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Linden Obdachlose campieren an Uhlhornkirche
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Obdachlose campieren an Uhlhornkirche
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02:15 23.04.2016
Sie sind offenbar gekommen, um zu bleiben: An der Uhlhornkirche in Linden-Nord haben sich mehrere Obdachlose ein dauerhaftes Lager eingerichtet. Quelle: Christian Link
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Hannover

Obwohl die Uhlhornkirche an der Dornröschenbrücke längst entwidmet ist und leer steht, ist sie immer noch ein Ort der Begegnung - wenn auch zurzeit auf ungewöhnliche Art. Unter dem breiten Dach an der Ihmeseite hat sich eine Gruppe Obdachloser einquartiert. Ihr Lager aus Matratzen, Koffern und persönlichen Gegenständen wirkt fast wie ein Gemeinschaftsraum. Das bislang versteckt gelegene Lager ist jetzt vom Uferweg aus einsehbar, weil die Stadt kürzlich die schützenden Büsche vor dem Zaun zurückschneiden ließ.

„Die Obdachlosen schlafen schon eine ganze Weile dort“, sagt Dirk Felsmann, einer der beiden neuen Besitzer der ehemaligen Kirche. Der Projektentwickler will das Gebäude demnächst zu einem Wohnheim für Studenten umbauen. Baubeginn soll Ende des Jahres sein. Bis dahin wolle er die Obdachlosen auch nicht von ihrem Platz unter dem schützenden Dach vertreiben. „Das sind arme Menschen, die dort Quartier bezogen haben. Die sind ganz friedlich.“ Vorsichtshalber habe er in der Nachbarschaft herumgefragt, doch die betroffenen Anwohner hätten ihn sogar darum gebeten, die Obdachlosen gewähren zu lassen, weil sie seine Auffassung teilten. Da das Dach in Richtung Ihmeufer offen ist und von vielen Bäumen umgeben, sind es eigentlich nur die Fußgänger auf dem Spazierweg, die einen direkten Blick auf das Matratzenlager haben.

Allerdings weiß niemand so recht, wer dort eigentlich die Nächte verbringt. Denn bisher haben weder Felsmann noch Mitarbeiter der Stadt oder der Obdachlosenhilfe Karl-Lemmermann-Haus einen der Bewohner angetroffen. „Die kommen nur spätnachts und sind morgens in der Früh schon wieder verschwunden“, sagt Sozialarbeiterin Kristin Piper vom Lemmermann-Haus-Ableger Tageswohnung Treffpunkt. Sie vermutet, dass es sich um Rumänen oder Bulgaren handelt. Denn ein so großes Lager wie das an der Uhlhornkirche sei sehr unüblich in der Obdachlosenszene. „Normalerweise suchen Obdachlose sich allein einen Schlafplatz, den sie auch niemandem verraten, um nicht bestohlen zu werden“, sagt Piper. Höchstens zu zweit oder dritt lebten manche in Zelten und unter Brücken, in denen meist einer der Bewohner auf die Habe aufpasse. Das Lager an der Uhlhornkirche dagegen ist nicht nur leicht einsehbar, sondern auch den ganzen Tag unbewacht. „Da kann nichts drin sein, was den Besitzern wirklich wichtig ist“, sagt Piper. Pässe und Papiere trügen diese Menschen immer bei sich.

Im Lager liegen nicht nur Bettzeug, Reisetaschen und Sitzmöbel, auch zwei Spiegel haben die Bewohner an den mit Spanplatten verrammelten Fenstern befestigt. An einem Fensterrahmen lehnt ein Heiligenbild neben Joghurtbechern, einem Glas saurer Gurken und einem Plüschteddy. Dass wahrscheinlich Müll anfällt, sieht Gebäudebesitzer Felsmann gelassen: „Wenn hier die Bauarbeiter anrücken, ist es kein Problem, ein paar Matratzen und Stühle, die liegen geblieben sind, wegzuräumen.“

Etwa zehn bis 15 Menschen übernachten regelmäßig unter dem Kirchendach, schätzt Sozialarbeiterin Piper. Und sie hat auch eine Vermutung dafür, weshalb das Lager tagsüber verlassen ist: „Auf der Limmerstraße sind seit einiger Zeit wieder osteuropäische Bettler unterwegs. Andere verteilen sich wahrscheinlich auf das Zentrum und andere Stadtteile.“

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