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Linden Die vergessene Fehde zwischen Linden und 96
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Die vergessene Fehde zwischen Linden und 96
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00:16 17.01.2016
Jörg Janze mit seinem Privat-Archiv. Quelle: Moers
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Jörg Janze war elf Jahre alt, als er 1944 auf einem Dachboden in Holzminden eine vergilbte Zeitung entdeckte. Mit den Pimpfen des Jungvolks war er auf den Boden der Volksschule gestiegen, um dort Blätter zum Trocknen auszulegen. Da fiel der Blick des Jungen auf eine Schlagzeile, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. „Endspiel um die deutsche Meisterschaft: 1896 - Schalke“, titelte der Sportteil der Niedersächsischen Tageszeitung am 30. Mai 1938. Die Zeitungsfetzen, die Jörg Janze bis heute im Wohnzimmerschrank verwahrt, lagen dort bereits sechs Jahre, ehe er sie aufhob und in seine Taschen stopfte.

Im Hannover der Dreißigerjahre aufgewachsen, hatte Janze natürlich von dem legendären Endspiel gehört. Die Erzählungen, wie Erich Meng die 96er in der 115. Minute am 3. Juli 1938 in Berlin zu ihrer ersten Deutschen Meisterschaft schoss. Auf dem Bahnhofsvorplatz hatten 100.000 Zuschauer frenetisch den Heimkehrern zugejubelt, die in zweispännigen Pferdekutschen zur Siegesfeier in die Stadthalle fuhren. „In den Dreißigerjahren hat die Deutsche Meisterschaft mir als Kind sehr imponiert“, erzählt der heute 82-Jährige.

„Damals wurde ein anderer Fußball gespielt“

Der Begeisterung für den Fußballsport ist er bis heute treu geblieben. Seit dem elften Lebensjahr verfolgt der ehemalige Kaufmann und Versicherungsvertreter die Geschichte der hannoverschen Fußballvereine wie vermutlich kein Zweiter. Jedes verfügbare Ergebnis und viele Tabellen hat er aufgehoben, sauber handschriftlich notiert und kommentiert in antik anmutenden Kladden. Nach einem Vortrag in einer Erzählreihe des Geschichtsvereins „Netzwerk Archive Linden-Limmer“ interessieren sich auf einmal Historiker und Vereinschronisten für die Aufzeichnungen des außergewöhnlichen Fußballfans.

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Diesen Artikel zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1938 fand Jörg Janze 1944 auf einem Schul-Dachboden. Darauf liegt ein Bild der legendären Meistermannschaft.      

An eine Spielszene aus seiner Jugend kann sich Jörg Janze noch ganz genau erinnern. Es passierte im Freundschaftsspiel von Hannover 96 gegen Schalke 04 im Hindenburgstadion. „Da kam plötzlich ein Schuss auf das Schalker Tor“, erzählt Janze aufgeregt, als wäre es erst letztes Wochenende gewesen. Vor dem Schalker Kasten stand „Ötte“ Tibulski, Nationalspieler, Mitglied des „Schalker Kreisels“ und nach dem Karriereende Betreiber der Vereinsgaststätte auf Schalke. Obwohl der Ball dem Tor gefährlich nahe kam, nahm Tibulski die Pille lässig mit dem Kopf. Die abgezockte Art, mit der er den Torschuss seinem Torwart zunickte, statt ihn mit sicher mit dem Fuß zu entschärfen, hat Jörg Janze nachhaltig beeindruckt. Vermutlich, weil sich kein Bundesliga-Profi so eine leichtsinnig-selbstbewusste Aktion mehr trauen würde. „Damals wurde ein anderer Fußball gespielt“, findet Janze. Deshalb interessiert er sich besonders für die Geschichte der hannoverschen Vereine zwischen 1920 und 1944.

Skandal um das Lindener Aufstiegstrauma

Mehrere Jahre hat er damit verbracht, im Archiv die Sportbeilagen des Hannoverschen Anzeigers, dem Vorläufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, durchzublättern. „Damals durfte ich nicht kopieren. Deshalb habe ich alles handschriftlich festgehalten“, erzählt er. Von manchem Spiel kennt nur Janze das korrekte Ergebnis. Bei seinen Recherchen stieß er immer wieder auf unrichtige Wertungen in den Tageszeitungen. Für den Laien sind die Statistiken eine Zahlenwüste - aber Janze kennt die Geschichten und Anekdoten, die sich hinter den Ziffern verbergen. Etwa den Skandal um das Lindener Aufstiegstrauma der Saison 1946/47.

Damals qualifizierten sich die ersten drei Vereine der Oberliga Niedersachsen-Süd für die neue Norddeutsche Oberliga. Viel stand also auf dem Spiel für die hannoverschen Vereine. Neben Hannover 96 zählten dazu auch Arminia Hannover und Linden 07. Nachdem 96 die Lindener vernichtend 8:1 geschlagen hatte, legte 07 Protest ein. Ein Spieler namens Velter hatte gleich vier Tore geschossen, ohne einen korrekten Spielerpass zu besitzen. Das Spiel wurde 5:0 für die Lindener gewertet, denen der Aufstieg sicher schien. Doch Hannover 96 revanchierte sich. Nach ausgiebiger Recherche stellte man fest, dass auch der Tuspo Holzminden in einem verlorenen Punktspiel einen unregistrierten Spieler eingesetzt hatte. In den Nachkriegswirren kam es häufig vor, dass Rückkehrer nicht über die passende Spielerlaubnis verfügten.

„Drei Spiele wurden wiederholt. 96 gewann 3:0 in Holzminden und schoss sich mit dem besseren Torverhältnis in die Norddeutsche Oberliga, vor den Lindenern“, weiß Janze zu berichten. „In den Folgejahren bestand zwischen den beiden Vereinen eine üble Feindschaft“, ergänzt er schmunzelnd. Mit einem Blick auf seine Kladden fügt er hinzu: „Hiermit könnte ich jedem Verein in Hannover einen Lebenslauf schreiben.“

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