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Linden Neustart für das Ihme-Zentrum in Sicht?
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Neustart für das Ihme-Zentrum in Sicht?
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02:15 19.03.2016
Von Juliane Kaune
Zwei Spaziergänger genießen auf einer Bank gegenüber des Ihme-Zentrums den Ausblick. Immerhin: Die Aussicht ist imposant. Quelle: Ole Spata, dpa
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Hannover

Nach einer langen Phase des Wartens gibt es wieder neue Hoffnung für das Ihme-Zentrum. Der Investor, dem der Großteil der brach liegenden Gewerbeflächen gehört, hat erstmals öffentlich vorgestellt, wie diese wiederbelebt werden sollen. Geplant ist eine Mischung aus großflächigem und kleinteiligem Einzelhandel, wobei ausdrücklich auch lokale Anbieter einbezogen werden sollen. „Wir sehen das Ihme-Zentrum als integralen Bestandteil des Stadtbezirks Linden-Limmer“, sagte Verwalter Torsten Jaskulski, der die Pläne im Bezirksrat erläuterte. Nach seinen Worten sollen Umbau und Sanierung 2017 beginnen. Voraussetzung ist aber, dass bis Ende Juni dieses Jahres mindestens 60 Prozent der Mietverträge mit dem Handel unterzeichnet sind.

Eigentümer der Gewerbeareale ist eine Tochter der Berliner Firma Intown. Noch ist keiner der Kontrakte für die rund 55 000 Quadratmeter Handelsflächen ratifiziert. Gleiches gilt für die Verhandlungen mit der Stadt, die einen neuen Mietvertrag über 25 000 Quadratmeter für ihre Ämter abschließen will. In beiden Fällen verliefen die Gespräche aussichtsreich, versicherte Jaskulski. Gegenüber dem Stadt-Anzeiger erklärte die Stadt, sie gebe dem Investor noch bis zum Frühsommer Zeit, ein „verbindliches, tragfähiges Gesamtkonzept“ vorzulegen. Die Konzeption, die Jaskulski den Bezirksratspolitikern vorstellte, ist demnach noch keine ausreichende Verhandlungsgrundlage.

SPD-Fraktionschef Eike Geffers wiederum äußerte sich im Bezirksrat fast euphorisch: „Ich bin hocherfreut, dass es endlich klare Perspektiven gibt.“ Die Vertreter der Grünen zeigten einen verhaltenen Optimismus. Für die Linke-Fraktion nahm Dirk Machentanz ausdrücklich einen „verhaltenen Pessimismus“ in Anspruch. Die Anwohner unterstützen die Pläne, wie in der Sitzung deutlich wurde: „Jetzt ist endlich eine Chance erkennbar“, sagte Jürgen Oppermann vom Verwaltungsbeirat der Wohnungseigentümer.

Einzelhandelskonzept: Ein vom Investor beauftragtes Gutachten der Gesellschaft für Konsumforschung habe ergeben, dass im Einzugsbereich des Ihme-Zentrums ausreichend Kaufkraft vorhanden sei, sagte Jaskulski. „Wir wollen kein zweites ECE wie in der City, sondern die örtliche Kundschaft in den Blick nehmen.“ Das Gutachten zählt dazu die 43 000 Bewohner Linden-Limmers ebenso wie die der Stadtbezirke Ricklingen und Ahlem-Badenstedt-Davenstedt; auch die Calenberger Neustadt, Herrenhausen und die Stadt Ronnenberg sind einbezogen. Unterm Strich leben in diesem Radius 150 000 Menschen. Angesiedelt werden sollen unter anderem Läden aus den Bereichen Lebensmittel, Drogerie, Textil und Elektronik. Mögliche Namen nannte Jaskulski noch nicht.

Bauphasen: Als Erstes soll der Bereich am Schwarzen Bär in Angriff genommen werden. Auf der 6400 Quadratmeter großen Fläche des früheren Huma-Marktes will der Investor einen Discounter, Bekleidungsgeschäfte und einen Spielwarenhandel unterbringen. Der zweite Bauabschnitt umfasst die Flächen an der Spinnereistraße. Dort, wo früher Saturn zu finden war, soll wieder ein Elektronikmarkt einziehen, auch ein Fitnesscenter und ein Lebensmittelmarkt sind vorgesehen - der Edeka-Konzern hat bereits Interesse bekundet. Dritter Bereich ist die lang gestreckte Mall, die Nord- und Südteil des Ihme-Zentrums verbindet. In Höhe des Stadtwerke-Hauses soll ein zentraler Eingangsbereich liegen, dahinter zum Beispiel ein Food Court mit veganen Restaurants.

Fassade: Laut Jaskulski soll bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres die Fassade rundum geschlossen werden. Seit sieben Jahren klaffen nach der Insolvenz des vorherigen Investors große Löcher in der Front. Ein überarbeiteter Entwurf liegt Stadtbaurat Uwe Bodemann vor. Jaskulski rechnet damit, dass er in etwa vier Wochen präsentiert werden kann. Grundsätzlich gilt, dass das massive Sockelgeschoss mit seiner „Barrierewirkung“ aufgebrochen wird. So können auch zu ebener Erde Ladenflächen entstehen - bisher gab es Gewerbeareale nur im ersten Obergeschoss.

Soziale Treffpunkte: Mit diesem Begriff umschreibt Jaskulski die Option, vermietbare Flächen neben dem Einzelhandel auch an andere Nutzer zu vergeben. Linke und Grüne im Bezirksrat äußerten Bedenken, ob die Gewerbegrundstücke nicht deutlich überdimensioniert seien, und regten an, auch Wohnungsbau vorzusehen. Dem erteilte Jaskulski eine Absage, gestand aber zu, Wünsche von Gruppen und Interessenten aus dem Stadtteil zu berücksichtigen. Einer, der alternative Nutzungen in den Fokus rückt, ist Bewohner Constantin Alexander, der Führungen anbietet und einen Dokumentarfilm über den Komplex dreht. In der Bezirksratssitzung bekräftigte er, das Ihme-Zentrum habe „großes Potenzial für die Kreativwirtschaft“.

Ihme-Uferweg, Ida-Arenhold-Brücke: Der Ausbau des Weges entlang der Ihme wird bald in Angriff genommen: Ende März oder Anfang April soll es losgehen, noch in diesem Jahr werden die Arbeiten abgeschlossen. Die Stadt hat dafür in einem Vergleich mit den Grundstücksbesitzern 2,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Vorgesehen ist auch, im Süden eine „Schneise“ durch den Beton zu schlagen. So soll die Rad- und Fußwegverbindung freigelegt werden, die in Höhe der Gartenallee durchs Ihme-Zentrum führt und an der Ida-Arenhold-Brücke endet. Damit entspricht der Investor einem Wunsch des Bezirksrats.

Zeitplan: Bis Ende August dieses Jahres will der Investor einen Bauantrag stellen - wenn bis dahin der weitaus größte Teil der Mietverträge unter Dach und Fach ist. Können die Bauarbeiten 2017 dann zügig beginnen, sollen sie im letzten Quartal 2018 abgeschlossen sein.

Sanierungsgebiet: Erneut zur Sprache kam der Vorschlag des Bundes Deutscher Architekten, zu prüfen, ob das Ihme-Zentrum Sanierungsgebiet werden kann. Während die Grünen dies unterstützen, ist die SPD dagegen. Laut Jaskulski lehnen auch Gewerbe- und Wohnungsbesitzer ein Sanierungsgebiet ab, weil es ihre Eigentumsrechte beschneiden würde. Der städtische Fachbereich Recht sieht hohe juristische Hürden.

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