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Linden Buntglasfenster werden restauriert
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Buntglasfenster werden restauriert
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00:15 18.08.2016
Von Juliane Kaune
Die Buntglasfenster der St. Martinskirche sollen saniert werden. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Linden-Mitte. Wenn die Sonnenstrahlen hindurch fallen, sieht es besonders beeindruckend aus. Dann tanzen zarte, farbige Streifen durch den Altarraum der St. Martinskirche. Das Licht bricht sich in den unzähligen Mosaiken der Buntglasfenster und zaubert eine unvergleichliche Atmosphäre in das Gotteshaus.

Johannes Kufner liebt diese lichten Momente. Auch nach 18 Jahren als Küster der Kirche ist er noch fasziniert von den filigranen Fenstern, die der Maler und Bildhauer Klaus Arnold geschaffen hat. Doch Kufner und die Gemeindemitglieder machen sich auch große Sorgen um die gläsernen Kunstwerke. Sie sind nach fast fünf Jahrzehnten von der Witterung angegriffen und dringend sanierungsbedürftig. Nun ist ein wichtiger Schritt zur Rettung der Fenster gemacht: Im Auftrag der Landeskirche hat eine Glasrestauratorin eine Schadensanalyse samt Sanierungsplan erstellt.

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Die Buntglasfenster der denkmalgeschützten Martinskirche sollen restauriert werden. Wenn das Vorhaben gelingt, hätte das Projekt Pilot-Charakter für alle elf denkmalgeschützten Gotteshäuser in Hannover.

"Wir sind froh über diese Entscheidung"

Nicht nur die Bauexperten der Landeskirche interessieren sich für die Lindener St. Martinskirche. Auch das Landesamt für Denkmalpflege ist mit im Boot. Schließlich ist die 1957 geweihte Kirche - entworfen von dem bekannten hannoverschen Architekten Dieter Oesterlen, der auch das Landtagsgebäude konzipiert hat - im vergangenen Jahr als schützenswertes Baudenkmal eingestuft worden. „Wir sind sehr froh über diese Entscheidung“, sagt Kufner. Mit dem Status als Baudenkmal wird es offensichtlich auch einfacher, lange aufgeschobene Projekte wie die Sanierung der Buntglasfenster zu starten.

Es sind aber nicht nur die Fenster, die die St. Martinskirche zu etwas Außergewöhnlichem machen. „Sie zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauwerken ihrer Zeit und hat eine überregionale Ausstrahlung“, sagt Rocco Curti vom Landesamt für Denkmalpflege. Oesterlen habe in Niedersachsen erstmals mit dem Thema Kirchenbau experimentiert - und mit seiner Pionierleistung zugleich den Beginn einer neuen Epoche eingeläutet.

Eine Kirche – zwei Baustile

Die St. Martinskirche ist eine von elf hannoverschen Nachkriegskirchen, die im vergangenen Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurden. Mit der Sanierung der Buntglasfenster käme ihr eine Pilotfunktion unter diesen Gotteshäusern zu: Sie wäre die erste, in der Reparaturen unter den Voraussetzungen des Denkmalschutzes ausgeführt würden. Experten erhoffen sich grundlegende Erkenntnisse über den Umgang mit der Bausubstanz dieser Zeit, für die eine Kombination aus Beton und Glas charakteristisch ist. Mittelfristig steht auch das Dach der 1957 eingeweihten St. Martinskirche auf der Sanierungsliste.

Ihre Geschichte ist bedeutend älter. 1728 wurde die Kirche im Barockstil errichtet, doch der Turm wurde nicht fertig. Das heute weithin sichtbare spitze Bauwerk kam erst 1855 hinzu – vollendet von dem berühmten hannoverschen Baumeister Conrad Wilhelm Hase. Am 22. September 1943 wurde die Kirche durch eine Luftmine zerstört, nur der Turm blieb stehen. Dieser Teil der Kirche, in dem noch heute die Glocke schlägt, steht schon seit 1987 unter Denkmalschutz. Architekt Dieter Oesterlen, nach dessen Entwürfen der Kirchenneubau in der Nachkriegszeit entstand (kleines Bild), ließ den Turm weitgehend unberührt, fügte aber einen Gedenkstein ein. Das Wahrzeichen der Kirche ist der Heilige St. Martin, der auf einem Relief aus Muschelkalk an der Fassade von dem bekannten hannoverschen Bildhauer Kurt Lehmann zu sehen ist.

