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Werden 26 Mieter in Limmer vor die Tür gesetzt?

Bauprojekt Kesselstraße Werden 26 Mieter in Limmer vor die Tür gesetzt?

Dringend benötigter neuer Wohnraum soll auf dem Gelände der ehemaligen Kessel­fabrik entstehen – rund 180 Wohnungen sind geplant. Doch bevor diese gebaut werden können, müssen erst Wohnungen abgerissen werden: In dem Haus in der Kesselstraße 12a gibt es auch 26 vermietete Wohnungen – und die sind den Plänen des Investors im Weg.

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„Wir haben Angst, dass wir vor die Tür gesetzt werden“: Die Mieter der Kesselstraße 12 erfuhren aus der Zeitung von den Abrissplänen.

Quelle: Alexander Körner

Hannover . Die Mieter wurden offenbar nicht informiert. „Wir haben jetzt Angst, dass wir vor die Tür gesetzt werden“, sagte Friedel Weber, einer der betroffenen Anwohner, die in die jüngste Sitzung des Bezirksrats Linden-Limmer gekommen waren. Die Politiker wiederum zeigten sich überrascht, dass in dem früheren Firmengebäude Menschen leben.

Erst durch die Recherchen der HAZ sei der Bezirksrat auf die Situation aufmerksam geworden, sagte Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube in der Sitzung. In den bisherigen Vorgesprächen mit dem Investor und Projektentwickler sei nie die Rede davon gewesen, dass auf dem Gelände noch 26 Wohnungen vermietet sind, kritisierte er.

Wie berichtet, will die hannoversche Hegu GmbH auf dem 12 500 Quadratmeter großen, weitgehend brachliegenden Areal zwischen Kessel- und Kirchhöfnerstraße Mehrfamilien- und Reihenhäuser errichten. Partner ist die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH), die die Wohnungen übernimmt. Laut einer Drucksache zum Bebauungsplan soll „überwiegend bezahlbarer, öffentlich geförderter Wohnraum“ entstehen.

Vertrauen hat gelitten

Es klingt widersinnig: Für den Neubau von Wohnungen sollen Wohnungen abgerissen werden, die offenbar in gutem Zustand sind. Aus Sicht der Mieter ist das aus verständlichen Gründen nicht nachvollziehbar. Sie sind zufrieden in den kleinen, bezahlbaren Wohnungen, in denen sich manche schon seit Jahren wohlfühlen. Und sie sind skeptisch, ob sie nach einem Auszug jemals wieder vergleichbar preiswerten und günstig gelegenen Wohnraum finden werden. Trotz der Zusicherungen von Investor und GBH, gleichwertigen Ersatz zu beschaffen, wird es sicher nicht gelingen, alle zufriedenzustellen. Hinzu kommt, dass das Vertrauen in den Bauträger gelitten hat, weil die Betroffenen aus der Zeitung erfahren mussten, dass ihre Wohnungen weichen sollen. Der Investor kann nun beweisen, dass er es ernst meint mit dem Dialog. Den Wunsch mancher Mieter wird er aber sicher nicht erfüllen: Die Neubauten um den Bestand herum zu bauen hat allein schon aus städtebaulichen Gründen keine Aussicht auf Erfolg.

Ein Kommentar von Juliane Kaune

Das Gesamtkonzept stößt bei den örtlichen Politikern auf Zustimmung. Allerdings sehen sie sich nun vor die Aufgabe gestellt, bei ihrer Entscheidung über den Bebauungsplan auch die Belange der Mieter aus dem Haus in der Kesselstraße 12a berücksichtigen zu müssen. „Ich bin erst vor drei Monaten eingezogen, und keiner hat mich auf den Abriss hingewiesen – das habe ich erst aus der Zeitung erfahren“, berichtete Malte Schmidt in der Bezirksratssitzung. Er und drei weitere Mieter schilderten dem Gremium ihre Ängste. „Für mich ist ein ungeplanter Umzug nicht möglich“, sagte eine Studentin. Sie sei froh, in Limmer Wohnraum gefunden zu haben, den sie sich leisten könne. Ein anderer Student wollte wissen, wann der Abriss geplant ist: „In einem oder in fünf Jahren?“

„Warum lässt man unser Haus nicht einfach stehen und setzt die neuen Häuser drumherum?“, fragte Mieter Friedel Weber. Es sei paradox, Wohnungen abzureißen, um dann neue zu bauen. Er und viele Nachbarn wollten nicht weg aus der Kesselstraße. Die Lage sei gut, die Miete der 40 bis 50 Quadratmeter großen Einzimmerwohnungen bezahlbar. „Und ein Umzug kostet auch wieder viel Geld.“ Weber wohnt nach seinen Angaben als einer der ersten Mieter schon fast 20 Jahre in dem Haus. Seit wann genau die beiden Obergeschosse des früheren Firmensitzes komplett als Wohnraum genutzt werden, kann er nicht sagen. Auf jeden Fall lange genug, um zu bemerken, dass dort Menschen leben, meint er. „Ich verstehe nicht, warum die Politiker das nicht wussten“, sagte er nach der Sitzung. „Sie hätten nur mal abends da vorbeifahren müssen, dann hätten sie gesehen, dass dort Licht brennt.“ An der Eingangstür seien zudem viele Klingelschilder montiert.

Die Grünen im Bezirksrat bemühten sich um Schadensbegrenzung. Sie haben einen Änderungsantrag zum Bebauungsplan vorbereitet, um die Interessen der Mieter zu wahren. Die GBH solle diesen in Preis und Größe vergleichbare wohnortnahe Ersatzwohnungen beschaffen, forderte Fraktionschef Daniel Gardemin. Zudem solle ihnen auch im fertigen Neubaugebiet entsprechender Wohnraum angeboten werden.

Über den Antrag wurde noch nicht abgestimmt, weil die Linken den Bebauungsplan in die Fraktionen zogen. Für die SPD sagte Fraktionschef Eike Geffers, man dürfe nicht vergessen, dass immerhin 180 neue Wohnungen entstehen. „Das Haus 12a muss aber so lange erhalten werden, bis die Mieter gut untergebracht sind.“

Die Hegu hat das Grundstück in der Kesselstraße mit allen Bestandsbauten zum Stichtag am 31. Dezember 2016 erworben. Nach Angaben der Stadt könnte dort bis Ende 2017 Wohnbaurecht geschaffen werden. Noch handelt es sich um ein Gewerbegebiet mit „untergeordneter Wohnnutzung“. Man bewerte nun mit der Hegu die Situation vor Ort, sagte GBH-Prokurist Frank Ermlich auf Anfrage. Ziel sei, für alle Betroffenen passende Lösungen zu finden, erklären GBH und Hegu übereinstimmend. Geprüft werde, ob – auch während der zweijährigen Bauphase – vergleichbarer Ersatzwohnraum in der Nähe angeboten werden könne und ob ein Rückumzug in die fertigen Neubauten möglich sei.

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Limmer in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Limmer trägt seinen Namen vom Castrum Limbere des Grafen Konrad von Roden.
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