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Arbeiten am Kesselhaus gestartet

Aufwendige Sanierung Arbeiten am Kesselhaus gestartet

Das historische Kesselhaus auf dem Faust-Gelände ist eines der letzten Relikte Lindener Industriekultur. Derzeit wird das mit Asbest- und Taubenkot verseuchte Wahrzeichen aufwendig saniert.

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Hermetisch abgeriegelt: Eine Materialschleuse an der Außenwand des Kesselhauses.

Quelle: Moers

Hannover. Nur in schwerer Schutzkleidung und durch eine Luftschleuse, können Arbeiter das Gebäude betreten; zu groß ist die Gesundheitsgefahr, die von dem kontaminierten Inneren ausgeht. Rechtzeitig zum Tag des offenen Denkmals am 11. September soll der denkmalgeschützte Backsteinbau wieder problemlos begehbar sein, sogar für die Öffentlichkeit.

Wie geht es nach der Sanierung weiter?

„Im Anschluss an die Sanierung soll im Stadtteil eine Diskussion über die künftige Nutzung stattfinden“, erklärte Peter Hoffmann-Schoenborn, der Vorsitzende der Faust-Stiftung bei der Pressekonferenz zum ersten Spatenstich. Ein konkretes Konzept für die Zeit nach der Fertigstellung gibt es noch nicht. Vorstellbar wäre etwa die Einrichtung eines Industriemuseums nach dem Vorbild der umgenutzten Ruhrgebiets-Zechen, bemerkte Jan Habermann, Architekt des beauftragten Büros AGSTA. Auch Gastromie- oder Büroräume wäre denkbar. Der neu gewählte Vorstand der Faust-Stiftung, vertreten durch Hoffmann-Schoenborn und Neuzugang Lothar Schlieckau, hielt sich mit konkreten Vorschlägen zurück. „Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand ist die Nutzung als Museum wirtschaftlich nicht vorstellbar“, so Schlieckau. Am Ende wird also die Wirtschaftlichkeit der Vorschläge eine wesentliche Rolle spielen bei der Frage, an wen die Faust-Stiftung das Kesselhaus verpachtet. Der 1927 gefertigte Drei-Trommel-Steilrohrkessel war bis zum Ende der Dreißigerjahre in Betrieb. Als Herzstück der Bettfedernfabrik Werner und Ehlers versorgte die Dampfmaschine den Betrieb mit der nötigen Energie.

Sanierung kostet 250.000 Euro

Die 250 000 Euro teure Sanierung dient allein der baulichen Sicherung und Reinigung. Der Bund unterstützt das bereits in den Neunzigerjahren angedachte Projekt als größter Geldgeber mit 125 000 Euro. 13 000 Euro stammen aus privaten Spenden, die im vergangenen Jahr auf Stadtteilfesten und bei Unterstützeraktionen im Stadtteil zusammenkamen. „Das Kesselhaus findet absolut positive Resonanz im Stadtteil“, zeigte sich Jörg Smotlacha“, der Pressesprecher der Faust, zufrieden.

Fünf Jahre nach der Gründung der Faust-Stiftung markiert der Sanierungsbeginn eine Zäsur auf dem Faust-Gelände. „Wir waren lange mit der Neuorganisation nach der Insolvenz beschäftigt, jetzt beginnt der gestalterische Teil“, kündigte der Vorsitzende Peter Hoffmann-Schoenborn zum Jubiläum weitere Baumaßnahmen an. „Das Kesselhaus bleibt dabei eine Daueraufgabe“, erklärte er.

"Wünsche mir einen Zugang zum Wasser"

Bereits in den nächsten drei Jahren will man nach Möglichkeit die energetische Sanierung mithilfe von EU-Fördergeldern vorantreiben. Weitere Baustellen sind die Barrierefreiheit, der Ausbau des Dachgeschosses und die Ablösung des Erbbaurechts. „Ich wünsche mir auch einen Zugang zum Wasser“, verwies Hoffmann-Schoenborn auf ein Fernziel. Das Kulturzentrum am Fluss, eine Vorstellung, für die sich sicher viele Hannoveraner begeistern lassen.

Die Faust-Stiftung wurde nach Ende des Insolvenzverfahrens gegründet. Die Stiftung besitzt die gesamten Liegenschaften des Kulturzentrums. Eigentümer des Grundstücks ist dagegen die Berliner Stiftung Umverteilen. Die Stiftung verpachtet die Gebäude an die diversen Nutzer, darunter der Trägerverein Faust e.V.. Das Konstrukt soll den wirtschaftlichen Betrieb sichern sowie die Erhaltung der denkmalgeschützten Bauten. Im vergangenen Jahr erzielte die Stiftung einen Erlös von 370 000 Euro. Sämtliche Überschüsse kommen dem Kulturzentrum zugute. Seit der Gründung hat die Stiftung rund 600 000 Euro in Baumaßnahmen investiert.

Konkrete Pläne für Wasseraufbereitungsanlage

Gegenüber des markanten Kesselhauses liegt ein weiteres unscheinbares Gebäude seit Jahrzehnten ebenfalls im Dornröschenschlaf. Auch für die leer stehende ehemalige Wasseraufbereitungsanlage im Nordteil des Ökologischen Gewerbehofs gab es bereits unzählige Nutzungsvorschläge. Jetzt steht auch das letzte unberührte Stück Bettfedernfabrik möglicherweise kurz vor der Sanierung. Von der Fischzucht über Proberäume bis zur Gastronomie reichten die Ideen für das Gebäude am Ihme-Ufer. „Es gab mindestens ein Dutzend Ideen, die sich aber alle finanziell nicht umsetzen ließen“, erklärt Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. Als Leiter des Gewerbehof-Büros hält er die Nutzungsmöglichkeiten des großen Gebäudeteils für stark begrenzt. „Es ist nicht das Kleinod, für das es viele halten mögen“, so Grube. In der Wasseraufbereitungsanlage wurde früher das dreckige Flusswasser chemiefrei für die Bettfedernverarbeitung vorbereitet. Riesige Betonbecken sind fest mit dem Gebäude verbunden und erschweren die Umnutzung. Dennoch könnte eine Sanierung bereits 2017 beginnen. Laut Grube gibt es dafür bereits konkrete Pläne. Der ökologische Gewerbehof wird die im eigenen Besitz befindlichen Räumlichkeiten möglicherweise für nicht näher benannte eigene Zwecke nutzen. Details will Grube vorerst nicht verraten.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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