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Mittwoch-Theater zeigt „Das kunstseidene Mädchen“

Linden-Mitte Mittwoch-Theater zeigt „Das kunstseidene Mädchen“

Über 50-mal wurde das Stück bereits auf dem Lindener Berg gespielt, jetzt ist das „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun in der Inszenierung von Till Büthe wieder im Mittwoch-Theater zu sehen. Und das aus gutem Grund.

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Mit Pelz und Koffer: Miriam Gruenke verkörpert die junge Doris.

Quelle: Till Büthe/Mittwoch-Theater

Hannover. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Spiegel, ein Bett: Die Bühnenwelt von Miriam Gruenke ist klein. Für ihre Rolle als 18-jährige Doris, die aus einer „mittleren Stadt“ nach Berlin kommt, um „ein Glanz zu werden“, ist es ein von der Gesellschaft begrenzter Raum, ein Puppenstübchen der Kleinbürgerlichkeit.

Das wird klar, als Gruenke mit Koffern und einem Pelzmantel bekleidet die Bühne im Mittwoch-Theater betritt und das Zimmer einnimmt: Sie zieht sich die Schuhe aus, legt sich aufs Bett, sitzt am Tisch, steht vor dem Spiegel. Unermüdlich wird der Raum abgelaufen, wird das altmodische Radio aufgedreht, werden Kleider und Gegenstände aus den Koffern geholt. Dabei spricht Gruenke wie ein Wasserfall, ihr roter Mund formt die ungelenken Sätze aus dem Tagebuch eines Backfisches, der schon viel von der Welt gesehen, aber noch nicht alles verstanden hat: „Ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird noch mehr so sein. Und wenn ich später lese, ist alles wie Kino – und ich sehe mich in Bildern.“

Vom kunstseidenen Mädchen zu Frida Kahlo

Die überaus lebhaften Bilder der jungen Doris in Gestalt von Gruenke hat der hauseigene Regisseur Till Büthe erstmals 2006 auf die Mittwoch-Bühne gebracht. Seither wurde die Adaption des Tagebuch-Romans „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun (1932) bereits über 50-mal auf dem Lindener Berg gespielt. Die Wiederaufnahme des populären Stoffes, der von einer jungen Frau erzählt, die in der späten Weimarer Republik versucht, sich durch Ausnutzung ihrer weiblichen Reize in der patriarchalisch ausgerichteten Gesellschaft zu behaupten, ist in Anbetracht des Theaterspielplans durchaus passend: Im Herbst bringt das Mittwoch-Theater ein Stück über die mexikanische Malerin Frida Kahlo auf die Bühne – und setzt damit einen Schwerpunkt auf starke Frauen.

Starke Solonummer

Denn auch Doris ist stark, selbst wenn ihre eigentümliche Sprache ihr jede Art von Durchdachtheit abspricht: Sie setzt ihren Körper für Luxus und Karriere ein, für ihren Wunsch, „zu leuchten“. Doch ist sie auch eine moderne Frau, die ihren Weg geht, selbst wenn sie scheitert. Dass Doris so wahrgenommen werden kann, ist vor allem der Interpretation von Solodarstellerin Gruenke zu verdanken: Wo Doris noch auf ihr „Tangomärchen“ hofft, ist Gruenke bereits angekommen, als „Glanz“, als leuchtender „Gelbstern“. Wenn Gruenke Doris’ Wunsch äußert, „wie Marlene Dietrich“ zu sein, „so mit Klappaugen-Marke: husch ins Bett“, dann ist sie es. Und wenn Gruenke am Ende zusammengesunken auf den Koffern sitzt, hat Doris zwar ihre Rebellion gegen das Puppenstübchen verloren, gebrochen ist sie aber nicht. Denn: „Auf den Glanz kommt es nämlich vielleicht gar nicht so furchtbar an.“

Von Melanie Huber

Weitere Termine:

Das Mittwoch-Theater zeigt Ausschnitte aus „Das kunstseidene Mädchen“ und „Frida Kahlo“ am 28. Mai bei der 15. Langen Nacht der Theater. Weitere Vorstellungen sind am 21. Mai, 1. Juni und 15. Juni. Kartenreservierungen unter Telefon 45 62 05 oder unter  mittwochtheater.de.     

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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