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Linden Warum regt sich Linden eigentlich immer so auf?
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Warum regt sich Linden eigentlich immer so auf?
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02:15 23.01.2016
Von Gunnar Menkens
Steine, Farbbeutel, aggressive Sprüche: Immer wieder wird in Linden gegen neue Geschäfte protestiert. Quelle: Montage
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Brötchen statt Wurst: Der Streit um den Bäcker Göing

Nein, sagt Astrid Ries in ihrem Hutgeschäft mit dem sprechenden Namen Hut up, „das ist völlig bescheuert“. Da will ein Betrieb mit hannoverscher Tradition eine Filiale in der Limmerstraße aufmachen – und es dauert nicht lange, bis jemand dagegen ist. Eine Nachbarin der künftigen Bäckerei Göing teilte mit, den Laden brauche man nicht, weil es Bäcker schon genug gebe in der Nähe und es sich bei Göing außerdem um eine „Kette“ handele. Der Protest wurde nicht umständlich über Facebook verbreitet, die Autorin postete ihre Markteinschätzung zur sublokalen Bäckerszene direkt an die Fassade des künftigen Brötchengebers.

Bescheuert also findet das Astrid Ries von der Kaufleutegemeinschaft LindenGut und fragt sich mit Blick auch auf vergangene Ereignisse, welches Ziel Leute verfolgen, die regelmäßig neue Läden attackieren. „Die sollten das Positive sehen, dass Leute sich trauen, Geschäfte zu eröffnen. Wer erhebt sich und sagt, dieser Laden gehört nach Linden und dieser nicht?“

Gute Frage. Aktuell muss man sagen: Mehrere Leute mit unterschiedlichen Interessen. Der Protest ist widersprüchlich. Er richtete sich gegen junge Gründer wie FussStolz, den Sneakersladen und die Eisdiele Frioli nahe des Lindener Marktes. Nachweislich keine Läden, die bösen Ketten angehören, wie etwa denns, der Biomarkt, an dessen Kasse ein besser gefülltes Portemonnaie nicht schaden kann und der ins Blickfeld von Gentrifizierungsgegnern geriet. Wer nicht bio war und eingesessen in Linden, blieb trotzdem nicht verschont. Der Schlachter Gothe, bis zur Ladenschließung 112 Jahre lang ein Name im Stadtteil, war Opfer von Schmierattacken aus der Vegetarierecke, daran ließen die wandschriftlich hinterlassenen Textnachrichten wenig Zweifel. Wenn man denn eine grobe Linie des Protestes erkennen mag, ist es vielleicht diese: Heimatverbundene Lindener wollen, dass im Stadtteil alles bleibt, wie es immer schon war.

Dieses Interesse an lokaler Wirtschaft kommt bei Geschäftsleuten vor Ort nicht gut an. „Affig, immer ist irgendeine Schaumschlägerei“, sagt Andreas Bothe von der Lindener Weinhandlung. Harm Baxmann von der Aktion Limmerstraße begrüßt, dass die Bäckereifiliale in die frei gewordene Schlachterei zieht. Leerstand ist nicht das, was einer Straße förderlich wäre. „Leben und leben lassen“, sagt Baxmann, nach diesem Motto müsse es doch zugehen in Linden. Am Beispiel Vegetarier: „Habe ich nichts gegen, wenn sie andere nicht einschränken.“ Dass ständige Nörgelei und massivere Angriffe Standort und Betriebsgründungen gefährden, das glaubt Baxmann nicht. Ohnehin, und das gelte auch für Göings, entscheide „der Markt“.

Und „der Markt“ ist nur ein anderes Wort für Kunden. Hört man die Einschätzungen aus Läden derjenigen, die Opfer von Aktivisten wurden, dann scheint sich die Protestszene vom anderen Leben jedenfalls abzukoppeln. Beim Sneakerladen heißt es, man sei „super zufrieden“, weiter die Limmerstraße runter sagt der Filialleiter von denns, die Querelen seien vorbei und das Geschäft in Linden „angenommen“.

So viel Erfolg wünscht die kritische Nachbarin Göings Neueröffnung nicht. Zehn bis elf Bäckereien, Ketten und Backshops auf einer Länge von einem Kilometer auf der Limmerstraße zählte sie und schloss auf einem zweiten Aushang: „Ein stolzes Überangebot an Backwaren.“ Sie erinnerte an gescheiterte Hamburger- und Coffeeshop-Ketten und wünscht sich diesen „Lindener Geist, Systemgastronomie und Ketten zu ignorieren oder zu boykottieren“. Ein Geist, den sie „etwas eingeschlafen, aber nicht tot“ wähnt.

