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Linden Großinvestition in der Falkenstraße
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Großinvestition in der Falkenstraße
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00:17 24.10.2015
Von Juliane Kaune
Mit einem Neubau (rechts) wollen Dagmar und Heinrich Jacobi die Baulücke (oben) schließen, Wohnraum schaffen – und ihren Betrieb erweitern. Quelle: Hübotter + Stürken
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Linden

Eine langjährige Baulücke an der Falkenstraße wird bald geschlossen: Vom kommenden Frühjahr an lässt der Inhaber des Autohauses Gessner & Jacobi auf dem Eckgrundstück zur Jacobsstraße einen dreigeschossigen Neubau errichten - direkt neben dem bisherigen Firmengelände. Im Erdgeschoss wird es einen Schauraum für Neuwagen der Marke Volkswagen geben, in den drei darüberliegenden Etagen entstehen Büros und sechs Mietwohnungen. Zwei weitere Mietwohnungen sind im angrenzenden Altbau an der Falkenstraße Nummer 16 geplant - das Geburtshaus von Heinrich Jacobi, das er kernsanieren lässt. Rund 4 Millionen Euro investieren er und seine Frau Dagmar in das gesamte Projekt. Sie verstehen die Großinvestition am angestammten Firmensitz auch als klares Bekenntnis zum Standort Linden.

„Eigentlich wollten wir ja nur eine neue Ausstellungshalle bauen“, sagt Jacobi. Zu diesem Zweck hatte er bereits im Sommer 2014 das Areal an der Ecke zur Jacobsstraße erworben. Doch das Vorhaben stellte sich als deutlich komplexer heraus. Denn die Stadt Hannover meldete ihre Wünsche an: Die nach Ende des Zweiten Weltkrieges nie wieder geschlossene Lücke in dem Häuserblock sollte endlich durch eine angemessene Bebauung gefüllt werden.

Auch die Denkmalpflege hatte ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn ein Teil der Bauten auf dem Firmenareal stammt aus dem 19. Jahrhundert sowie aus den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und ist als schützenswert eingestuft. Schließlich ist die Firma Jacobi bereits seit 195 Jahren an der Falkenstraße ansässig. Wo heute Autos verkauft werden, wurden einst Kutschen produziert - 1820 hatte Heinrich Jacobis Urgroßvater den auf Karosserien spezialisierten Betrieb gegründet.

„Wir haben uns entschieden, alles in enger Kooperation mit der Stadt zu planen“, sagt Jacobi. Die ursprünglichen Pläne wurden im wahrsten Wortsinn aufgestockt: Zu der Auto-Schauhalle kam auf dem Reißbrett ein ganzes Wohnhaus hinzu. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben und Baudezernent Uwe Bodemann persönlich informiert. Auch die Stadt machte Zugeständnisse: Das ehemalige Kontorhaus der Karosseriefabrik, das erst Ende der Achtzigerjahre in die Denkmalschutzliste aufgenommen wurde, darf abgerissen werden, weil es dem Neubau im Weg steht. Das Ergebnis der neun Monate langen Verhandlungen ist ein Entwurf des Büros Hübotter + Stürken, mit dem alle zufrieden sind: Jacobi, die Stadt - und der VW-Konzern. Die Architekten sind im Stadtbezirk bereits bekannt; sie haben in Linden unter anderem das Gilde-Carré entworfen, in Limmer zeichnen sie für den Stichweh-Leinepark verantwortlich.

Der in klaren Konturen gehaltene Neubau an der Falkenstraße ist durch eine Klinkerfassade geprägt, die aller Voraussicht nach die Farbe von Sandstein haben wird - in Anlehnung an den Altbau mit der Hausnummer 16. Im Erdgeschoss des neuen Hauses ist eine 650 Quadratmeter große Ausstellungsfläche für Neuwagen geplant, darüber liegen Büros und Wohnungen. „Alt- und Neubau werden auf besondere Weise verbunden“, erklärt Architekt Tobias Hübotter. Ein Durchbruch zu ebener Erde vergrößert den Schauraum um einen Wartebereich mit Café. „Das soll nicht nur für unsere Kunden offen sein, sondern für alle Lindener“, betont Jacobi.

Und der 66-Jährige sagt auch: „Wir möchten etwas Schönes für die Falkenstraße und für Linden erschaffen.“ Das klingt ehrlich aus dem Mund eines Unternehmers, der den Familienbetrieb bereits in vierter Generation am gleichen Standort führt. 1880 wurde das Wohnhaus errichtet, in dem die Familie über Jahrzehnte lebte, in dem Heinrich Jacobi geboren wurde - und das er nun sanieren lässt, um es zu vermieten. Ganz leicht falle ihm das nicht, gibt er zu. Doch nach dem Tod seiner Mutter, die dort bis vor zwei Jahren gelebt hat, entschloss er sich zu diesem Schritt.

Der Altbaucharme des denkmalgeschützten Hauses mit Stuck, Schiebetüren und alten Kachelöfen soll im Zuge der Sanierung erhalten bleiben. „Technisch kommt aber alles auf den neuesten Stand“, sagt Jacobi. Im ersten Stock wird es eine rund 100 Quadratmeter große Wohnung geben; eine weitere soll sich über etwa 130 Quadratmeter von der zweiten Etage bis zum ausgebauten Dachgeschoss erstrecken. Die sechs Wohnungen im Neubau haben zwei bis vier Zimmer, Balkon oder Dachterrasse und sind zwischen 60 und 160 Quadratmeter groß. Alt- und Neubau bekommen einen Fahrstuhl, zudem gibt es eine Tiefgarage mit 18 Plätzen. Spätestens im Frühjahr 2017 soll alles fertig sein.

Die Mieten im Neubau sollten „um die 10 Euro“ pro Quadratmeter liegen, im Altbau noch etwas darüber, sagt Jacobi. Für die etwa 330 Quadratmeter großen Büroflächen gebe es bereits Interessenten. Trotz des Engagements für Linden: „Rechnen“, sagt der Unternehmer, „muss sich das Ganze am Ende für uns ja auch.“

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