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Als Linden Hafenstadt war

Linden Als Linden Hafenstadt war

In der Vortragsreihe „Aus Linden in die Welt“ berichtet Stadtteil-Forscher Horst Bohne in der Buchhandlung Decius von den Lindener Häfen, von Schiffen, die mit der Hand gezogen wurden, und von einem Jachthafen, der nie gebaut wurde.

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Der Lindener Ihmehafen an der Blumenauer Straße. Skizziert am Ende des 19 Jahrhunderts.

Hannover. Im Jahr 1708 unternahm ein gewisser Kapitän Butterini mit seinem Boot eine Erkundungsfahrt über die Leine. Der längst vergessene Schiffer war seinerzeit der Erste, der den jahrhundertelang brachliegenden Wasserweg auf seine Schiffbarkeit untersuchte. Denn bis zu diesem Jahr war es ruhig auf Hannovers Wasserwegen. Zwar hatten die Ur-Hannoveraner bereits 1449 den Schnellen Graben angelegt, um die hiesigen Wasserwege besser Nutzen zu können, doch gab es bis dahin keine gewerbsmäßige Schifffahrt auf den Flüssen. „Die Ihme war ursprünglich ein kleiner Bach und nicht schiffbar“, weiß Horst Bohne. Auf etwa 36 Seiten hat er die Geschichte der Flussschifffahrt in Hannover und insbesondere in Linden zusammengetragen. Was der 85-Jährige heute vorträgt, ist bislang in keinem Buch zu lesen. Auf der Internetseite www.lebensraum-linden.de ist allerdings ein Manuskript seines Vortrags abrufbar.

Hundert Jahre nach Kapitän Butterini waren die Flüsse nun so weit frei geräumt, dass im Jahr 1800 auf dem Wasserweg bereits 70 Tonnen Ladung von Bremen nach Linden transportiert werden konnten. Sogenannte „Zieher“ zogen die Frachtschiffe per Hand vom Leinehafen auf Trampelpfaden entlang flussaufwärts. Der Leinehafen befand sich etwa auf der Höhe des heutigen Straßenbahn-Depots der Üstra.

Etwas weiter stromaufwärts in Limmer gab es eine kleine Werft, auf der viele der verwandten „Eichen“ produziert wurden. Auch am Ihme-Ufer an der Blumenauer Straße 5 soll es zur Mitte des 19. Jahrhunderts so eine Fabrikation gegeben haben. Eine Hausummer davor richtete Lindens wohl bekanntester Industrieller Johann Egestorff einen Lagerplatz für seine Kalktransporte nach Bremen ein.

In der Frühzeit der industriellen Revolution war die Flussschifffahrt vielen Firmen das Transportmittel der Wahl auf der Langstrecke. Die ersten Züge erreichten Hannover erst 1843. „In Linden gab es eine Anlegestelle, wo heute die Benno-Ohnesorg-Brücke steht“, weiß Horst Bohne. Von dort gelangten die kleinen Schiffe flussabwärts zur Leine, dann über Aller und Weser bis nach Bremen und von dort in die Welt.

Bohne zeigt Bilder des Lindener Ihme-Hafens, die aus heutiger Perspektive nicht ganz leicht einzuordnen sind. Da hilft es, dass der Erzähler die damalige Lebenswelt mit zahlreichen Anekdoten und interessanten Fakten lebendig zu machen vermag. „Wo heute das Capitol-Hochhaus steht, befand sich im 19. Jahrhundert die Laves-Villa, in der Johann Egestorff wohnte“, erzählt Bohne. Von dort konnte der Kalkjohann den Hafen überblicken. Zur seinen Lebzeiten war es so geregelt, dass bei Niederfahrt die Hälfte der Lade-Kapazitäten für die Egestorffschen Güter reserviert war. Auch im Stadtteil hat die Schifffahrt ihre Spuren hinterlassen. In der Blumenauer Straße 148 befand sich ein Gasthaus namens Bremer Schiff. Die heutige Kneipe Centrum am Lindener Marktplatz war die Seemannskneipe Zum Holländer.

Der Bau des Mittellandkanals ab 1906, der Siegeszug der Schiene und die Anlage des Nordhafens ab 1913 führten im 20. Jahrhundert schließlich zum Bedeutungsverlust des Ihme-Hafens. Dennoch gibt es im Bereich der Schifffahrt eine Kontinuität bis in die heutige Zeit. Mit über 50 Betrieben ist der Lindener Hafen ein bedeutender Industriestandort. In Vergessenheit geraten ist dagegen weitgehend, dass mit dem Bau des Ihme-Zentrums ursprünglich auch die Anlage eines Jachthafens geplant war. Die historische Hafenstadt Linden als das Monaco Niedersachsens - eine wahnwitzige Vorstellung.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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