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Interner Streit gefährdet Suppenküche

Linden Interner Streit gefährdet Suppenküche

Der Vorstand überschüttet sich mit Vorwürfen: Die Lebensmittelausgabe in Linden gerät erneut in Schieflage – mehrere Supermärkte kündigen die Zusammenarbeit mit dem Lindener Tisch.

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Ein VW-Bus der „Helfenden Pfötchen Laatzen“ steht vor der Suppenküche. Foto: Moers

Hannover. Ein Streit in der Führungsmannschaft der Lindener Tafel gefährdet offenbar die Existenz der sozialen Lebensmittelausgabe. Nach schweren Anschuldigungen ehemaliger Vorstandsmitglieder über „untragbare“ Zustände in der Einrichtung haben wichtige Großspender die Zusammenarbeit ausgesetzt. Die Folge sind rationierte Notausgaben und Gerüchte über eine bevorstehende Schließung.

An manchen Tagen stehen 400 Bedürftige an der Lebensmittelausgabe des Lindener Tischs Schlange. Bis zu zwei Stunden warten sie vor dem kleinen, etwas heruntergekommenen Haus im Dunkelberggang auf gespendete und abgelaufene Lebensmittel oder eine warme Mahlzeit; seit zwei Wochen immer wieder vergeblich. Am 25. Januar erklärt der Verein auf seiner Facebook-Seite, dass lediglich eine Notausgabe möglich sei.

Die genauen Umstände, die zu der Krise geführt haben, sind undurchsichtig. Der inzwischen zurückgetretene zweite Vorsitzende wirft Tisch-Leiter Bernd Konieczky und seinem Team vor, den Laden unter „nicht mehr tragbaren“ Umständen zu führen. „Nach Feierabend geht dort die Party ab. Die Vereinsräume werden für private Alkoholexzesse benutzt“, sagt Dietmar Plömer. Von Rauschmitteln und kotenden Hunden ist weiter die Rede. Anschuldigungen, die der erste Vorsitzende und sein Team bestreiten. „Für uns sieht es aus, als wolle man den Betrieb sabotieren“, sagt Vereinssprecher Guido Magera.

„Wir wollten angesichts der Zustände die Notbremse ziehen“, erklärt die ehemalige Kassenwartin Kornelia Brand-Plömer das Vorgehen gegen Mitgründer Konieczky. Vor zwei Jahren hatte das Ehepaar den Lindener Tisch mit gegründet. Beide leiten außerdem die Laatzener Tafel und die Tier-Tafel Helfende Pfötchen Laatzen. Letztere betrieb vor dem Zerwürfnis auch eine Ausgabestelle im Dunkelberggang.

Im Rahmen einer Vorstandssitzung hatte ein Teil des Vorstands Konieczky Ende Januar in dessen Abwesenheit abgesetzt. Mehreren ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde Hausverbot ausgesprochen. In der vergangenen Woche wurden die offenbar unrechtmäßig zustande gekommenen Vorstandsbeschlüsse durch eine einstweilige Verfügung aufgehoben. Inzwischen hat sich das Ehepaar Brand-Plömer komplett aus dem Verein zurückgezogen.

Die Folgen des internen Streits treffen den auf Spenden angewiesenen Verein schwer. Lebensmittel, die der Verein bislang regelmäßig von einer Kaufland-Filiale in Barsinghausen bezog, dürfen dort nicht mehr abgeholt werden. „Die Zusammenarbeit ruht derzeit“, erklärt Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler. Zu den Gründen will man sich nicht äußern. Auch drei Märkte der Kette Edeka Wucherpfennig sollen zumindest vorübergehend die Spenden eingestellt haben. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Gerüchte um eine Schließung der Einrichtung bestreitet Tisch-Leiter Bernd Konieczky energisch: „Wir machen weiter.“ Bereits 2012 musste eine Suppenküche des Deutschen Roten Kreuzes in der Lindener Rampenstraße schließen. Die Vorwürfe reichten von der Spendenhinterziehung bis zum Drogenhandel. Brisant: Schon damals trafen die Anschuldigungen den Vorsitzenden des Lindener Tischs, Bernd Konieczky - damals Leiter in der Rampenstraße.

Die Vorwürfe, die den Betreibern der Einrichtung entgegengebracht werden, sind nur schwer zu prüfen. Lebensmittel-Abgabestellen und Suppenküchen arbeiten im besten Fall nach eigens festgelegten Standards. Polizeilich ist die Einrichtung bisher nicht negativ aufgefallen. „Wir können keine besonderen Vorkommnisse feststellen“, sagt Polizeisprecher Sören Zimbal. Lebensmittel-Kontrolleure der Stadt notierten nach Besuchen im Mai und Juni 2015, dass „festgestellte Mängel abgestellt wurden“, berichtet Stadt-Sprecher Udo Möller. Die Leiterin der „Hannoverschen Tafel“ Katja Keßler würdigt das besondere Angebot des Lindener Tischs als einzigartig. Nirgendwo sonst können Bedürftige täglich für 50 Cent frühstücken und für 1 Euro Mittagessen. Von der Krise des Tischs hat die Tafel-Mitarbeiterin bereits gehört. „Bei uns läuft das insgesamt kontrollierter ab“, kommentiert die Branchen-Kennerin die Krise in Linden. Gleichwohl sei die Suppenküche nach wie vor wichtig.

„Wir machen weiter“, bestreitet Tisch-Leiter Bernd Konieczky energisch Schließungs-Gerüchte. „Wir machen weiter wie bisher. Mit dem Unterschied, dass wir die Vorstandsarbeit künftig transparenter gestalten“, ergänzt Vereinssprecher Magera. In den kommenden Tagen soll eine Vorstandssitzung stattfinden. Oberste Priorität hat die Akquise neuer Spender. Die werden wissen wollen, ob ihre abgelaufenen Waren in guten Händen sind. Unzählige Bedürftige und ihre Haustiere sind auch künftig auf den Lindener Tisch angewiesen.

Bereits 2012 musste eine Suppenküche des Deutschen Roten Kreuzes in der Rampenstraße schließen. Die Vorwürfe reichten von der Spendenhinterziehung bis zum Drogenhandel. Besonders brisant - schon vor zwei Jahren trafen die Anschuldigungen den Vorsitzenden des Lindener Tischs, Bernd Konieczky, damals Leiter in der Rampenstraße.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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