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Linden Armenspeisung und Nachbartreff
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Armenspeisung und Nachbartreff
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15:31 16.03.2016
Brotlaibe satt: Die Tafel bei St. Benno in Linden. Quelle: Moers
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Hannover

Die Suppenküche am Lindener Tisch kocht weiterhin notgedrungen auf Sparflamme. Die vorstandsinternen Streitigkeiten um zurückgehaltene Vereinsunterlagen und Vorwürfe über Trinkgelage führten zuletzt vor das Amtsgericht. Dort kritisierte ein Richter, dass die Vereinsstreitigkeiten „vor allem auf dem Rücken der vom Verein unterstützten Bedürftigen“ ausgetragen werden. Auch nach dem Urteil, das im Kern den Ersten Vorsitzenden in seinem Amt bestätigt, hat der Verein weiterhin keinen Zugriff auf ein dringend benötigtes Lieferfahrzeug. Weil der Verein kein Geld von dem eigenen Konto abheben kann, ist es nicht möglich, den Transporter aus der Werkstatt abzuholen. Die Konsequenz des Durcheinanders ist, dass große Supermärkte als Spender abgesprungen sind und mehrere Hundert Bedürftige bei den Notausgaben leer ausgehen.

Auch an einer anderen Lebensmittelausgabe, bei der „Ahlemer Mahlzeit“ in den Räumen des ehemaligen Pfarrhauses der Maria-Trost-Kirche, gab es in der Vergangenheit leidliche Unregelmäßigkeiten. Im vergangenen Jahr hatte der Gründer und ehemalige Vorsitzende ohne Absprache gespendete Einkaufsgutscheine an Flüchtlinge verteilt. Daraufhin zog der Verein die Notbremse. Der Vorsitzende musste sich ebenfalls juristisch verantworten. Ein Vergleich sorgte dafür, dass rund 1500 Euro an den Verein zurückgezahlt wurden. „Wir sind es den Leuten schuldig, dass wir unsere Arbeit hier weitermachen“, sagt Ingrid Müller-Türk, die Schatzmeisterin des Vereins. Die ältere Dame kümmert sich zusammen mit rund 28 weiteren Ehrenamtlichen, dass jeden Freitag im Durschnitt 80 „Kunden“ mit gut sortierten, abgelaufenen Lebensmitteln versorgt werden. Um den Überblick zu behalten, werden gegen einen amtlichen Nachweis der Bedürftigkeit Ausweise ausgestellt. An der Wand des Pfarrhauses hängen ein Kreuz und Bilder von Papst und Bischof. „So etwas wird uns nicht wieder passieren“, resümiert Müller-Türk die geschehene Veruntreuung. Wer sieht, wie engagiert die vorwiegend älteren Damen aus dem Umfeld der Gemeinde die „Ahlemer Mahlzeit“ organisieren, wird keinen Zweifel haben, dass man sich redlich Mühe gibt.

Und doch schaden solche Vorfälle nicht bloß den betroffenen Suppenküchen und Tafeln, sondern dem gesamten System. Denn alle Einrichtungen sind auf das Vertrauen und Wohlwollen der Spender angewiesen.

Die Stadt selbst unterhält keine entsprechenden Angebote. Sie kontrolliert lediglich die Einhaltung der Hygienerichtlinien durch das Gesundheitsamt. Weil Vereine wie der Lindener Tisch oder die „Ahlemer Mahlzeit“ überwiegend ehrenamtlich betrieben werden, gibt es dort keine professionelle Betreuung und Kontrolle, etwa durch einen Sozialarbeiter. Anders bei den beiden Ausgabestellen der Hannöverschen Tafel“ am Mühlenberg und in Linden. Unter dem Dach der katholischen Gemeinden St. Maximilian Kolbe und St. Benno koordinieren die Diakone der Gemeinde das Angebot. „Wir haben ein gutes Verweisnetzwerk aufgebaut, über das wir unsere Besucher bei Hilfsbedarf an andere Stellen verweisen können“, erklärt Dirk Kroll, Diakon am Mühlenberg. Die Gemeinde unterhält außerdem einen Notfonds für besondere Fälle. „Uns ist wichtig, dass wir nicht bloß eine Armenspeisung machen, sondern auch andere Angebote“, schildert Kroll den eigenen Anspruch. Die Kooperation mit der bundesweit aktiven „Tafel“ fördere den Austausch und die Absprache. „Es ist von Vorteil, wenn es ein offizielles Gegenüber gibt“, findet auch St.-Benno-Diakon Ingo Langerer.

Dass das Modell Suppenküche in den verschiedensten Varianten funktionieren kann, zeigt ein Mittagstisch am Fuße der Hochhäuser im Canarisweg am Mühlenberg. Mitten im sozialen Brennpunkt kocht ein kleines Team der Nachbarschaftsarbeit täglich warme Mahlzeiten. Zu den Besuchern zählen vorwiegend die Bewohner der Anlage, aber auch Senioren aus der Nachbarschaft und Kinder der Grundschule. Für 50 Cent gibt es Essen und Gesellschaft. Eine hauptberufliche Sozialarbeiterin hat ein Auge auf die kleinen und großen Sorgen der Gäste. „Hierher kommen Bedürftige, aber auch Nachbarn, die sich gern treffen“, berichtet Petra Bleichwehl, die Leiterin der Nachbarschaftsarbeit.

Rund 4000 Menschen versorgen sich in Hannover allein an den sechs Ausgabestellen der Hannöverschen Tafeln. „Der Bedarf ist in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen“, konstatiert Diakon Langerer. Die Tafeln allein können die Nachfrage nicht bewältigen. „Für uns ist es positiv, wenn wir durch zusätzliche Angebote entlastet werden“, lobt Tafel-Geschäftsführer Horst Walter Gora Initiativen wie den Lindener Tisch. „Man konnte den Menschen sagen: Dort gibt es warmes Essen“, so Gora.

Von Mario Moers

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