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Linden Linden verliert ein heimliches Wahrzeichen
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Linden verliert ein heimliches Wahrzeichen
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02:15 19.03.2016
Zwischen Wehmut und Vorfreude. Unter den Teilnehmern des Abschieds-Picknicks waren auch künftige Bewohner des Gebäudes. Quelle: Moers
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Hannover

Die Rede zu ihrer Trauerfeier durfte die Hauswand selber halten. „Vielleicht werde ich in zweihundert Jahren wieder entblößt und als Relikt erscheinen, wie eine Höhlenmalerei“, tröstete die bemalte Hauswand die anwesenden Lindener, die sich am Sonnabend zu einem Abschieds-Picknick in der Velberstraße versammelt hatten. Ein bisschen Dada-Gaga ist eben Ehrensache, wenn Linden dem größten Kurt-Schwitters-Denkmal in dessen Heimatstadt Lebewohl sagt. Eigentümer, Künstler und die Wohnungsgenossenschaft Ostland hatten zu der originellen Feier geladen. Rund 50 Freunde der bunten Kunst waren der Einladung gefolgt, noch einmal das 2011 entstandene Wandbild zu bestaunen, das in Kürze mit der Bebauung des benachbarten Schotter-Parkplatzes hinter einer Wand verschwinden wird. Unter den Gästen, die bei Kaffee, Kuchen und Bier an dem humorigen Picknick teilnahmen, waren auch einige der künftigen Mieter des geplanten Ostland-Neubaus.

„Von den ersten Pinselstrichen bis heute sind immer wieder Passanten stehen geblieben und haben sich die Wand angesehen“, blickt Hendrik Bindewald etwas melancholisch zurück auf die Geschichte der riesenhaften Collage. In Absprache mit der Hauseigentümerin hat er die Bemalung der Wand organisiert. „Damals sah sie grau und räudig aus“, erinnert er sich. „Strebtvorwärts“ nannte sich die fünfköpfige Kreativtruppe, die in sechs Monaten eine aufwendige Hommage an den Dada-Künstler Schwitters auf den Putz pinselte. Als Vorbild diente ihnen das Schwitters-Bild „Das Unbild“ und ein Zitat des Künstlers Theo van Doesburg, das in einer Überschrift das Thema beschreibt: „Das Leben ist eine herrliche Erfindung. Man sollte sich ein Patent darauf geben lassen.“ Ein Frosch auf dem Seziertisch, eine Taube im Laborexperiment oder ein DNA-Strang verweisen auf das Konfliktpotenzial von Forscherdrang und technischem Fortschritt.

Einer Entwicklung etwas anderer Art fällt nun auch das Bild selbst zum Opfer. Voraussichtlich im Mai beginnen die Bauarbeiten für den Ostland-Neubau auf dem freien Grundstück. Von den 15 Wohnungen sind bis auf eine bereits alle an ein Wohnprojekt vermietet. In das Erdgeschoss zieht ein Kindergarten, darunter entsteht eine Tiefgarage. „Wir hoffen im Herbst 2017 einziehen zu können“, berichtet Mieterin Susanne Lampe. In dem Wohnprojekt „Zuhause“ haben sich Mieter unterschiedlichen Alters zusammengefunden, deren gemeinsames Ziel es ist, die Anonymität regulärer Mietwohnungen zu vermeiden. „Wir wollen anders leben“, erklärt Lampe. In Kooperation mit der Ostland entstand ein Konzept, das etwa einen 95 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum im ersten Stock vorsieht. Die Wohnungen selbst haben circa 60 Quadratmeter. „Wir haben vier Jahre nach einer geeigneten Immobilie gesucht“, freut sich Lampe vor dem Wandbild, das vielleicht doch nicht so ganz aus dem Stadtbild verschwindet. „Wir überlegen, eine kleine Version auf das Tor zur Garage anzubringen“, kündigt Hendrik Bindewald eine mögliche Wiederauferstehung an. Todgesagte leben bekanntlich länger.

Von Mario Moers

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