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Linden Bezirksrat lehnt Studentenwohnheim am Fischerhof ab
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Bezirksrat lehnt Studentenwohnheim am Fischerhof ab
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10:00 02.06.2017
Von Juliane Kaune
Das Areal am Fischerhof, auf dem Gundlach ein Studentenwohnheim plant, grenzt an die Güterumgehungsbahn. Die Kaifi-Sportslodge (hinten im Bild) wird von dem Neubau nicht tangiert. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Wohnraum für 151 Studenten will die Baufirma Gundlach südlich des Fischerhofs errichten. Doch der Bezirksrat Linden-Limmer hat das Vorhaben jetzt abgelehnt: Das Gremium votierte mit großer Mehrheit gegen den Bebauungsplan für das Gelände, der ein siebengeschossiges Studentenwohnheim vorsieht. „Auf einer Fläche, die so stark vom Verkehrslärm belastet ist, kann man kein solches Wohnhaus bauen“, fasste SPD-Fraktionschef Eike Geffers die Bedenken zusammen. Allein Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg-Grube (parteilos) stimmte für das Projekt.

Das Areal grenzt im Osten an den Ricklinger Stadtweg, im Westen verläuft die Friedrich-Ebert-Straße (B 6), im südlichen Teil wird die Fläche durch die Trasse der Güterumgehungsbahn begrenzt. Nach Auskunft der Stadt seien dort tagsüber bis zu 307 Züge unterwegs und nachts weitere 147, gab Geffers zu Protokoll. Zudem würden auf den benachbarten Straßen täglich rund 37 900 Fahrzeuge gezählt.

Keine Lärmschutzwand

Planungen für eine Lärmschutzwand gebe es im Bebauungsplan nicht, kritisierte Geffers. Generell sei nicht erkennbar, wie die künftigen Bewohner vor Verkehrsimmissionen geschützt werden könnten: „Studentisches Wohnen ist kein minderwertiges Wohnen.“ Auch dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Daniel Gardemin reichte der Lärmschutz nicht aus. „Die Fenster muss man schon öffnen können“, sagte er. „Für Studenten kann eine dauerhafte Lärmbelastung sehr problematisch sein“, meinte Linken-Fraktionschef David Müller, der selbst studiert.

Bei Gundlach zeigt man sich erstaunt über die Ablehnung. „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand entspricht unser Konzept allen gesetzlichen Vorgaben“, sagte Marketingleiter Frank Scharnowski dem Stadt-Anzeiger. Empfehlungen eines Gutachters zur Einhaltung der gesetzlichen Schallschutzwerte seien berücksichtigt. Geplant seien eine Drei-Scheiben-Verglasung und schallgedämmte Lüftungsanlagen. Der Stadt als Genehmigungsbehörde reicht das. Es könnten „gesunde Wohnverhältnisse“ gewährleistet werden, sagt Sprecher Alexis Demos. Gundlach will zunächst eine Teilfläche des 16 000 Quadratmeter großen Areals bebauen. Die Kaifi-Sportslodge (früher Kaiser-Center) ist von den Planungen zunächst nicht berührt. Nach Überlegungen des Bauträgers könnte aber später ein weiteres Gebäude zwischen Bahntrasse und Wohnheim hinzukommen. Dieses werde „wie eine Schallschutzwand wirken“, meint Demos.

Nach seinen Worten kann der Bezirksrat das Bauprojekt nicht verhindern. Die Entscheidung liege bei den Politikern im städtischen Rat.

Ein Verzicht löst keine Probleme

Es klingt paradox: Politiker sprechen sich gegen die Pläne für ein Studentenwohnheim aus, obwohl Quartiere für angehende Akademiker stadtweit dringend benötigt werden. Natürlich ist der Bezirksrat Linden-Limmer nicht dagegen, dass neuer Wohnraum für Studenten entsteht. Im aktuellen Fall haben bei den Mandatsträgern jedoch die Bedenken überwogen, ob die Fläche am Fischerhof überhaupt für Wohnzwecke geeignet ist. In der Tat lässt es sich zwischen Bahntrasse und Bundesstraße nicht gerade idyllisch wohnen. Darum ist es richtig, dass das Gremium darauf drängt, dass der Lärmschutz für die künftigen Bewohner ein hohes Gewicht bekommt.

Der Bauträger hat seine Planungen mit der Stadt abgestimmt und die Auflagen für den Schallschutz eingehalten. Allerdings muss das noch lange nicht bedeuten, dass in dem Neubau inmitten der „Verkehrsinsel“ für jeden Studenten ein stressfreies Wohnen möglich ist. Dies hängt neben der objektiv vorhandenen Geräuschkulisse auch vom persönlichen Empfinden ab. Die Argumentation des Bauträgers, ein Studentenwohnheim diene vorrangig einer „temporären Nutzung als Zweitwohnsitz“, entspricht wohl eher nicht der Realität. Am besten wäre es, Gundlach würde gleich eine Lärmschutzwand auf dem Gelände mitplanen und nicht auf ein Gebäude verweisen, dass irgendwann als akustischer „Puffer“ zwischen Wohnheim und Bahn stehen könnte.

Gleichwohl ist der Bezirksrat mit seinem Beschluss, das gesamte Projekt abzulehnen, über das Ziel hinausgeschossen. Gerade weil studentischer Wohnraum knapp ist, kann nicht einfach auf Zimmer für rund 150 Studenten verzichtet werden.

Ein Kommentar von Juliane Kaune

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