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Linden Arbeit des Sozial-Centers ist bedroht
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Arbeit des Sozial-Centers ist bedroht
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12:08 27.10.2016
Von Juliane Kaune
Foto: Dem Sozial-Center Linden wurde nach 20 Jahren gekündigt. Quelle: Villegas
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Hannover

Bis zum Juni kommenden Jahres muss das vom Diakonischen Werk getragene Center neue Räume finden, in denen die Arbeit fortgesetzt werden kann. Gelingt das nicht, könnte dies das Aus für die anerkannte Sozialarbeit im und für den Stadtteil bedeuten. „Das ist für uns ein Hammerschlag“, sagt Barbara Mann, eine der beiden Mitarbeiterinnen.

Die Probleme begannen, nachdem die langjährige Vermieterin des Hauses in der Elisenstraße 30 verstarb. „Sie war sehr sozial eingestellt und hat auch unsere Miete nie erhöht“, berichtet Mann. Zunächst fiel das Gebäude an eine Erbengemeinschaft, die es dann an die aktuelle Eigentümerin weiterverkaufte. Statt langfristiger Mietverträge seien für das Sozial-Center nur noch Einjahresverträge abgeschlossen worden, erklärt Rainer Wilke, Abteilungsleiter beim Diakonischen Werk. Zudem sei die Miete gestiegen. Als die Vermieterin ankündigte, das komplette Hause sanieren und die Miet- in Eigentumswohnungen umwandeln zu wollen, habe sich das Team schon Sorgen gemacht, sagt Mann. Aus allen Wolken aber seien die Mitarbeiter gefallen, als im Juni dieses Jahres die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde. Mithilfe eines Juristen der Diakonie gelang es, die fristlose in eine fristgerechte Kündigung umzuwandeln. „Mehr konnten wir nicht tun“, bedauert Wilke.

"Es ist wirklich sehr schwer"

Die Suche nach neuen Räumen läuft seit Sommer. „Es ist wirklich sehr schwer“, sagt Mann. Vor allem, weil die Einrichtung in Linden-Nord bleiben möchte. „Wir bieten hier ein niederschwelliges Angebot, die Menschen kommen einfach zur Tür herein und nehmen unsere Hilfe an“, erklärt Eileen Schieleit, die zweite Mitarbeiterin vor Ort. Sie ist für die Berufsberatung Jugendlicher zuständig, die nicht selten aus sozial schwachen Familien kommen oder Migranten sind. Ein weit über den Stadtteil hinausgehendes Ergebnis dieser Arbeit ist eine jährliche Berufsbörse in der IGS Badenstedt mit bis zu 600 Teilnehmern, an der sich Schulen aus ganz Hannover beteiligen.

Grundsätzlich aber sei das Sozial-Center fest in Linden-Nord verankert, betont Mann. Das gilt für den Nähtreff, in dem Frauen kreativ werden und zugleich soziale Hilfe in Anspruch nehmen können, ebenso wie für den Klönnachmittag „Kaffeepott“, der Senioren Begegnungsmöglichkeiten bietet. Auch Beratungen für pflegende Angehörige gehören zum Angebot.

Sanierung läuft auf vollen Touren

Die Kündigung trifft das Sozial-Center zu einem Zeitpunkt, in dem sich die finanzielle Situation erstmals seit Jahren etwas entspannt hatte. Die Region Hannover hat die Zuschüsse der Stadt in Höhe von jährlich 58.000 Euro für drei Jahre um jeweils 20.000 aufgestockt - und damit den Weiterbetrieb der Einrichtung erst ermöglicht. Dafür hatte sich der Bezirksrat Linden-Limmer eingesetzt. Auch bei der Suche nach einem neuen Standort ist die Unterstützung Dritter nötig. Die Räume müssten um die 100 Quadratmeter groß sein und sich so teilen lassen, dass zwei Büros abgetrennt werden können. Sie sollen zudem barrierefrei und gut erreichbar sein.

Die Sanierung des Hauses in der Elisenstraße läuft schon auf vollen Touren. Auch im Sozial-Center sind Handwerker zugange, der Baulärm ist nicht zu überhören. Warum das Center weichen muss, habe die Vermieterin nie plausibel begründet, sagt Wilke. „Sie hat uns gleich vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Die Eigentümerin hingegen erklärt, die Kündigung sei akzeptiert worden: „Bei mir hat sich keiner beschwert.“ Zudem habe das Sozial-Center unzulässige Untermietverträge abgeschlossen. Was künftig in dem Ladenlokal geplant ist, lässt sie offen. Im Gespräch mit dem Stadt-Anzeiger deutet sie jedoch auch eine Option an: Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Center nach der Sanierung unter bestimmten Bedingungen vielleicht wieder einziehen könnte.

Bei Wilke und seinen Kolleginnen löst diese Aussage große Verwunderung aus: „Das“, sagt er völlig überrascht, „hören wir zum allerersten Mal.“

Wer bei der Suche nach Räumen helfen kann, wendet sich an rainer.wilke@evlka.de.

Vermutet hatten es viele Lindener bereits, nun gibt es die Bestätigung: In den früheren Netto-Markt in der Limmerstraße 15 wird die Drogeriekette Rossmann mit einer Filiale einziehen. „Wir werden dort vermutlich im Mai 2017 auf rund 1000 Quadratmetern einen Markt eröffnen“, sagt Rossmann-Sprecher Stephan-Thomas Klose.

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