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Lindener Fleischwaren erorbern den Norden

Deuker veröffentlicht Ahrberg-Biografie Lindener Fleischwaren erorbern den Norden

Am 10. Oktober 1896 eröffnete der Schlachter Fritz Ahrberg seine erste Filiale in Hannover – nur wenige Jahre später erorbern seine Fleischwaren den Norden Deutschlands.

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Foto: Ahrberg-Filiale am Kröpcke in den vierziger oder fünfziger Jahren.

Quelle: Sammlung Bernd Sperrlich

Hannover. In aller Herrgottsfrühe rüttelt am 10. Oktober 1896 ein hungriger Hanomag-Arbeiter an einem Fleischereigeschäft in der Deisterstraße. „Is denn hier noch keener up? Sei hett dat woll nich nödig wa?“, ruft der Arbeiter im feinsten Lindener-Platt durch die noch geschlossene Ladentür. Sein Begehren: Würste von Fritz Ahrberg. So schildert einer der größten Industriellen der Lindener Geschichte in den Fünfzigerjahren den Moment der Eröffnung seines ersten Geschäfts. Kurz darauf sind die Fleischwaren aus Linden in ganz Hannover bekannt.

Am 10. Oktober 1896 eröffnete der Schlachter Fritz Ahrberg seine erste Filiale in Hannover – nur wenige Jahre später erorbern seine Fleischwaren den Norden Deutschlands.

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1930 listet eine Werbeanzeige in der Tageszeitung 74 Ahrberg-Fleischereien, dazu kommen Filialen von Göttingen bis Hamburg. 1923 verarbeiten die Angestellten in der inzwischen entstandenen Wurstfabrik am Deisterkreisel täglich 250 Schweine. Jährlich werden elf Millionen Meter Darm gefüllt. Der große Verkaufsschlager ist die blasshäutige Bouillonwurst. Auf dem Höhepunkt des Firmenerfolgs waren mehr als 1200 Mitarbeiter in der Wurstfabrik am Deisterkreisel beschäftigt.

Einstige Fabrik ist Geschichte

Auch 120 Jahre nach der Firmengründung gibt es in Linden noch Wurst bei Ahrberg zu kaufen. Mit dem Wurstimperium aus der Blütezeit der Industrialisierung hat der Fleischer am Lindener Markt allerdings nicht mehr viel gemein - außer dem berühmten Namen. Die einstige Fabrik ist längst Geschichte. Heute ist das Ahrberg-Viertel am Deisterkreisel vielmehr als Vorzeigeprojekt für die erfolgreiche Nachnutzung eines Industriegeländes bekannt. Doch was geschah in der Zwischenzeit? Wer war eigentlich dieser Fritz Ahrberg, nach dem am Deister sogar eine Stadthalle benannt ist?

Dem Lebenswerk des Wurstwarenfabrikanten Fritz Ahrberg widmet sich das gerade erschienene zweite Buch des Stadtteilhistorikers Horst Deuker. Mit „Fritz Ahrberg - Fabrikant, Mäzen, Förderer“ veröffentlicht Deuker die erste umfassende Darstellung der Lebensgeschichte einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Lindener Industriegeschichte.

