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Limmer "Limmer droht im Verkehr zu ersticken"
Hannover Aus den Stadtteilen Limmer "Limmer droht im Verkehr zu ersticken"
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00:15 20.06.2017
Von Juliane Kaune
Die Wunstorfer Straße soll bis auf Weiteres den gesamten Verkehr der Wasserstadt aufnehmen. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Statt eines einheitlichen Verkehrsplans gibt es einen Rückschlag: Die von Bezirksrat und Bürgerinitiative (BI) Wasserstadt seit Langem geforderte Umwidmung und Verkehrsberuhigung der Wunstorfer Straße (B 441), die aktuell den Status einer Bundesstraße hat, ist vom Tisch. „Limmer droht im Verkehr zu ersticken“, warnt BI-Mitglied Uwe Staade.

Abgelehnt hat die Umwidmung die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Im Stadtgebiet gebe es keine „adäquate Alternative“ zu der Bundesstraße, teilt die Behörde mit – und erteilt damit dem bisher diskutierten Vorschlag eine Absage, den Durchgangsverkehr über eine mögliche Route umzuleiten, die über Zimmermannstraße und Eichenbrink zur Carlo-Schmid-Allee führt.

„Durchschnittliche Belastung“

Auch die Stadt sieht offenbar keine Notwendigkeit, die Wunstorfer Straße nachhaltig vom Verkehr zu entlasten. In einem Schreiben an den Bezirksrat heißt es, die B 441 liege „im gesamtstädtischen Vergleich bei einer eher durchschnittlichen Belastung für einen Abschnitt dieser Straßenkategorie“. Dabei beruft sich die Stadt auf ein Gutachten, das schon in den Wasserstadt-Bürgerversammlungen vorgestellt wurde. Demnach sind auf der B 441 täglich 10 000 bis 14 000 Kraftfahrzeuge unterwegs.

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Es sei nicht zu erwarten, dass dort allein durch eine Umwidmung weniger Verkehr fließe, heißt es weiter. Die Wunstorfer Straße bleibe die kürzeste und attraktivste Verbindung in Ost-West-Richtung. Zudem könne der Schwerlastverkehr nicht in „relevantem Umfang“ verlagert werden, weil die Eichenbrink-Brücke eine Tonnagebeschränkung habe. In der Diskussion war jedoch auch, schwere Lastkraftwagen schon vor der Brücke über die Südfeldstraße auf die Carlo-Schmid-Allee zu lenken. Prüfen will die Stadt immerhin, ob abschnittsweise Tempo-30-Zonen auf der B 441 möglich sind.

BI-Mitglied Staade und dem Bezirksrat reicht das bei Weitem nicht. „Auf die Belastung der Anwohner und die Trennwirkung einer stark befahrenen Wunstorfer Straße für den Stadtteil wird gar nicht eingegangen“, empört sich Staade. So sieht es auch SPD-Fraktionschef Eike Geffers: „Das vorliegende Gutachten ist ein Freibrief für die Stadt, nicht tätig werden zu müssen.“ CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Steingrube nennt die Stellungnahme der Verwaltung „mehr als unbefriedigend“.

Stadtbahnanschluss unsicher

Noch immer ist zudem unklar, ob die Wasserstadt einen Stadtbahnanschluss bekommt. Laut Stadt wird weiter geprüft, ob eine Verlängerung der Trasse der heutigen Linie 10 nach Ahlem-Nord wirtschaftlich ist. Parallel laufen Planungen für eine Erschließung des Wasserstadt-Geländes mit Bussen. Die Entscheidung, ob die Stadtbahn kommt, liegt bei der Region Hannover.

„Es werden immer nur rechtliche oder finanzielle Gründe vorgeschoben“, kritisiert Grünen-Fraktionschef Daniel Gardemin. „Man kann nicht erst auf die Neubürger warten und sich dann mit den Verkehrsfragen beschäftigen – so wird das Pferd von hinten aufgezäumt.“

Schon vor Monaten hatten Bezirksrat und BI ein umfassendes Verkehrskonzept für Kraftfahrzeuge, Radfahrer und ÖPNV gefordert. Es sollte die gesamte Entwicklung in dem durch die Wasserstadt stetig wachsenden Stadtteil analysieren und lenkend eingreifen. Doch die Stadt hat den Vorschlag jetzt abgelehnt. „Die Planer stellen sich äußerst dickfellig an – keiner hat Lust, das komplexe Verkehrsthema einmal richtig anzupacken“, ärgert sich SPD-Mann Geffers.

Kommentar: Erstaunlicher Gleichmut

Noch immer drücken sich die Verantwortlichen bei Stadt und Region aus unverständlichen Gründen um eine schlüssige Verkehrsstrategie für die Wasserstadt. Mehr noch: Die bisherige Debatte in Bürgerforen und Bezirksrat um ein nachhaltiges Konzept für den wachsenden Stadtteil Limmer hat die Stadt nun einfach vom Tisch gewischt. Mit dem Verweis, dass das bestehende Straßennetz noch Zuwachs vertragen kann. Das ist eine Zumutung für alle, die engagiert und konstruktiv an möglichen Lösungen für die zu erwartenden Verkehrsprobleme gearbeitet haben.

Die Stadt legt erstaunlichen Gleichmut bei zentralen Fragen an den Tag. Die Aussage, auf der Wunstorfer Straße seien nur „durchschnittlich“ viele Fahrzeuge unterwegs, ist ein Schlag ins Kontor für die jetzt schon vom Verkehr geplagten Anwohner. Obendrein bleiben Stadt und zuständige Landesbehörde Fakten schuldig, warum die Straße unbedingt Bundesstraße bleiben muss und eine Umleitung über die Carlo-Schmid-Allee – obwohl als Alternative diskutiert – nicht leistungsfähig genug sein soll. Eine vorausschauende Verkehrsstrategie sieht anders aus. Es wirkt, als warteten die Planer darauf, dass erst einmal Bewohner ins Neubaugebiet ziehen, um dann ihre Verkehrsplanung nachzujustieren. Das kann nicht gut sein.

Eine zentrale Frage ist bei all dem, ob die Wasserstadt einen Stadtbahnanschluss bekommt oder per Bus angesteuert werden soll. Doch noch immer hat die Region das seit Langem angekündigte Wirtschaftlichkeitsgutachten für die bis nach Ahlem-Nord verlängerte Bahntrasse nicht vorgelegt. Zwar wäre ein Stadtbahnanschluss erst mittelfristig vorgesehen. Doch Planungssicherheit auch in dieser Frage muss schnellstmöglich her. Nicht zuletzt, damit die Menschen vor Ort endlich wissen, woran sie sind.

Ein Kommentar von Juliane Kaune

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