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Linden Bau exklusiver Eigentumswohnungen in Villa Stephanus
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Bau exklusiver Eigentumswohnungen in Villa Stephanus
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02:15 09.04.2017
Von Juliane Kaune
Vor den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war die Villa des Senators Stephanus ein prächtiges Gebäude (links). Diesen alten Glanz will die Bauherrengemeinschaft wieder erstrahlen lassen - die Arbeit an der Fassade beginnt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Schon lange verläuft ein Absperrgitter um die Villa Stephanus. Der Metallzaun grenzt das seit gut fünf Jahren leer stehende Gebäude zur Gartenallee ab - und dokumentierte bis dato den Stillstand für ein ehrgeiziges Projekt einer Bauherrengemeinschaft, die die um 1900 errichtete Villa zum Wohnhaus mit exklusiven Eigentumswohnungen umbauen will. Doch nun tut sich erkennbar etwas auf dem Gelände: Das historische Haus ist eingerüstet. „Wir ziehen das jetzt durch“, sagt Projektentwickler Frank Holzlehner vom gleichnamigen Consulting-Büro.

Ein Haus mit Geschichte

Um 1900 ließ Ziegeleibesitzer Richard Stephanus die Villa erbauen. In der Finanzkrise 1929 musste er das Gebäude verkaufen, die Stadt erwarb es. Während der Nazi-Zeit diente die Villa der SA als Stützpunkt. 1942 wurden die Ostseite und Teile der Decke durch Bomben zerstört. Seit dem Wiederaufbau hat das Haus ein Flachdach. Erst zog die britische Militärverwaltung ein, 1950 das Ordnungsamt sowie die Polizei. Seit 1981 war die Polizei alleiniger Nutzer auf 850 Quadratmetern – Linden hatte sein „9. Revier“. 1997 wurde daraus die Polizeiinspektion (PI) West. Besitzer war die Allianz, die das Haus 2008 an einen Fonds der US-Bank Goldman Sachs verkaufte. Nach dem Auszug der PI West 2011 besetzten Aktivisten mehrmals das Gebäude und forderten dort ein Stadtteilzentrum.

jk

Seit die Polizeiinspektion West 2011 ausgezogen ist, ist der Altbau verwaist. Hinter den Mauern waren die Bauarbeiter zwar nicht untätig. So wurde das Gebäude entkernt, Versorgungsleitungen wurden verlegt und ein Aufzugschacht eingerichtet. Doch das Gesamtprojekt hinkt dem Zeitplan weit hinterher. Eigentlich sollte im Frühjahr 2014 der spektakulärste Bauabschnitt beginnen: Die Bauherren wollen dem Gebäude, von dem nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nur zwei Stockwerke mit schlichtem Flachdach übrig geblieben sind, sein früheres Erscheinungsbild zurückgeben. Dafür soll das Haus um zweieinhalb Etagen aufgestockt und die schlossartige Dachkonstruktion mit Türmchen und Giebeln nach alten Vorlagen neu errichtet werden.

Ein Vorhaben, das sich als „bautechnisch extrem aufwendig“ herausstellte, wie Holzlehner erklärt. Auflagen des Denkmalschutzes mussten mit modernem Wohnkomfort in Einklang gebracht werden. Die Planungsphase wurde immer wieder verlängert, bis die Stadt die Baugenehmigungen erteilte. Die Investoren hätten sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sagt der Projektentwickler. „Schließlich wollen sie das schönste Haus von Linden-Mitte errichten - und einen Teil der Geschichte neu beleben.“ In sechs Monaten solle der Rohbau des dem historischen Original nachempfundenen Gebäudeteils stehen.

Die meisten der 13 geplanten Wohnungen sind schon an die künftigen Eigentümer verkauft. Im bestehenden Altbau sind fünf Wohnungen zwischen 55 und 170 Quadratmetern in festen Händen. Zwei weitere sind wieder zu haben. So stehen ein 150 Quadratmeter großes Apartment und ein 20 Quadratmeter größeres Pendant wieder zum Verkauf - für einen Rohbaupreis von 595 000 und 695 000 Euro.

In den aufgestockten Etagen, die Holzlehner als „Neubau“ bezeichnet, sollen weitere fünf Wohnungen entstehen, von denen zwei vergeben sind. Noch frei sind Wohnungen mit 80 und 108 Quadratmetern (bezugsfertig 395 000 und 545 000 Euro) sowie ein 150 Quadratmeter großes Penthouse für stolze 1,2 Millionen Euro. Allzu viele Altbauattribute gibt es in der Villa nicht mehr. Besonderheiten wie das historische Treppenhaus oder die Holzdecke in einem der 4,30 Meter hohen Räume im Erdgeschoss sollen erhalten werden. Rückwärtig werden Terrassen und Balkone angelegt mit Blick auf einen grünen Hinterhof.

„Solvente Menschen mit einer Liebe zu Linden“ zögen in die Villa ein, sagt Holzlehner. Für eine andere Gruppe Lindener ist die Sanierung ein Beispiel für eine „Gentrifizierung“ des Stadtteils. Besserverdiener verdrängten Bewohner mit deutlich weniger Geld, kritisieren Aktivisten. Mit Besetzungen und anderen Protestaktionen haben sie in den vergangenen Jahren mehrfach auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Das Haus und die Bauarbeiten würden von Videokameras überwacht, stellt Holzlehner dazu klar. Weitere Vorfälle werde man zur Anzeige bringen.

Christoph Elbert fühlt sich seit einem Jahr in direkter Nähe zur Villa Stephanus wohl. Der Chef des Restaurants 11A am Küchengartenplatz ist mit seiner Lebensgefährtin Verena Schindler in einen separaten Anbau gezogen, der in den Nachkriegsjahren errichtet wurde. Das Preisniveau in diesem Teil des Komplexes liege unter dem der eigentlichen Villa, betont Schindler. Sie und Elbert freuen sich schon auf die neuen Nachbarn: „Wir sind zuversichtlich, dass es nun zügig vorangeht.“

Wann die künftigen Villenbewohner einziehen werden, lässt Holzlehner noch offen: „Da lege ich mich nicht mehr fest.“

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