Die Ahrberg-Chronik

1866 : Fritz Ahrberg wird als ältester Sohn eines Schneiders in Egestorf geboren.
1883 : Schlachterlehre in Gehrden mit der Note „gut“ bestanden.
1886 : Eröffnung der ersten Ahrberg-Filiale an der Deisterstraße 63.
1902 : Aufbau eines Filialnetzes. Erste Niederlassung am Schwarzen Bären.
1912 : Bau der Wurstfabrik auf einem 5200 Quadratmeter großen Grundstück am Deisterplatz.
1913 : Eröffnung der Fabrik. 10 Filialen sind in Betrieb.
1914-1924 : Ständige Erweiterung des Filialnetzes, trotz des Ersten Weltkriegs.
1918 : Bau des Kesselhauses mit dem 58-Meter-Schornstein in der Charlottenstraße.
1920 : Markteinführung von Ahrbergs Bouillonwurst.
1921 : In der Firma werden jährlich 100 000 Schweine geschlachtet.
1930 : Rund 100 Filialbetriebe in Hannover und Norddeutschland.
1935 : Fritz Ahrberg wird Mitglied der NSDAP.
1939-45 : Die Firma gilt als kriegswichtiger Betrieb. Bombenschäden. Auszeichnung mit dem Kriegsverdienstkreuz.
1948 : Tod von Ehefrau Luise Ahrberg
(1. Tochter: Elisabeth Pelzer)
1953-55 : Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Ehrenauszeichnung der Tierärztlichen Hochschule. Ehrenbürgerschaft in Egestorf.
1957 : Eröffnung der Fritz-Ahrberg-Halle in Egestorf.
1959 : Tod und Beerdigung auf dem Stadtfriedhof Ricklingen.

"In Linden waren wir stolz auf Ahrberg"

„In Linden waren wir stolz auf Ahrberg“, schildert der 85-Jährige Deuker seine Jugend-Erinnerung an das Unternehmen. „Wenn bei Ahrberg geräuchert wurde, roch man das im Stadtteil“. Deuker, selbst in der unmittelbaren Nachbarschaft aufgewachsen, zeichnet in seinem Buch die Genese des Wurst-Imperiums in 48 gut gegliederten Kapiteln nach. Schwarz-Weiß-Bilder, etwa aus der Produktion, ergänzen den unterhaltsamen, wenn auch mitunter sprunghaften Einblick in ein noch wenig aufgearbeitetes Kapitel Lindener Industriegeschichte. Über die Verbreitung der Ahrberg-Wurst in Hannover berichtet Deuker mit den Worten des verstorbenen Lokalhistorikers Ernst Bohlius: „Durch die Vielzahl von Würstchenständen, die im Citybereich teilweise bis Mitternacht geöffnet hatten, gab es einen festen Liebhaberkreis. Schließlich waren keine Schützenfeste, Sportveranstaltungen oder Ausstellungen ohne Ahrbergs Bouillonwurst mehr denkbar“, zitiert er Bohlius. Fotos von Ahrberg-Wurstständen auf dem Küchengartenplatz oder einer Filiale am Kröpke unterstreichen die Präsenz der Firma im Stadtbild der Vor- und Nachkriegsjahre.

"Es war einfach nichts zu finden"

Das Buch „Fritz Ahrberg - Fabrikant, Mäzen, Förderer“ ist im Eigenverlag des Vereins Quartier e.V. erschienen. Es kostet 20 Euro und kann über die Internetseite www.quartier-ev.de oder per E-Mail (verein@quartier-ev.de) bestellt werden.

Fritz Ahrberg wurde 1866 als Sohn eines Schneiders in Egestorf am Deister geboren. Nach der Lehre wurde er Fleischermeister. Aus der Zeit vor der Firmengründung ist nur wenig bekannt über den Werdegang des Porträtierten. Kindheit, Jugend und Militärzeit bleiben weitgehend im Dunkeln, daran kann auch Deukers detailreiche und aufwendig in Archiven recherchierte Arbeit nur wenig ändern. „Es war einfach nichts zu finden“, entschuldigt sich der Autor am vergangenen Freitag gleich zu Beginn der Buchvorstellung im prall gefüllten AWO-Tagungszentrum bei den mehr als 100 Besuchern. Dabei braucht sich das 155 Seiten starke und mit vielen Fotos, Anzeigen und Dokumenten bebilderte Werk nicht zu verstecken. „Mit diesem Buch hat Horst Deuker ein weiteres Kapitel unserer Stadtteilgeschichte geöffnet“, resümiert Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn in ihrem Vorwort.

Von Mario Moers

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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