich raue Variante des American Football. Weil das Gymnasium noch keine eigene Turnhalle hat, trainiert die Gruppe in der Halle der Albert-Schweitzer-Grundschule. Nur knapp fünf Minuten dauert der Fußweg dorthin, und auch ansonsten ist der Draht zur Lindener Grundschule eng. In der Aula hat auch bereits die Einschulungsfeier für die Fünftklässler stattgefunden.

Der 36-jährige Grote schleudert das Leder-Ei durch die Halle. „Gar nicht so einfach, das zu fangen“, sagt Milos (10), „aber es macht richtig Spaß.“ In den nächsten Monaten will Grote mit seinen Jungen auch noch Basketball und Ultimate Frisbee üben.

Während die einen in der Halle schwitzen, gehen die anderen über das Schulgelände und suchen sich Verstecke fürs Geocaching. „Neben einem Mülleimer ist vielleicht nicht so gut“, sagt ein Mädchen. Lehrer Phil Franklin pflichtet ihm bei: „Stimmt, das könnte der Hausmeister für Müll halten und wegwerfen.“ Der Erdkundelehrer bietet eine Geocaching-AG an. „Das ist ideal, die Kinder setzen sich dabei auf spielerische Art mit der Natur auseinander“, sagt er. Wer einen Cache - also einen Schatz - findet, muss einen Gegenstand zurücklassen, der gleich viel oder mehr wert ist. Alma (10) hat im Urlaub in Bayern schon einmal beim Geocaching mitgemacht. „Das wäre auch mal eine gute Idee für eine Geburtstagsfeier“, sagt sie. Als Nachmittagsprogramm an einem Schultag gefällt es ihr aber auch.

Bei Englischlehrerin Anke Müller zeigen die Teilnehmer der Drama AG derweil, wie man englische Zungenbrecher amüsant in Szene setzen kann. „Ich führe gern etwas auf“, meint Jula. Philine war schon auf der Grundschule in einer Theatergruppe. Und Rüzgar hat sich für diese AG entschieden, weil sie von „unserer Klassenlehrerin“ angeboten wird.

Saskia Döhner

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Limmer in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Limmer trägt seinen Namen vom Castrum Limbere des Grafen Konrad von Roden.
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