Innovative Bauweise

Innovativ sind laut Curti etwa die Stahlbetonbauweise, kombiniert mit Backsteinelementen, die markante Holzdecke und eben die Glasfenster, gestaltet als abstraktes Kunstwerk. Die Zusammenarbeit mit Klaus Arnold, von dem auch das in Klinkerkunst gehaltene Relief mit den zwölf Toren des himmlischen Jerusalems im Altarraum stammt, gilt als weitere Besonderheit. Bemerkenswert ist, wie Oesterlen die steinernen Zeugen der Vergangenheit integriert hat: Den 1728 errichteten und 1855 vollendeten Kirchturm hat der Architekt als freistehenden Campanile in den Gesamtkomplex eingebunden.

All diese Details kennt Küster Kufner bestens. Der gelernte Landespfleger hat sich immer mehr zum Baufachmann für die St. Martinskirche entwickelt. Er bietet Führungen an - und weiß auf jede Frage zur Geschichte des Gotteshauses eine Antwort. „Ich war gleich vom ersten Moment an begeistert, das hat sich bis heute nicht geändert“, schwärmt er.

Kitt ist spröde geworden

Auch über die beiden 7,50 Meter hohen und 3,50 Meter breiten Buntglasfenster kann Kufner viel erzählen: „Sie bestehen aus Tausenden Einzelteilen, die in einem Stahlgerüst sitzen und untereinander mit Bleistegen verbunden sind.“ Der Kitt in den filigranen Fugen ist spröde geworden, darum regnet es hinein. Zwar habe man die schadhaften Stellen stets ausgebessert, betont Kufner. Aber dies seien eher behelfsmäßige Reparaturen gewesen. An einem der Fenster hat der Küster eine Holzlatte angebracht, um den Regenschutz etwas zu verbessern.

Im Zuge der Sanierung solle modernes, langlebiges Fugenmaterial eingesetzt werden, erklärt die Erfurter Glasrestauratorin Kathrin Rahfoth, die das Gutachten erstellt hat. Schadhafte Teile werden originalgetreu ersetzt - eine sehr aufwendige, millimetergenaue Arbeit. Von der Idee, von außen eine schützende Glasplatte vor die Mosaike zu setzen, sei man schnell abgekommen, weil dies den Gesamteindruck zu sehr beeinträchtigen würde. Stattdessen soll ein kaum sichtbares Drahtgitter gespannt werden. Mit in den Blick genommen hat Rahfoth zudem die „Lichtwände“ - in Beton eingefasste, massive Glasbausteine an den Seiten des Kirchenschiffs. Ziel ist es, diese ebenfalls zu sanieren.

Die Zeit drängt

Eine Förderung von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz muss bis Ende August beantragt werden. „Sonst müssten wir ein weiteres Jahr warten“, sagt Kufner. Von einer Zusage der Stiftung hängt auch ab, in welcher Höhe sich die Landeskirche und der Stadtkirchenverband an den Sanierungskosten beteiligen. Diese liegen nach den Worten von Martin Krause, Leiter des landeskirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege, im „niedrigen sechsstelligen Bereich“. Kufner rechnet damit, dass die Arbeiten „mindestens 100 000 Euro“ kosten werden.

Er hofft, dass die auf mindestens drei Monate angelegte Sanierung im kommenden Januar starten kann. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn von Neujahr bis Palmsonntag zieht die Martinsgemeinde für die Gottesdienste alle Jahre wieder in ihr Gemeindehaus um - weil sich die Kirche so schlecht heizen lässt.

Von Juliane Kaune

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