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Linden Ehre für den Pionier der Flüchtlingshilfe
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Ehre für den Pionier der Flüchtlingshilfe
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00:15 14.01.2016
Uwe Horstmann wurde vom Bezirksrat Linden-Limmer mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. An mehreren Stellen in Linden zeigen Plakate Willkommenskultur – wie am Schwarzen Bären in Linden-Mitte (Bild rechts). Fotos: Christian, Kutter
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Hannover

Uwe Horstmann war ein Idealist. Er teilte die Ideale der Studentenbewegung, hielt den Marxismus-Leninismus für die notwendige Leitmaxime und wollte - wie viele junge Menschen - die Welt verändern, als er sich 1970 an der Pädagogischen Hochschule Hannover einschrieb. Doch im Gegensatz zu vielen Gleichgesinnten hat Horstmann wirklich etwas verändert. Sein Engagement ist der Grund, weshalb seit vier Jahrzehnten Hunderte Migranten hoffnungsvoll in ihre Zukunft blicken können. Dafür hat der Bezirksrat Linden-Limmer Horstmann nun mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet.

Begonnen hat alles mit den Italienern. Horstmann hatte es satt, in den Marx-Seminaren nur über eine bessere Welt zu reden, er wollte die Revolution endlich beginnen. Zu dieser Zeit lebten viele italienische Arbeiter mit ihren Familien in prekären Verhältnissen auf dem Gelände der Döhrener Wollwäscherei. Um vor allem den Kindern zu helfen, gründete Horstmann mit Freunden den Arbeitskreis Ausländische Kinder, kurz: AKAK. Sie unternahmen mit den Kindern Ausflüge und kümmerten sich um ihre Sorgen und Wünsche. Der Verein etablierte sich so schnell, dass bald sogar ein Ersatzdienstleistender eingestellt wurde. Sein Name war Klaus-Günter Voigt.

Jetzt steht Voigt als langjähriger Wegbegleiter Horstmanns im Gemeindesaal der St.-Nikolai-Gemeinde in Limmer und zeigt zu seiner Laudatio Bilder von damals. Eines gefällt den Zuschauern besonders gut: Es zeigt zwei langhaarige junge Männer, die ausgelassen mit einer Horde Kinder herumalbern. „Er war schon damals ein Pionier in der Flüchtlingshilfe“, sagt Voigt, „seine Arbeit setzte einen Meilenstein der Hilfsbereitschaft.“

Aus der AKAK wurde schließlich die Gesellschaft zur Förderung ausländischer Jugendlicher (GFA) und aus dem Studenten Horstmann der Schulleiter der Grundschule in der Steinbreite. Neben seinem Beruf engagierte sich Horstmann nicht nur im Vorstand der GFA, sondern auch im Bezirksrat, im Vorstand des Stadtteilforums Linden-Süd und im Treffpunkt Allerweg, der später das Stadtteilzentrum Linden-Süd wurde. Vor fünf Jahren ging Horstmann in Pension, doch sein Engagement verabschiedete er nicht in den Ruhestand. Als im Herbst 2013 die ersten Flüchtlinge in die Unterkunft in der Deisterstraße 33 einzogen, gehörte Horstmann zu den Ersten, die die Neuen willkommen hießen.

Zurzeit betreut Horstmann einen jungen Somalier, der seit zwei Jahren in Hannover lebt. Mittlerweile verbindet beide auch eine enge Freundschaft. „Er ist so etwas wie mein Ziehsohn geworden“, sagt Horstmann. Es freut ihn, zu erleben, wie der junge Mann mit seiner Hilfe Erfolg in der Schule und der Ausbildung hat. „Ich habe allgemein beobachtet: Je mehr die Flüchtlinge hier ankommen und sich einleben, desto lockerer werden sie.“ Deshalb will die GFA jetzt auch im Stadtbild ein Zeichen setzen: Acht Plakate, auf denen die Begrüßung „Willkommen“ in vielen Sprachen steht, werden derzeit in Linden und Limmer in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften aufgehängt.

Flüchtlingshilfe ist für Horstmann über die Jahrzehnte so selbstverständlich geworden, dass er sehr überrascht war, als der Bezirksrat im mitteilte, ihn für sein Engagement auszeichnen zu wollen, so erzählt es Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube bei der Ehrung. Es ist das erste Mal, dass der Bezirksrat den Bürgerpreis nicht ausschreibt, sondern einsetzt, um eine bestimmte Person zu ehren. „Horstmanns Engagement ist ein Beispiel für alle“, sagt Grube. „Er behält das Wesentliche im Blick, vergisst aber nicht, dass wir hier nicht nur über Zahlen, sondern in erster Linie über Menschen reden.“

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