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Linden Kinder bestimmen selbst, was sie lernen
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Kinder bestimmen selbst, was sie lernen
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00:16 20.11.2017
Von Saskia Döhner
Selbst verwaltet, frei und jahrgangsübergreifend: Silke van Laak und Felix Kostrzewa erörtern ihre Ziele bei der Eröffnung der Utopianale. Quelle: Katrin Kutter
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Linden-Nord

Geht das überhaupt? Dass Schüler selbst bestimmen, was sie lernen wollen. An rund 200 sogenannten demokratischen Schulen auf der Welt ist das gängige Praxis. Und die Schüler kommen zum Unterricht, auch wenn sie es gar nicht müssen. Doch mit der selbst erlebten Schulwirklichkeit der meisten Zuschauer hat der Eröffnungsfilm des Festivals Utopianale im Freizeitheim Linden wenig zu tun.

Margarethe Hentze beschreibt in ihrem Film „Freistunde“, wie Bildungspioniere das Lernen revolutionieren. Das war zum Beispiel Alexander Sutherland Neill, der in der Summerhill-Schule das selbst verwaltete Lernen großgeschrieben hat. Oder der Berliner Reformpädagoge Berthold Otto, der meinte, „die Kinder sollten bestimmen, was gelernt werde“.

Der staatlich verordnete Lernstoff sei meist nur für ein Drittel der Klasse passend, sagt der Göttinger Neurologe Gerald Hüther dazu. Ein Drittel sei unter-, ein weiteres Drittel überfordert. Felix Kostrzewa vom Wissenschaftladen, der das Dokumentarfilmfestival organisiert hat, will Gestaltungsmöglichkeiten für Lehrer, Schüler und Eltern aufzeigen. „Weil es ein Morgen gibt“, sagt er. Zwar würden in den Programmkinos heute mehr Dokumentarfilme gezeigt als noch vor fünf Jahren, aber selten mehr als einer am Stück. Vorteil der Utopianale sei, dass mehrere Dokumentarfilme gebündelt zu sehen sein könnten.

Weniger Leistungsdruck

„Ich kann mich erinnern, dass ich zu Grundschulzeiten mal in jeder Pause, vor und nach der Schule mit meinen Freunden einen Baum besetzt habe, weil wir verhindern wollten, dass er gefällt wird“, erinnert sich Marielle Amsbeck (27) aus Lingen. Die Theaterpädagogin wünscht sich für die Zukunft eine Schule mit weniger Leistungsdruck, mehr jahrgangsübergreifendem Unterricht und Anerkennung für Kinder. Nicht nur für fachliche Leistung sei das wichtig. „Sondern auch weil ein Schüler besonders nett zu einem Klassenkameraden war oder für seine Meinung eingestanden ist.“

Auch an Regelschulen gebe es durchaus pädagogischen Freiraum, sagt Lehrerin Julia Schunack, wobei die Rollen klar verteilt seien: „Wir sind Lehrer, wir sind nicht Freunde oder Eltern der Schüler.“ Margret Rasfeld hat jahrelang die Evangelische Schule in Berlin geleitet, an der es Fächer wie „Herausfoderung“ und „Alle ins Ausland“ gibt. Sie hat die Organisation Schule im Aufbruch gegründet und will möglichst viele Schulen fit für die Zukunft zu machen. Besonders aktiv wolle sie demnächst in Niedersachsen sein, kündigt sie an.

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