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Linden Arbeitslose reparieren Spielzeug für bedürftige Kinder
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Arbeitslose reparieren Spielzeug für bedürftige Kinder
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00:15 13.05.2017
Von Juliane Kaune
Was Kinder sich wünschen: Iris Lewitzka-Blume zeigt die vollen Regale der Toys Company. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Pinocchio trifft auf Hänsel, Gretel und die Hexe. Die Figuren baumeln an Fäden vor einer Waldkulisse in dem Mini-Puppentheater. Welches Märchen da bloß zur Aufführung kommt? Iris Lewitzka-Blume lächelt. Es seien wohl die einzigen hölzernen Helden, die dem Theater geblieben sind. Die Vielzahl der noch vorhandenen Kulissen deutet darauf hin, dass es früher für eine ganze Reihe von Märchenstücken ausgestattet gewesen sein muss. Macht nichts. Die Sozialpädagogin weiß eine Lösung: „Wir haben überlegt, neue Figuren zu schnitzen.“

Projekt mit Perspektive

Die Toys Company ist ein bundesweites Projekt der Dekra-Akademie und der örtlichen Jobcenter. In Hannover gibt es das Angebot seit 2008. Die Beschäftigten sind zwischen 26 und 56 Jahre alt. Zunächst kommen sie für ein halbes Jahr in den Betrieb. Viele bleiben für zwei bis drei Jahre, dann wechseln sie in der Regel in eine berufliche Ausbildung, Umschulung oder Weiterbildung. 5 und 10 Prozent der Teilnehmer können gleich in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Das Spielzeug stammt aus Spenden. Sie werden montags bis freitags von 8.30 bis 15.30 Uhr in der Dekra-Akademie, Marianne-Baecker-Allee 1, entgegengenommen. Unter Telefon 8?79?59?33 können Spender erfragen, was gebraucht wird.

jk

In der Toys Company ist man auf solche Fälle bestens vorbereitet. Die Mitarbeiter sind Spezialisten für Spielzeug. Für Puppen, Teddys und Co., die bereits in Kinderzimmern zu Hause waren - und dabei auch so manchen Kollateralschaden davongetragen haben. In der Werkstatt werden solche Problemfälle zuverlässig wieder auf Vordermann gebracht.

Und die liebevoll instand gesetzte Secondhandware wird schließlich wieder verschenkt - an Mädchen und Jungen aus einkommensschwachen Familien. Auch Kitas, Jugendzentren, Behinderteneinrichtungen oder Krankenhäuser gehören zu den Abnehmern.

Barbies, Lego, Playmobil sind am beliebtesten

Wer kostenfrei ein Spielzeug mitnehmen möchte, trifft auf Francesco Salato. Der 34-Jährige steht im Lager und sortiert die Auslage. „Barbies, Lego und Playmobil sind am beliebtesten, auch Ritterburgen und Tankstellen sind schnell weg“, erklärt er. Einen Beruf hat Salato wegen einer Erkrankung bis dato nicht erlernt, aber bereits in der Gastronomie gearbeitet. Der Kontakt mit Menschen mache ihm Spaß, sagt er. „Und mit Kindern besonders.“ Seit neun Monaten arbeitet Salato im zweiten Stock der Dekra-Akademie, in dem die Toys Company untergebracht ist.

„Ziel ist es, unseren Mitarbeitern eine neue berufliche Perspektive zu eröffnen“, erklärt Projektleiterin Iris Lewitzka-Blume. Die rund 40 Beschäftigten erhalten einen Euro pro Arbeitsstunde; bis zu 30 Stunden wöchentlich sind sie im Einsatz. Manche haben eine handwerkliche Ausbildung, andere eine kaufmännische. Wieder andere sind ungelernte Kräfte. Je nach Interessen und Fähigkeiten werden sie eingesetzt - in Werkstatt, Lager oder Büro. Ansprechpartner für alle ist Oktavian Bartoszewski. „Von Haus aus bin ich Buchhalter“, sagt der Dekra-Mitarbeiter. Aber weil er auch in technischen Fragen versiert ist, hilft er überall aus.

Viel Unterstützung braucht Nils Seidensticker nicht. Der 29-Jährige hat in der Werkstatt ein hölzernes Feuerwehrauto nach eigenen Entwürfen gebaut. „Ich arbeite gern mit Holz“, erklärt er. Und: „Es macht mir viel Freude, wenn es den Kindern gefällt.“ Seidensticker hofft, bald eine Ausbildung in einer Tischlerei machen zu können.

"Ich muss immer was zu tun haben"

Grazyna Mysiakowski und Gizem Caglagül nähen bunte Taschen, bessern Puppenkleider aus oder flicken versehrtes Teddyfell. Die beiden haben sich in der Toys Company kennengelernt und bringen sich nun gegenseitig neue Handgriffe bei. „Das klappt gut“, sagt die 54-jährige Grazyna Mysiakowski, die eigentlich Frisörin ist.

Robert Brockmann hat eine Ritterburg gebaut, aus Styropor, Modellbaumasse und Holzpaste. Mit viel Liebe zum Detail hat er sein Kunstwerk ausgestattet - von der Steinschleuder bis zum Pferdestall. Wie viele Stunden das gedauert hat, weiß der 53-Jährige, der zuvor als technischer Zeichner und Grafiker gearbeitet hat, nicht. Nachdem er arbeitslos wurde, nutzte er die anderthalb Jahre bei der Toys Company. „Ich habe auch Lego und Playmobil repariert, ich muss immer was zu tun haben.“ Nun wird Brockmann das Projekt verlassen: Er hat einen Arbeitsvertrag als Layouter in der Tasche.

In den Räumen des früheren Studenten-Cafés Übü eröffnete jetzt das Bistrorante la mia casa. Die Betreiberin Nana Tevzadze kommt aus Georgien und ist in Linden keine Unbekannte. Zunächst servierte sie im Luci della Montagna, dann führte sie das Notre Dame. La mia casa ist ihr erster eigener Laden.

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