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Anwohner wollen Bäume behalten

Erweiterung des Landesgesundheitsamts Anwohner wollen Bäume behalten

Die geplante Erweiterung des Landesgesundheitsamts sorgt für Aufregung unter Anwohnern in Linden-Süd. Etwa 15 mitunter riesige Bäume sollen dem Anbau in der Roesebeckstraße gegenüber der Straßenbahnhaltestelle Allerweg zum Opfer fallen.

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Die malerische Idylle vorm Fenster von Anwohnerin Anne Nissenwürde den Bauarbeiten zum Opfer fallen.

Quelle: Mario Moers

Linden-Süd. Zunächst hatte sich die Landesbehörde eine Ausnahmegenehmigung für die Rodung bei der Stadt besorgt, erst danach lud man die unmittelbaren Nachbarn zu einer Informationsveranstaltung ins Krankenhaus Siloah ein. Nur ein Dutzend Anlieger erschien. Nun versucht der Bezirksrat, die Baumfällungen mit einem Dringlichkeitsantrag zu verhindern.

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Während der zweijährigen Bauzeit bis 2019 stehen die 32 Parkplätze auf dem Gelände des Landesgesundheitsamts nicht zur Verfügung. Ein Vertrag mit dem benachbarten Niedersächsischen Landesamt für Bezüge und Versorgung (NLBV) erlaubt den Mitarbeitern, dessen Parkplatz an der Auestraße mitzunutzen. Ab 2019 endet diese Übergangslösung. Weil das Gesundheitsamt in dem Anbau 24 zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt, aber nur fünf weitere Parkplätze anlegt, könnte der Parkdruck im Quartier steigen. Anwohner befürchten seit Längerem, dass sich der Bau des Hannover-96-Breitensportzentrums auf dem Großparkplatz an der Stadionbrücke negativ auf das Parken im Viertel auswirkt. Von 400 Parkplätzen bleiben nach der Bebauung nur 250 nahe der Hochschule Hannover erhalten. Weitere 81 kommen auf dem Siloah-Areal neu dazu. Seit Anfang der Woche ist der Parkplatz bereits gesperrt. Dort finden Probebohrungen statt, die Aufschluss über eine mögliche Kampfmittelbelastung geben sollen. Mit dem Bau des Zentrums will 96 voraussichtlich im Februar 2017 beginnen.

"Sie zerstören die grüne Lunge"

„Die meisten Leute wissen doch gar nicht, was hier passiert“, vermutete Bezirksbürgermeister Rainer Grube angesichts der vielen leeren Stühle bei der Bürgerveranstaltung in der vergangenen Woche. Die wenigen, die kamen, hatten schnell den Eindruck, dass der Anbau in ihrem Quartier Spuren hinterlassen wird, die über den Lärm und Staub der Bauarbeiten hinausgehen. „Sie zerstören die grüne Lunge“, klagte ein Anwohner. Seine Nachbarin Anne Nissen befürchtet ebenfalls, dass die Rodung der Bäume und Gehölze die Lebensqualität der direkten Anlieger betrifft. Noch bietet sich ihr beim Blick aus dem Fenster ein Dickicht an Blättern und Baumkronen. „Es wird eine komplett andere Aussicht sein“, ärgert sie sich. Bezirksbürgermeister Grube teilt die Einschätzung, dass mit wenig Augenmaß und Rücksicht auf den Baumbestand geplant wurde. „Sie erleben hier das, was wir in Linden bereits häufig erlebt haben, wenn Bäume gefällt werden sollten, ohne dafür Ersatz im Stadtteil zu schaffen“, warf er den Architekten und dem Landesgesundheitsamtspräsidenten Matthias Pulz vor. Mit so viel Widerstand hatten diese wohl nicht gerechnet.

Seuchen und Epidemien vorbeugen

Das Landesgesundheitsamt liegt etwas versteckt zwischen der Stadtbahnstation Allerweg und der Ihme, neben dem Altbau des Siloah-Krankenhauses. 128 Mitarbeiter kümmern sich um die Sicherheit der Lebensmittel und die Gesundheit der Menschen landesweit. Seuchen und Epidemien vorzubeugen und im Ernstfall zu bekämpfen gehört zu den Hauptaufgaben. Zuletzt wurde etwa die Milch niedersächsischer Mütter auf das Pflanzenschutzmittel Glyphosat untersucht. Auch die Prävention und das Management von Infektionserkrankungen in Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber werden von dem Landesamt bearbeitet.

9 Millionen Euro kostet das Vorhaben

Durch einen viergeschossigen Erweiterungsbau sollen bis Anfang 2019 weitere Labore, Büro- und Seminarräume an der Ritter-Brüning-Straße entstehen. 9 Millionen Euro kostet das Vorhaben, das vom Lindener Architektenbüro Vorrink Wagner im Auftrag des staatlichen Baumanagements geplant wurde. Der Platz ist vorhanden, das Baurecht bereits geschaffen - und die umstrittene Sondergenehmigung für die Fällung der Bäume bereits erteilt. „Ich kann Ihnen sagen, dass hier keinerlei seltene Tiere oder Pflanzen vertrieben werden“, versicherte Pulz den Teilnehmern der Infoveranstaltung. Dennoch bleibt der Vorwurf der Anwohner, dass sie bisher nicht zu den Planungen der Behörde gefragt wurden.

Kein Bebauungsplan für das Gelände

Bereits einen Tag nach der Infoveranstaltung verabschiedete der Bezirksrat Linden-Limmer einen von den Grünen eingebrachten Dringlichkeitsantrag. Dieser soll die noch dieses Jahr anstehenden Rodungen durch eine Aufhebung der Sonderfällgenehmigung verhindern. SPD-Fraktionschef Eike Geffers kündigte zudem an, sich in der kommenden Wahlperiode für eine Änderung des Bauantragsverfahrens einzusetzen. Im vorliegenden Fall bestand weder für den Bauherren noch für die Stadt eine Verpflichtung, den Bezirksrat in die Vergabe des Baurechts einzubinden - weil es keinen Bebauungsplan für das Gelände gibt. Nun kommt es auf den guten Willen der Stadtverwaltung an, ob sie den Dringlichkeitsantrag zügig bearbeitet - und ob das Landesgesundheitsamt rechtzeitig im Sinne der Anwohner und des Bezirksrats reagiert.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
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  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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