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Linden Kesselhaus mit Graffiti beschmiert
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Kesselhaus mit Graffiti beschmiert
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02:15 20.08.2016
Von Juliane Kaune
Die Sprayer nutzten das Baugerüst aus, um den Bau zu beschmieren. Quelle: privat
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Hannover

„Mit großer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass die Sprayer keinen Respekt vor der denkmalgeschützten Fassade haben“, sagt Stiftungssprecher Peter Hoffmann-Schoenborn. Die Stiftung hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Trotz des Vorfalls hält sie aber daran fest, das Kesselhaus wie geplant zum Tag des offenen Denkmals am 11. September für Besucher zu öffnen.

Die Täter nutzten offenbar ein Gerüst, das für Dacharbeiten aufgebaut worden war, um ihre Hinterlassenschaften an die Wände zu sprühen. Vermutlich sei das Gebäude an zwei verschiedenen Tagen beschmiert worden, sagt Hoffmann- Schoenborn: „Von oben bis unten ist alles voll.“ Die Polizei habe zugesichert, nun häufiger Streifenbeamte auf das Gelände zu schicken. Die Kosten, die dafür aufgewendet werden müssen, die Graffiti zu entfernen, hätte man lieber für die Sanierung ausgegeben, erklärt der Stiftungschef. „Für den Gegenwert hätten wir bis zu vier der historischen Fenster erneuern können.“

Sanierung kostet 250.000 Euro

Das ist umso ärgerlicher, weil viel Engagement nötig war, um die Finanzierung des Projekts zu sichern. Die Hälfte der 250 000 Euro teuren Arbeiten trägt der Bund, hinzu kommen 85 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und anderen Geldgebern. Allein 42 000 Euro bringt die Faust-Stiftung auf - aus Eigenmitteln, von Bürgern gesammelten Spenden und über unentgeltliche Dienstleistungen von Architekten und Handwerkern, die das Projekt unterstützen.

Inzwischen sei das Kesselhaus von Asbest und Taubenkot befreit und bereits jetzt wieder begehbar, sagt Hoffmann-Schoenborn. Die in Abstimmung mit dem Denkmalschutz notwendigen weiteren Arbeiten gestalteten sich allerdings komplexer als zunächst angenommen. Es werde daher nicht möglich sein, die komplette Sanierung bis zum Denkmaltag am 11. September fertigzustellen. Die Pressestelle des Kulturzentrums Faust hatte schon eine E-Mail verschickt, in der von einer Verschiebung des Eröffnungstermins die Rede war.

"Denkmalschutz ist ein Prozess"

Doch Hoffmann-Schoenborn gibt Entwarnung: „Die wesentlichen Arbeiten, die die Begehbarkeit sichern, werden erledigt sein. Aber zum Beispiel können wir noch nicht alle Fenster und Türen termingerecht ersetzen, auch manche Stellen im Mauerwerk werden noch nicht dem Endzustand entsprechen.“ Er versichert, dass die Besucher auf jeden Fall einen „Ah- und Oh-Effekt“ erleben werden. „Denkmalschutz ist eben ein Prozess, auch das können wir auf diese Weise dokumentieren.“

Die feierliche Eröffnung des Kesselhauses ist am 11. September um 11 Uhr geplant. Ab 12 Uhr wird es möglich sein, das Gebäude - geführt in Kleingruppen mit etwa 20 Personen- zu besichtigen.

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