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Linden Hasselbring gibt Weingeschäft in Linden auf
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Hasselbring gibt Weingeschäft in Linden auf
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00:15 11.01.2016
Von Juliane Kaune
Drei Jahrzehnte für den Wein: Dietrich Hasselbring in seinem Fachgeschäft, das er nun aufgibt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Dietrich Hasselbring lässt den Blick durch seinen Laden schweifen, über Regale voller Weinflaschen. Fast 60 Jahre hat er hier gearbeitet, sechs Tage in der Woche und, wenn es sein musste, auch mal sieben. Wenig Urlaub, aber viel Freude am Beruf. „Ich habe“, sagt der 76-Jährige, „einen der schönsten Berufe der Welt.“ Damit ist es nun vorbei. Hasselbring hat seine Weinhandlung verkauft. Das Geschäft in der Laportestraße 20, das sein Vater Bernhard 1920 eröffnet hatte. Das Geschäft, in dem Dietrich als 17-jähriger Lehrling anfing - und das er bereits ein Jahr später nach dem Tod des Vaters übernehmen musste. Mit dem Verkauf ist die letzte hannoversche Weinhandlung im Besitz der Gründerfamilie Geschichte. Und eine Institution in Linden.

Die Entscheidung, den Betrieb in andere Hände zu geben, hat Hasselbring sich nicht leicht gemacht. Die Umsätze hätten gestimmt, die Arbeit habe Spaß gemacht. Aber es konnte eben nicht immer so weitergehen. Jünger wird keiner. Seine beiden Kinder wollten das elterliche Unternehmen nicht weiterführen, die drei inzwischen erwachsenen Enkeltöchter auch nicht. „Mein Enkelsohn, der hätte schon Interesse gehabt“, sagt der Großvater. Mit einem verschmitzten Grinsen fügt er dann hinzu: „Der ist aber erst zwölf Jahre alt.“

Nach mehr als zweijähriger Suche hat Hasselbring nun einen Nachfolger gefunden. Der Weingroßhändler Eggers & Franke aus Bremen hat das Lindener Handelshaus zum Jahreswechsel übernommen, ebenso wie den Fachmarkt Weingalerie, den Hasselbring 1993 in der Bothfelder Sutelstraße eröffnet hat. Bei den Käufern, sagt er, sei seine Firma gut aufgehoben. Es klingt ehrlich und zuversichtlich. Die Warenbestände - um die 150 000 Flaschen - und die Kundenkartei mit mehr als 4000 Namen haben die neuen Eigentümer ebenfalls übernommen. Eines aber ist dem Unternehmer besonders wichtig: „Das Personal wird weiterbeschäftigt.“

Hasselbring bedauert jedoch, dass der traditionsreiche Name seiner Familie aus dem Stadtbild verschwinden wird. Seine beiden Läden werden künftig heißen wie die älteste Bremer Weinhandlung: Ludwig von Kapff. „Daran muss man sich erst mal gewöhnen.“ Noch steht nicht fest, wann die altdeutschen Buchstaben „B. Hasselbring“, die seit Jahrzehnten die Ladenfront in der Laportestraße zieren, abmontiert werden. Das ist Sache der Nachfolger. Auch wann und wie sich das derzeit liebenswürdig-altmodische Ambiente der Lindener Weinhandlung verändern wird, liegt nicht mehr in seinen Händen. „Ich hoffe, dass ich hier kein Hausverbot bekomme“, sagt Hasselbring mit dem ihm eigenen trockenen Humor. Aber er sagt auch: „Ich bin Realist.“ Gleichwohl ist es ihm anzumerken - der Abschied ist ein großer Einschnitt.

Hasselbring hat nicht nur sechs Jahrzehnte im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses in der Laportestraße 20 gearbeitet. In der Etage darüber ist er aufgewachsen. Danach hat er in dem Haus, das sein Großvater Julius erbauen ließ, mit seiner Frau und den beiden Kindern gewohnt. „Lange Zeit waren Laden und Wohnung über eine Wendeltreppe miteinander verbunden“, erinnert sich die 78-jährige Felicitas Hasselbring. Seit 1962 sind die beiden verheiratet - und von Anfang an hat die gelernte Fotografin voll in dem Familienunternehmen mitgearbeitet.

„Die Wohnung in der Laportestraße geben wir nicht auf“, versichert Hasselbring. „Wir sind mit Leib und Seele Lindener.“ Auch wenn er und seine Frau ihren Erstwohnsitz 2004 nach Eilvese verlegt haben, einem Stadtteil von Neustadt am Rübenberge. Er sei stolz darauf, ein Lindener Butjer zu sein, sagt Hasselbring. Dieser Stolz ist ihm auch anzumerken, wenn er aus der Geschichte der Unternehmerfamilie Hasselbring berichtet. So erfährt man, dass Großvater Julius einer der Gründer der Lindener Volksbank war und Vater Bernhard ein guter Freund von Lindener Fabrikanten wie Wurstproduzent Fritz Ahrberg oder Großbäcker Franz Harry.

Dietrich Hasselbrings Metier war immer der Wein. „Eigentlich wollte ich ja Architekt werden, aber meine Jugend war mit dem Tod meines Vaters zu Ende.“ So musste der Sohn in den Betrieb einsteigen und vertraute einfach auf seine „sehr gute Nase“ und seine „noch bessere Zunge“. Mit wachsendem Erfolg. Nach und nach wurde die Weinhandlung ausgebaut, Kellerei und Lagerräume wurden stetig vergrößert - häufig in Eigenarbeit. „Wir haben mit 30 Weinen begonnen, davon allein 20 aus Baden“, erinnert sich Hasselbring. Heute sind es mehr als 2000 Wein-, Sekt- und Spirituosensorten aus aller Welt. Und an vielen Orten, wo Wein angebaut wird, ist der bisherige Firmenchef persönlich bei den Winzern zu Besuch gewesen - ob in Chile, Argentinien, Südafrika oder Kalifornien. Bis vor vier Jahren haben Hasselbring, seine Frau und die Mitarbeiter sogar noch selbst Wein abgefüllt, aus zwei riesigen Fässern mit einem Fassungsvermögen von jeweils 2500 Litern. „Das hat letztlich zu viel Zeit gekostet.“

Überhaupt: die Zeit. Die fehlte Hasselbring seit 60 Jahren. Das wird sich nun ändern. „Ich will wieder intensiver Ski fahren, meine Frau will wieder intensiver spazieren gehen“, sagt er mit dem ihm eigenen Humor. Geeinigt haben sich die beiden aber schon auf eine Reise nach Hongkong und Australien - einem Weinbaugebiet, das Hasselbring noch nicht aus eigener Anschauung kennt. Außerdem will er sich mehr entspannte Stunden bei einem guten Riesling oder einem Bordeaux gönnen. „Zwei Schoppen Wein nach Feierabend konservieren“, meint er schmunzelnd. Fest steht aber: „Gar nichts tun werde ich mit Sicherheit nicht. Solange es Wasser und Seife gibt, kann ich mir auch die Hände schmutzig machen.“

Das wird bei einer seiner geplanten Aktivitäten nicht nötig sein: Hassel-bring will sich künftig stärker der Verwaltung der Familien-Immobilien widmen. Denn Großvater Julius hatte vorgesorgt und neben dem Haus in der Laportestraße auch gleich vier weitere Mietshäuser in dem Wohnblock errichten lassen.

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