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Linden Stadt droht lauten Lindener Kiosken mit Sperrstunde
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Stadt droht lauten Lindener Kiosken mit Sperrstunde
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00:17 09.09.2018
Schräge Performance: Die Partei spielt den Konflikt im Stadtteil vor dem Freizeitheim nach. Quelle: Foto: Mario Moers
Linden-Nord

Längere Kontrollgänge des Ordnungsdienstes und notfalls Ladenschluss ab 22 Uhr für rücksichtslose Kioskbesitzer. Mit diesen Mitteln will Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe für die Einhaltung der Nachtruhe auf der Limmerstraße sorgen. Bei einer Sondersitzung des Bezirksrats zum Thema Sicherheit und Ordnung stellte von der Ohe seine Strategie gegen die Auswirkungen eines vermeintlichen Partytourismus vor, der vor allem Anwohner zunehmend ärgert. Als wenig effektiv und zu teuer kritisierten Vertreter mehrerer Bezirksratsparteien und Besucher die bisherigen Anstrengungen der Stadt.

Ausweitung der Streifen

Seit Anfang des Monats kontrollieren städtische Ordnungskräfte zwei Stunden länger als bislang die Einhaltung der Nachtruhe im Bereich der Limmerstraße. Bereits seit Mai setzt die Stadt dort außerdem zwei Ordnungskräfte ein, statt wie zuvor eine. „Wir glauben, durch diese Ausweitung die Probleme besser fassen zu können“, sagt von der Ohe. Bisher lief die Streife von 8 bis 22 Uhr. Vorerst an Wochenenden soll nun bis Mitternacht auf Ruhe und Ordnung geachtet werden. Zusätzlich will die Stadt mit einem nachdrücklichen Appell an die Kioskbesitzer Lärm von trinkenden Limmerstraße-Besuchern verhindern. „Wenn sie dieser Verantwortung nicht gerecht werden, werden wir auch ordnungsrechtlich vorgehen“, sagt von der Ohe. In der Konsequenz könne das bedeuten, dass Kioske, vor denen es regelmäßig sehr laut zugeht, um 22 Uhr schließen müssen. In der Oststadt wurde bereits in diesem Sommer einem Kiosk die Zwangsnachtruhe verordnet. Der Bezirksrat votierte außerdem mehrheitlich für einen CDU-Antrag, der die Stadt auffordert, speziell gegen Lärmstörungen durch Skater auf dem Küchengartenplatz vorzugehen.

„Geh doch nach Mallorca“

Vor der Sitzung demonstrierte die Satirepartei Die Partei mit einer symbolischen Streit-Performance: Die einen tanzen, die anderen beschweren sich. „Zieht doch in die Südstadt, wenn ihr Ruhe wollt“, ruft eine junge Frau vor dem Freizeitheim über die Straße. „Geht zum Feiern nach Mallorca“, schallt es zurück. Als „polemisch“ bezeichnet die Partei-Abgeordnete Julia Grobleben die Diskussion und Berichterstattung um den Krach auf der Limmerstraße. Jüngst berichtete sogar der Privatsender ProSieben in der Boulevard-Sendung „Taff“ über den Konflikt. Die 26-Jährige und ihre Partei verstehen sich als Repräsentanten all derer, denen das Mehr an Leben und Lärm in Linden nichts ausmacht oder sogar gefällt.

Unter den 73 Besuchern der Sitzung sind nur wenige junge Leute. Mit einem Lösungsvorschlag ist Küchengarten-Anwohnerin Susanne Meta zur Sitzung gekommen. Sie hält ein umfassendes städtisches Konzept für nötig, das die Anliegen beider Seiten berücksichtigt – und verweist auf das Programm Enjoy and Respect in Amsterdam. Dort werden Touristen saftige Strafen angedroht. 150 Euro müssen grölende Partygänger zahlen.

Tropfen auf den heißen Stein?

In den Reihen des Bezirksrats steht man den bisherigen Bemühungen der Stadt skeptisch gegenüber. „Den Anwohnern wäre nur geholfen, wenn zwischen 22 und 6 Uhr kontrolliert wird“, sagt die Linken-Abgeordnete Ingrid Schmalz. Dieser Forderung schlossen sich auch die Einzelvertreter der Piraten und der FDP an. Grünen-Fraktionschef Daniel Gardemin will dem „Kampf um Raum“ mit einem bereits mehrfach geforderten Nachtkonzept begegnen. Dem Wunsch nach einer nachtlangen Kontrolle erteilte der Ordnungsdezernent eine schnelle Abfuhr. „Das wird sich durch unsere Kapazitäten nicht abdecken lassen“, so von der Ohe.

Kommentar: Der Herbst vertreibt das Partyvolk

Es gibt durchaus Leute, die das Ende des Sommers herbeisehnen. Manchen ist es schon bei 25 Grad zu heiß, manche wünschen sich ruhige Herbstabende mit prasselndem Regen an den Scheiben herbei – und manche wollen, dass das Schmuddelwetter endlich das Feiervolk vor ihrem Fenster vertreibt. Am Freizeitheim Linden gab es nun ein bemerkenswertes Zusammentreffen von Anhängern des Lindener Partytourismus und genervten Anwohnern.

Leider blieb es beim Treffen – ein sinnvoller Dialog beider Seiten scheint nicht möglich. „Ich habe jahrelang direkt über Kneipen gewohnt und habe mich nie daran gestört“, sagt eine Feier-Freundin der Partei, die sich als Sprachrohr des Partyvolks versteht. „Ich fühle mich von der Partei verarscht. Diese Aktion ist eine Klatsche für alle, die sich gestört fühlen“, entgegnet eine Besucherin. Das nennt man wohl verhärtete Fronten. Zwar schlägt eine Anwohnerin ein städtisches Konzept vor, „das die Anliegen beider Seiten berücksichtigt“ – aber wie soll das aussehen?

Wo Vermittlung nicht mehr funktioniert, muss der Staat handeln. Mit den Mitteln, die ihm gegeben sind – also den Paragraphen der Gesetzbücher. So reden wir nun über Kontrollgänge, Sperrstunden für Kioske und andere Ordnungsmaßnahmen.

Zunächst aber nimmt wohl der Herbst ein bisschen Brisanz aus dem Thema – je ungemütlicher die Limmerstraße wird, desto ruhiger wird sie auch. Allerdings ist das umstrittene Thema damit nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Von Mario Moers

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