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Neuer Schwung im Kaiser-Center

Linden-Süd Neuer Schwung im Kaiser-Center

Es läuft wieder im Kaiser-Center rund ein Jahr, nachdem das Bauunternehmen Gundlach den Komplex gekauft und ein neuer Geschäftsführer den Betrieb übernommen hatte. Betreiber und Nutzer wünschen sich nun eine dauerhafte Lösung für die Einrichtung am Fischerhof.

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Das Kaiser-Center hat schwere Zeiten hinter sich.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Linden-Süd. Es wirkt fast so, als habe Sven Koerner nur darauf gewartet. Dass er endlich zeigen kann, was wirklich los ist im früheren Kaiser-Center. „Viele Leute denken immer noch, dass hier geschlossen ist“, sagt der 44-Jährige, der den Sport- und Fitnesskomplex vor ziemlich genau einem Jahr als Geschäftsführer übernommen hat. Seinerzeit hatte der bisherige Eigentümer und Betreiber sich überraschend zurückgezogen - das Aus für Hannovers ältestes Sportzentrum drohte. Davon ist nichts mehr zu merken: Ob Squash-, Tennis- oder Badminton-Plätze - überall werden an diesem Trainingsabend die Schläger geschwungen, und es flitzen die Bälle.

„Wir sind gut ausgelastet“, sagt Koerner, der bereits vor dem Wechsel das wirtschaftlich eigenständige Fitnessstudio betrieben hatte. Nach seinen Angaben kommen täglich rund 400 Freizeitsportler in das Center, das jetzt Kaifi Sportslodge heißt. Nach den negativen Schlagzeilen habe es einen spürbaren Besuchereinbruch gegeben - nun seien es wieder etwa ebenso viele Gäste wie zuvor. 1500 Mitglieder hat allein der Fitnessbereich. Die fünf Tennisplätze seien für die Wintersaison 2016/2017 bereits weitgehend ausgebucht, sagt Koerner, der das Center mit Geschäftspartnerin Melanie von Schroeders führt. Auch für die zehn Squashcourts und die zwölf Badmintonton-Felder gebe es eine gute Nachfrage. Firmen wie die Sparkasse Hannover, die Nord/LB oder Eon sind dem Center als Partner für den Betriebssport treu geblieben. Auch Schulen wie die Hannah-Arendt-Schule oder die IGS Mühlenberg nutzen das Angebot.

Dass es mit der Kaifi Sportslodge weitergeht, ist vor allem dem Bauunternehmen Gundlach zu verdanken. Die Firma hatte Gebäude und Grundstück am Fischerhof von Vorbesitzer und Ex-Betreiber Horst Plätzer gekauft. Vor einem Jahr hatte Gundlach-Chef Lorenz Hansen erklärt: „Wir finden den Standort gut. Wir wollen da etwas entwickeln und langfristig als Sportstätte betreiben.“

Bisher hat das Unternehmen nur die Instandhaltung des Gebäudes gewährleistet. Größere Summen in Aus- oder Umbau zu investieren, sei erst nach Abschluss eines Gesamtkonzepts sinnvoll, sagt Marketingchef Frank Scharnowski. Daran werde zurzeit gearbeitet. Er versichert: „Über das Thema Sport denken wir weiter nach.“ Auch die Idee, ein Studentenwohnheim auf dem Areal gegenüber der Hochschule Hannover zu bauen, sei noch aktuell. „Das eine schließt das andere nicht aus.“ Fest steht: Zunächst läuft der Pachtvertrag, den Koerner mit Gundlach geschlossen hat, bis Mitte 2017.

Fragt man die Nutzer, steht außer Frage, dass es auf lange Sicht eine Perspektive für die Sportslodge geben muss, die für die Stammgäste stets das Kaiser-Center bleiben wird. „Das ist die letzte große Squashanlage in Hannover“, betont Uwe Siems. Seit Jahren kommt er mit Dirk Schroeter regelmäßig zum „privaten Kampftraining“. Gerade auch für den Vereinssport sind die großzügigen Trainingsmöglichkeiten unerlässlich. „Mit 50 Spielern sind wir der drittgrößte Squashverein Niedersachsens - ohne die Courts hier könnten wir unser Training nicht angemessen absolvieren“, erklärt Younos Rezey-Moosavi von den Boastars Hannover, die es bis in die Regionalliga geschafft haben. Jüngst haben sie am Fischerhof die Niedersachsen-Meisterschaft mit 64 Teilnehmern ausgetragen.

Um sportliche Höchstleistungen geht es Etienne Bier nicht. Seit 15 Jahren tritt der 59-Jährige aus der List nach Dienstschluss zum Badminton an. Für eine Stunde, fast jeden Tag. Als die Nachricht von einer möglichen Schließung die Runde machte, hätten er und die anderen Teilnehmer seiner Spielgemeinschaft sich nach Alternativen umgesehen, sagt er. „Aber es gibt nichts Vergleichbares. Wir haben uns große Sorgen gemacht - nun sind wir glücklich, dass es weitergeht.“

Aufatmen kann auch Ralf Pötter. Mit seiner Tennisschule ist er seit 2003 im früheren Kaiser-Center ansässig und trainiert dort unter anderem junge Talente von der TG Döhren. „Es gibt in Hannover Probleme, Hallenplätze für Tennis zu finden. Ohne das Center wäre das eine Katastrophe“, sagt Pötter. Er schätzt die familiäre Atmosphäre: „Jeder wird hier mit Vornamen begrüßt, und wenn sich mal ein Kind das Knie aufschlägt, gibt es gleich ein Pflaster.“ Dass das 1983 errichtete Gebäude einen deutlich angestaubten Charme verbreitet, stört ihn nicht. „Der Hallenboden ist gut, das Licht ist gut. Wir müssen ja keinen Champagner trinken.“ Auch Yvonne Riedel gefällt, dass nicht alles auf Hochglanz ist. Seit 1996 trainiert sie mehrmals pro Woche im Fitnessstudio: „Ich gehöre zum Inventar.“

Geschäftsführer Koerner ist im Hinblick auf die Zukunft der Kaifi Sportslodge zuversichtlich. „Sonst hätte ich das hier nicht gemacht.“ Ihm ist beim Rundgang durch die Räume anzumerken, wie sehr er mit dem Betrieb verwurzelt ist. Er scheint jede Ecke des 20 000 Quadratmeter großen, verwinkelten Komplexes zu kennen. Seit 2008 ist er dabei. Damals übernahm er das marode Fitnessstudio und baute es neu auf. 2011 machte ein Brand alles zunichte, er konnte von vorn anfangen. Als dann die Schließung des Centers drohte, hätte er aufgeben können. Stattdessen bot er dem neuen Käufer Gundlach an, den gesamten Betrieb zu führen. „Hier steckt viel meiner Lebensenergie drin.“ Ideen, was verbessert werden könnte, hat er viele. Eine Kletterwand könnte es geben, ein Beach- volleyballfeld, ein Bewegungsbad oder Soccerplätze. Sicher ist, dass die Sauna-Landschaft nicht wiederbelebt wird. Ein Abriss ist geplant.

Was er künftig anpacke und was nicht, hänge davon ab, welche Pläne der Eigentümer hat, sagt Koerner. Dass es noch keine langfristige Lösung gibt, macht auch die Suche nach einem Gastronomiebetreiber schwierig. „Interessenten“, sagt Koerner, „gab es viele, doch die brauchen eine längere Perspektive.“

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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