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Linden Linden hat 27 neue Stolpersteine
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Linden hat 27 neue Stolpersteine
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02:15 09.10.2016
Von Simon Benne
Keith Gardener mit seinen Kindern Amy und Jacob sind für die Verlegung der Stolpersteine extra aus den USA angereist. Quelle: Katrin Kutter
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Linden

Jemand hat für die kleine Feierstunde ein Foto von ihr an die Hauswand gehängt. Das Schwarzweißbild zeigt sie als kleines Mädchen mit Schultüte. Hier, in diesem Haus, hat Margot Katz einst gelebt. In der heutigen Laportestraße 24a. Als sie zwölf Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie 1935 mit einem Kindertransport in die USA. Dabei durften jüdische Kinder Deutschland verlassen, doch ihre Eltern mussten im NS-Staat bleiben.

Margots Eltern flohen 1939 nach Shanghai, ihre Mutter starb dort. Sie selbst lebte bis zu ihrem Tod 1999 in den USA. Und jetzt ist ihr Sohn, der 68-jährige Keith Gardener, mit seinen Kindern Amy und Jacob aus Iowa hierher zurückgekehrt. An diesem Tag wird die Familie Katz mit der Verlegung von drei Stolpersteinen geehrt. „Jetzt, da ich selbst Kinder habe, verstehe ich, wie schwer es sein muss, sich von ihnen zu trennen“, sagt die Enkelin unter Tränen. „Aber ich hätte es auch getan, um sie zu retten.“

Der Künstler Gunther Demnig verlegt an diesem Tag in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 jener Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Mit stiller Routine passt der Künstler die Steine in eine Lücke im Gehweg ein, mit dem Gummihammer klopft er sie im Mörtelbett fest.

Die neu verlegten Steine erinnern an höchst unterschiedliche Schicksale: Vor der Kramerstraße 4 in der Altstadt verlegt Demnig einen Stolperstein für den Metallarbeiter Otto Kreikbaum. Der Kommunist wurde von den Nazis in die Konzentrationslager Moringen und Esterwegen verschleppt, 1945 starb er als Soldat in Russland. In der Oststädter Yorckstraße 10 werden Stolpersteine für das jüdische Ehepaar Alfred und Toni Wechsler verlegt.

In der Rampenstraße 5 in Linden erinnert ein Stolperstein an Otto Schartenberg, der 1938 als Jude nach Buchenwald verschleppt wurde und wenige Tage nach der Entlassung an den Haftfolgen starb. Sein Enkel Peter Sheridan ist eigens aus Australien angereist. Es gibt ein paar Dinge, die der 71-Jährige über seinen Großvater weiß: „Er hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft, spielte Klavier, ging am Stock.“ Zum ersten Mal steht er vor dem früheren Wohnhaus seines Großvaters. „Wir teilen die Hoffnung, dass Menschen aller Nationen und Religionen friedlich zusammenleben mögen“, sagt er in seiner kleinen Rede.

Auch die amerikanischen Nachkommen von Margot Katz, die Deutschland als Kind verlassen musste, gedenken ihrer Vorfahren mit einer kleinen Zeremonie auf dem Gehweg. Aus dem hebräischen Gebetbuch seines Großvaters trägt Keith Gardener einen Psalm vor. Das Gebet spricht vom Sieg über das Böse. „Es ist gut, dem Herrn zu danken und ihn zu loben“, heißt es darin. Seine Mutter sei nie in einer Opferrolle gefangen gewesen. „Sie hat ihre Kinder und Enkel mit Liebe und Respekt großgezogen“, sagt Gardener dankbar.

Dann spielt Jacob Gardener eine englische Version von Luthers Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ auf der Gitarre. „Es ist ein Segen, hier in Deutschland zu sein“, sagt Keith Gardener: „Ich habe durch diese Reise gelernt, wie großzügig und offen die Deutschen sein können - und ich schätze es, dass sie nicht leugnen, was passiert ist.“ Für seine Familie sei diese Stolpersteinverlegung auch eine Reise in die eigene Vergangenheit, sagt Jacob Gardener: „Es ist immer gut zu wissen, woher man kommt.“

Wegen Gleisbauarbeiten muss die Üstra am Wochenende den Schienenverkehr der Stadtbahnlinie 10 unterbrechen. Ab der Haltestelle Glocksee fahren Busse statt Bahnen. Die Umleitungsmaßnahme beginnt am Freitag um 21 Uhr und endet am Sonntag nach Betriebsschluss.

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