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Der böse Wolf feiert Geburtstag

Linden-Mitte Der böse Wolf feiert Geburtstag

Lindens bodenständige Alternativ-Kneipe feiert eine Woche lang ihren 20. Geburtstag. Und im Wolf steckt noch immer das Rotkäppchen.

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Hannover. Der Gast am Tresen ist sich sicher. Gäbe es den Videobeweis, wäre der Karlsruher SC in der letzten Saison nicht abgestiegen, sagt der Stammgast in der Jeansjacke und nimmt einen Schluck Bier. Kneipengespräche eben. Im Raucherbereich hinter ihm stößt eine Gruppe Jungs auf den Feierabend an. Mehrere Bedienungen sind damit beschäftigt, aufwendig aussehende Teller mit thailändischen Gerichten an den Stehtischen zu verteilen. Die Küche im Bösen Wolf gilt als Geheimtipp unter Kneipengängern und Feinschmeckern gleichermaßen.

Aus umgebauten Belüftungsrohren taucht warmes Licht das Lindener Wirtshaus in eine gemütlich-kneipige Atmosphäre. Von der Wand beobachten ein Wolfskopf mit gefletschten Zähnen und ein Pappmascheekrokodil das rege Kneipengeschehen am Montagabend. Nur an wenigen Orten in der Stadt ist auch unter der Woche so viel Betrieb am Tresen.

„Viele Stammgäste gehen direkt an den Billardtisch. Da werden sie dann herausgefordert und dann bleiben sie dort oft den ganzen Abend stehen“, erzählt Jan Verhagen. Der hünenhafte Wolf-Wirt kennt seine Pappenheimer. „Der Billardtisch ist ein wichtiger sozialer Ort“, erklärt er den zentralen Einrichtungsgegenstand im Raucherbereich. Dabei dreht er sich routiniert eine „Schwarze Krauser“. Vor 20 Jahren hat er die Lindener Kultkneipe aufgebaut. In der nächsten Woche feiert der Wolf Geburtstag. „Es gibt ein Wolflebensgefühl“, ist sich Verhagen sicher. Das hinge mit einer gewissen Sehnsucht nach der Lindener Identität zusammen, vermutet er.

Viele Details im Wolf, so nennen die Stammgäste den Laden liebevoll, sieht man erst auf den zweiten Blick. Ein handgezimmerter Tresen, viele Aufkleber, Schilder und ein Krökeltisch. Auf Letzterem prangt ein Sticker, auf dem steht: „Gegen die modernen Yuppiebars“. Irgendein Gast hat den dort hingeklebt. Er beschreibt die Atmosphäre im Wolf aber ziemlich gut. Er ist ein Kind der Neunzigerjahre. Optisch erkennt man die Ähnlichkeit zum Café Glocksee oder der Sturmglocke. Künstler, Rocker, (Alt-)Punks und Freigeister gehören auch im „Wolf“ zum Stammpublikum. Was viele nicht wissen: Die bewegte Geschichte des Kult-Schuppens reicht weit länger zurück, als das Jubiläum vermuten lässt.

„Unsere Konzession ist von 1885, aber ein Wirtshaus gab es hier bereits im 16. Jahrhundert.“ Auf seinem Laptop zeigt Verhagen ein sepiafarbenes Foto einer alten Bauern-Kate. Ein lokalhistorisch interessierter Gast hat ihm das einmal mitgebracht. Es beweist, dass an der Ecke Heesestraße und Eleonorenstraße schon Jahrhunderte vor dem Wolf Bier getrunken wurde. „Erst hieß das Wirtshaus Bauernkrug und später Zur Sonne, erzählt Verhagen. Die Kate musste vermutlich in den Dreißigerjahren dem heutigen Backsteinbau weichen. 1996 zog der Wolf ein. Der eigentliche Name des Ladens „...und der böse Wolf“ ist eine Hommage an eine im Jahr zuvor geschlossene linke Szenekneipe auf der Limmerstraße. Verhagen, seine spätere Frau Claudia und viele Wolf-Besucher waren Stammgäste im Rotkäppchen. Das befand sich an der Haltestelle Leinaustraße (heute Fischers) „Es gab plötzlich keine vernünftige Kneipe mehr, also habe ich das selber in die Hand genommen“, erinnert sich Verhagen, der bis dahin seine Brötchen unter anderem als Messebauer, Schneider für SM-Lederklamotten oder Mitbegründer der hannoverschen TAZ-Redaktion verdient hatte. Auch ein kurzes Intermezzo bei der damals bekannten Hardcore-Band Boskops findet sich in dem bewegten Lebenslauf des Hobby-Motorradschraubers. „Die ersten zehn Jahre haben wir keinen Cent verdient“, erzählt er. Mit wir meint er seine Frau Claudia, die als Geschäftsführerin ebenso zum Inventar des Laden gehört wie er oder die Bedienungen. „Manche arbeiten bereits in der zweiten Generation bei uns“, berichtet Verhagen stolz.

Von Montag, 15. Februar, bis Montag, 22. Februar, feiert der Wolf an acht Tagen seinen Geburtstag mit Partys, Konzerten und einer Lesung. Sogar an die Nachbarn hat man gedacht.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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