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Linden Kunst, Fest, Spiel - bis die Farbe einfriert
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Kunst, Fest, Spiel - bis die Farbe einfriert
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12:21 24.12.2015
Iris Schmitt und Nils Schumacher. Quelle: Benjamin Behrens
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Hannover

Sechs Jahre lang hatte sich die Galeria Lunar im Kötnerholzweg 51 als Anlaufstelle für originelle Ausstellungen und ausgefallene Konzerte etabliert. Dann kündigte der Vermieter Anfang des Jahres die eigentlich als Ladengeschäft und Büro gemieteten Räume.

Im Hinterhof der Galerie lebt der Geist weiter, wenn auch etwas kleiner und deutlich leiser. Das Künstlerpaar Nils Schumacher - einer der Köpfe hinter der Galerie Lunar - und Iris Schmitt alias „EX+“ stellen in ihrem Atelier aus. Unter dem Thema „Kunst Fest Spiel“ sind dort rund 100 Arbeiten an den Wänden der kleinen Künstlerwerkstatt angebracht. „Das ist eine wüste Aufhängung, bei diesem kleinen Raum - alles durcheinander.“ Petersburger Hängung nennt das der Kurator. Durcheinander und doch logisch: „Iris und ich mischen uns auch von der Arbeit her“, sagt der 54-Jährige. Mitunter wird das ein oder andere Werk spontan erweitert oder übernommen. „Das bleibt ja nicht aus, wenn man hier gemeinsam arbeitet.“

Und auch an anderer Stelle ergänzen sich die beiden. „Das Schöne ist, ich komm’ mehr von der Musik und bin eigentlich ein schlechter Maler, sie bringt mir das bei und ich lehre sie das Schlagzeugspielen“, sagt der Gitarrist. „EX+“ kann also auch ordentlich scheppernden Indie-Rock. Wenn der 54-Jährige nicht in die Saiten greift, dann erstellt er Kollagen aus gefundenem Material. Oft werden dabei bekannte Motive oder Arbeiten verfremdet, etwa wenn eine Skizze des Hauptbahnhofs von Gerhard Richter zur tiefschwarzen Fläche wird - immer noch der Bahnhof, nur im Abendlicht. Oder Cindy Crawfords Silhouette bei der Berlinale durch einen Schwarm Flamingos ersetzt wird. Rein analog sind die Collagen, die immer mit den Vorstellungen und Erwartungen des Betrachters spielen. Umschläge voll Ausschnitte sammelt der 54-Jährige, Suchen und Finden. „Einmal weg geklebt kommt nicht wieder, das muss schon stimmen.“

Acrylfarbe auf Leinwand, Karton oder auch schon mal in einer Schublade ist das Metier der anderen Hälfte von „EX+“ - nicht immer einfach, jetzt im Winter. „Mir sind schon Farben eingefroren“, sagt Schmitt grinsend. Kalt, wenig Platz, noch weniger Licht, keine Idealbedingungen. Aber wo ein Wille ist, sei auch ein Weg.

So entstehen mitunter auch politische Bilder, wie die „Schwule Burka“. In den Regenbogenfarben der Homosexuellenbewegung gehalten, sitzt eine verhüllte Person auf einem Stuhl, es bleibt offen, ob ein Mann oder eine Frau, es laufen Tränen aus dem anonymen Gesicht.

„Ich habe vier Bilder in meiner Wohnung hängen - als Leihgabe“, sagt Besucherin Carlet Basten. „Ich mag es gerne, von Kunst umgeben zu sein, und die Geschichten, die sie erzählt“, sagt die 40-Jährige. Unerträglich sei es, auf die Bilder zu verzichten. Daher werde eins der Gemälde demnächst gekauft.

Von Benjamin Behrens

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