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Linden „Ich bin Lindenerin durch und durch“
Hannover Aus den Stadtteilen Linden „Ich bin Lindenerin durch und durch“
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00:15 16.04.2016
Von Juliane Kaune
Hannover, Falkenstrasse 21a, Galerie Falkenberg, Edelgard Bulmahn wird Vorsitzende des Vereins "Lebendiges Linden"Hans- Jürgen Giesecke ( Bisheriger Vorsitzender) übergibt sein Amt an Frau Bulmahn.Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Frau Bulmahn, Sie sind jetzt nicht nur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sondern auch Vorsitzende des Vereins Lebendiges Linden. Brauchten Sie mal etwas Abwechslung?

Langeweile habe ich nicht. Mein Amt und mein Mandat als Abgeordnete in Berlin und in Hannover füllen mich voll und ganz aus. Aber ich finde es wichtig, aktiv etwas für den Stadtteil zu tun, in dem ich lebe und mich zu Hause fühle.

War Bedenkzeit nötig?

Der Vereinsvorstand hat mich gebeten, die neue Aufgabe zu übernehmen. Ich habe mir das gut überlegt - und dann sehr gerne zugesagt. Es geht ja nicht darum, alles allein zu entscheiden, sondern in einem guten Team zu arbeiten. Im Grunde war es für mich ganz selbstverständlich, Ja zu sagen. Schließlich bin ich schon so ziemlich seit den Anfängen des Vereins Mitglied, also seit fast 25 Jahren.

In Linden leben Sie noch deutlich länger.

Seit mittlerweile 43 Jahren. Ich bin Lindenerin durch und durch. Bis auf einen knapp einjährigen Abstecher in die List habe ich seit Beginn meines Studiums immer in Linden gewohnt. Erst in einer Dreier-WG in der Fröbelstraße, dann kurz in der List und dann lange in der Pfarrlandstraße. An die Vermieterin erinnere ich mich noch gut. Frau König, sie war im Übrigen eine tolle Frau, hat die Übergabe der Miete immer mit einem gemeinsamen Mieterfrühstück verbunden. Das war eben Linden. In der WG habe ich übrigens auch meinen späteren Mann kennengelernt.

Warum lieben Sie Linden?

Der Stadtteil ist einfach unverwechselbar. Wir leben hier in einer wunderbaren Mischung von Menschen und Kulturen. Beeindruckend ist auch, dass es hier so viele Menschen gibt, die sich für ihren Stadtteil engagieren, ob in Vereinen, Verbänden, sozialen oder kulturellen Einrichtungen. In dieser Qualität kenne ich das sonst nirgendwo. Ganz klar: Linden ist mein Lebensmittelpunkt und mein „Down-to-Earth“, wenn ich aus Berlin komme.

Müssen Sie Ihre Linden-Leidenschaft hin und wieder mal Ihren Bundestagskollegen in Berlin erklären?

Ich muss das manchmal auch in Hannover erklären. Im Ernst: Ich denke, jeder hat so einen Ort, wo er sich einfach wohlfühlt. Linden hat viele schöne Seiten. Dazu gehört natürlich der Lindener Berg, auch die Kleingärten dort mag ich. Leider habe ich es dieses Mal bei dem schönen Wetter nicht zum Scillablütenfest geschafft, und im letzten Jahr war es ja so verregnet. Ich bin gern auf dem Marktplatz, fahre mit dem Rad am Ihme-Ufer entlang oder mache einen Spaziergang durch die Limmerstraße, und ich mag die Bethlehemkirche sehr. Auch das Kulturzentrum Faust und das Freizeitheim sind ganz besondere Orte.

Und was ist mit dem Ihme-Zentrum?