In anderer Angelegenheit hat sich bislang kein Protest erhoben. Auf der Limmerstraße gibt es seit Jahresbeginn nur noch eine Sparkasse. Da müssen nun alle hin, die Geldgeschäfte zu erledigen haben, für alte Menschen bedeutet das einen oft beschwerlichen Fußweg. Die Schließung der kommunalen Bank ging geräuschlos über die Bühne. Dabei wäre es doch eine gute Lindener Aktion gewesen, wenn Aktivisten dagegen protestiert hätten, dass eine Bank schließt. Eine Bank! Irgendwie ironisch wäre das gewesen und den alten Lindenern hätte es gefallen.

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"Andere Sorgen": Der Streit um den Sneakerladen "Fuss Stolz"

Ende Juni hatte der Schuhladen „Fuss Stolz“ an der Limmerstraße eröffnet – kurz darauf hatten Unbekannte mit schwarzer Farbe eine Botschaft an die Außenwand des Geschäfts geschrieben. „Niemand braucht eure lächerlichen Schuhe“, hieß es dort. Wohl deshalb, weil der Laden neu war und schick aussieht. Neu, schick – das war Einigen in Linden zuwider, die den Stadtteil mitten in einer Gentrifizierung sehen, einer schleichenden Teuerung und Verdrängung alteingesessener Bewohner. Inhaber Andrian Bonev betonte indes schnell, dass er und sein Kompagnon nicht zu den Leuten zählen, die es zu bekämpfen gilt, sondern sie selbst Einheimische seien. „Wir sind Leute aus der Nachbarschaft. Unser Laden ist für Leute, die keine Lust mehr haben, Sneakers in Filialen von Ketten zu kaufen.“  

Nach Anschlag klingelt die Kasse: Der Streit um die Eisdiele Frioli

Anfang 2012 traf der Protest die Eisdiele Frioli in der Stephanusstraße, nur wenige Meter von der Limmerstraße entfernt: Kurz vor Eröffnung warfen Unbekannte die Scheiben des Geschäfts mit Steinen ein. Unklar blieb, ob die Preise pro Kugel Grund waren oder die Luxussanierung des Hauses, in das die Inhaberin sich im Erdgeschoss eingemietet hatte. Klar war allerdings schnell: die Mehrzahl der Lindener stellte sich gegen den handfesten Protest: schon wenige Tage später hatte Inhaberin Tanja Metz eine Woge der Solidarität erfasst. Die Lindener rissen ihren Mitarbeitern das Eis quasi aus der Hand.

"Tofu, Steine, Scherben": Der Streit um den Biomarkt Denn's

Große Aufmerksamkeit erregte der Protest gegen die Eröffnung der Filiale des Biomarktes Denn's. In dem Gebäude waren jahrzehntelang mehrere kleine Läden untergebracht - darunter ein Elektrofachgeschäft, ein Café, ein Modegeschäft und ein Optiker. Im Jahr 2010 erwarb die Firma Wohnwert Hannover die Immobilie. Das Unternehmen kündigte die alten Mietverträge und bot den Geschäftsinhabern neue Kontrakte zu veränderten Konditionen an. Unter anderem sollten sie eine Kündigungsfrist von nur drei Monaten beinhalten; eine Klausel, die für die alteingesessenen Geschäftsleute nicht hinnehmbar war. Und so zogen die Inhaber teils um, oder schlossen ihre Geschäfte. Kurz darauf flogen dann Farbbeutel und Steine auf die Denn's-Filiale. 

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Der Verein Lebendiges Linden ist mittlerweile seit 25 Jahren im Stadtteil aktiv. So wurde der diesjährige Neujahrsempfang in Räumen der Ostland Wohnungsgenossenschaft zugleich auch zur Jubiläumsfeier - mit Bundesprominenz.

Juliane Kaune 23.01.2016

Die immer wieder aufkommende Nörgelei von Lindenerin, die meinen bestimmen zu können, welche Geschäfte in ihren Stadtteil passen, nervt die Inhaber bestehender Läden und die Kunden. Zuletzt hatte sich der Protest gegen die geplante Göing-Filiale in der Limmerstraße gerichtet.

Gunnar Menkens 23.01.2016

Bei einer Verpuffung in einer Autowerkstatt an der Marianne-Baecker-Allee in Hannover-Linden hat sich ein 16 Jahre alter Angestellter leicht verletzt. Er wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

20.01.2016
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