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Limmer Wird das Fössebad ein reines Hallenbad?
Hannover Aus den Stadtteilen Limmer Wird das Fössebad ein reines Hallenbad?
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00:15 23.04.2017
Von Juliane Kaune
Der marode Außenbereich liegt seit Jahren brach. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

„Ganz klar: Wir wollen das Freibad“, sagt Daniel Gardemin, Grünen-Fraktionschef im Bezirksrat Linden-Limmer. Der Stadtbezirk wachse stetig, auch für die angrenzenden Stadtteile im Westen Hannovers sei ein Bad wichtig, das Familien nutzen können. „Der lange erwartete Neubau des Fössebades darf nicht zum reinen Sportbad werden“, fordert Gardemin.

Wie berichtet, halten Stadt und Stadtrat bei den Planungen zur Zukunft des Fössebades ein Freibad offenbar nicht mehr für zwingend erforderlich. Vorrangiges Ziel ist es, am Standort an der Liepmannstraße ein modernes Hallenbad mit 50-Meter-Schwimmbecken zu errichten, das auch Wettkampfbedingungen genügt. Damit sollen Schwimmern, die bisher nur im Stadionbad trainieren können, mehr Möglichkeiten gegeben werden, ihren Sport auszuüben. Mehr als 20 Millionen Euro wird der Neubau kosten, der über eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) finanziert werden soll. Das bedeutet, dass ein privater Investor das Bad baut und die Stadt diesem eine Kaufmiete zahlt.

Stets ein kombiniertes Hallen- und Freibad

Im Stadtbezirk war man bisher davon ausgegangen, dass in der Gesamtplanung weiterhin ein Freibad vorgesehen ist. Das jetzige Außenbecken liegt bereits seit viereinhalb Jahren brach, weil es nicht mehr saniert werden kann. „Es hatte sich schon angedeutet, dass ein neues Freibad kleiner als das jetzige ausfallen könnte. Aber dass ganz darauf verzichtet wird, können wir nicht hinnehmen“, sagt Gardemin. Das Außenbecken sei stets ein „Besuchermagnet“ gewesen. Es sei dem Stadtbezirk „lieb und teuer“. Seit seiner Eröffnung 1960 war das Fössebad stets ein kombiniertes Hallen- und Freibad.

Für Eike Geffers, Fraktionschef der SPD im Bezirksrat, ist es ebenfalls keine Frage, dass das Fössebad ein Freibad braucht. „Ein Entweder-oder zwischen Sportbad und Familienbad haben wir nie gesehen - wir wollen beides“, stellt Geffers im Namen seiner Fraktion klar. Erst in seiner jüngsten Sitzung hatte der Bezirksrat auf Antrag der Linken mit großer Mehrheit seiner Forderung nach einem Freibad Nachdruck verliehen. Auch Anne Barkhoff, Vorsitzende des Fössebad-Fördervereins, bekräftigt: „Das Freibad muss bleiben.“

Nach Informationen dieser Zeitung gehen die Überlegungen von Stadt und Ratspolitik dahin, die neue Schwimmhalle so zu konstruieren, dass sie weiträumig geöffnet werden kann. So wäre im Sommer ein direkter Zugang zum 50-Meter-Becken möglich. Gardemin kann sich nicht vorstellen, dass dies ein akzeptabler Ersatz für das Freibad sein könnte. Er mutmaßt, dass für das Außenbecken kein Platz mehr sein soll, weil auf der derzeitigen Liegewiese Wohnhäuser gebaut werden sollen.

Die Verwaltung will die endgültigen Pläne für das Fössebad bald vorstellen. Zunächst soll dem Bezirksrat am 10. Mai die lange angekündigte Drucksache vorgelegt werden, dann muss der städtische Rat entscheiden. Bis der Neubau steht, wird noch Zeit vergehen: Die Stadt rechnet damit, dass das Bad 2020/21 fertig wird.

Lösung für Waspo

In der Diskussion um den künftigen Betreiber des Fössebads zeichnet sich eine Lösung ab. Weil die Stadt bei einem ÖPP-Projekt aus rechtlichen Gründen selbst als Betreiber auftreten muss, drohte der Verein Waspo, der den Badbetrieb derzeit sicherstellt, außen vor zu sein. Nun ist im Gespräch, dass die Stadt die bisherigen 36 Bad-Mitarbeiter zumindest teilweise übernimmt.

Kalter Guss für Fösse-Fans

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht – welche möchten Sie zuerst hören? Mit einer solchen Wahlmöglichkeit mögen sich all jene konfrontiert sehen, die sich seit Jahren vehement für das Fössebad einsetzen. Dass Stadt und Ratspolitik sich ganz klar für einen Neubau des Hallenbades ausgesprochen haben, ist der gute Teil der Nachricht. Aber dass sie nun offenbar das Freibad für verzichtbar halten, ist ein kalter Guss für die Fösse-Fans. Bisher waren sie davon ausgegangen, dass das Außenbecken im Komplettpaket des Badneubaus enthalten sein würde – wenn auch in verkleinerter Form. Der jetzt ins Spiel gebrachte Vorschlag, die gläserne Wand der neuen Schwimmhalle im Sommer zu öffnen, um so ein bisschen Freibadegefühl zu ermöglichen, klingt wenig überzeugend.

Natürlich hat die Stadt nur ein begrenztes Budget für das Bad zur Verfügung, dessen Finanzierung zudem erst noch mit privaten Partnern abgesichert werden muss. Aber wenn schon mehr als 20 Millionen Euro für ein neues Fössebad ausgegeben werden sollen, muss die Frage erlaubt sein, wie hoch der Kostenfaktor für das Außenbecken überhaupt ist. Darauf hat die Stadt bisher noch keine Antwort gegeben. Sie lässt die örtlichen Politiker ebenso weiter warten wie die Nutzer und Förderer des Fössebades. Möglicherweise gerade deswegen, weil die Verwaltung mit deutlichem Widerstand rechnet. Ein Fössebad ohne Freibad ist in der Tat schwer vorstellbar – schließlich war es bei seiner Eröffnung im Jahr 1960 das erste Kombi-Bad Deutschlands.

Ein Kommentar von Juliane Kaune

Die Betreiber des Musikclubs Béi Chéz Heinz im Keller des Fössebads wollen sich nicht geschlagen geben. „Wir haben ein schlüssiges Konzept, wie das Chéz Heinz am jetzigen Standort bleiben kann - trotz neuer Schwimmhalle“, sagt Heinz-Chef Jürgen Grambeck.

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