Als ich zum Studium nach Hannover kam, ragte das Fundament schon einen Meter aus dem Boden - da war nichts mehr zu machen. In den Siebzigerjahren hat dann die Lindener SPD zusammen mit der Bürgerinitiative differenzierte Sanierungskonzepte, die auf einen Erhalt der Bausubstanz setzten, durchgeboxt. Es ist schade, dass sich beim Ihme-Zentrum die damaligen pessimistischen Einschätzungen zu solch einem Großprojekt letztlich bewahrheitet haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die aktuellen Pläne des Investors greifen. Fest steht: Die öffentliche Hand kann nicht als Lückenbüßer für private Investoren einspringen.

Motto des Vereins Lebendiges Linden ist es, den Stadtteil noch lebenswerter zu machen. Ist das noch nötig?

Was heißt nötig? Es war und ist eine tolle Aufgabe, die uns auch zukünftig am Herzen liegen wird. Entscheidend ist, die vielen Initiativen und Gruppen, die es in Linden gibt, eng miteinander zu vernetzen. Das ist unserem Verein schon sehr gut gelungen - die drei Standbeine, die er heute hat, spiegeln das wider. Das Wirtschaftsforum bietet eine Plattform für Gewerbetreibende, das Kulturforum fördert Kreative und Künstler, und das Team für Veranstaltungen bringt unterschiedlichste Akteure zusammen, um Projekte zu planen. Was in 25 Jahren alles auf die Beine gestellt wurde, ist beachtlich. Daran werden wir nun gemeinsam weiterarbeiten.

Wird der Verein unter Ihrer Regie jetzt politischer?

Ein Verein ist nicht der richtige Rahmen für Parteipolitik. Gleichwohl sollten wir auch gesellschaftspolitische Themen aufgreifen, die für den Stadtteil wichtig sind. Ein Schwerpunkt ist und bleibt der Zusammenhalt, das Miteinander. Das Zusammenleben der Kulturen funktioniert in Linden grundsätzlich gut. Aber durch den Zuzug der Flüchtlinge muss sich auch dieser Stadtteil neuen Herausforderungen stellen. Unser Verein hat das bereits thematisiert, etwa mit einer vom Wirtschaftsforum initiierten Podiumsdiskussion im vergangenen Jahr, an der ich auch mitwirkte. Gerade über Kultur ist Integration sehr gut möglich, jedes Stadtteilfest kann dazu schon einen Beitrag leisten.

Stichwort Gentrifizierung: Ist Linden auf dem Weg, zu einem Stadtteil für Besserverdienende zu werden?

Linden hat sich verändert. Aber es gibt hier nach wie vor eine Mischung aller Einkommens- und sozialen Schichten, und das ist gut so. Menschen mit besseren Voraussetzungen können diejenigen unterstützen, die schlechtere Karten haben. Mich stört, dass die Gegner einer vermeintlichen Gentrifizierung teilweise selbst dazugehören.

Ein ganz anderes politisches Thema: In Bezirksrat und Stadtrat wird derzeit über Sanierung oder Neubau des Fössebades diskutiert. Als Bundestagsabgeordnete müssen Sie ja nicht darüber entscheiden - was würden Sie sich wünschen?

Das Fössebad ist wirklich wichtig für den Stadtbezirk. Ich plädiere für eine pragmatische Lösung - mit einem tragfähigen Nutzungskonzept zu angemessenen Kosten. Neben dem Hallenbad auch das Freibad am Standort in der Liepmannstraße zu belassen, wird schon allein wegen des Bevölkerungszuwachses in der Wasserstadt Limmer nötig sein. Wünschen würde ich mir, dass es schnellstmöglich auch für das sanierungsbedürftige Freizeitheim eine Lösung gibt, die allen Nutzergruppen gerecht wird. Das darf nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.

Sie wollen als Vereinsvorsitzende präsent sein. Wird man Sie auch mal bei Bezirksratssitzungen im Publikum sehen? Vielleicht sogar am Mikrofon in der Bürgerfragestunde?

Warum nicht? Das wäre doch ein tolles Zurück zu meinen Anfängen als Bezirksratsmitglied. Aber ich werde vor allem versuchen, für den Verein Lebendiges Linden und damit für Linden das Beste zu erreichen.

Interview: Juliane Kaune

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