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Silvester schließt Fleischerei Gothe für immer

Traditionsgeschäft in Linden Silvester schließt Fleischerei Gothe für immer

Eigentlich ist alles wie immer. Die Kühltheke ist gut gefüllt mit Wurstwaren, Salaten und frischem Fleisch. Und in der Ecke begrüßt ein fröhlich lachendes Holz-Schaukelschwein die Kunden. Trotzdem ist alles anders, denn am 31. Dezember schließt Fleischerei Gothe in der Limmerstraße 28.

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Anke Gothe, Henning Gothe und Verkäuferin Yvonne Schönau (re.) hätten gerne noch weiter gemacht.

Quelle: Benjamin Behrens

Hannover. Seit 1903 beherbergt das altehrwürdige Gebäude den Familienbetrieb Gothe. Und die vierte Generation hätte gerne noch weiter gemacht. „Fünf Jahre noch, dann wäre ich auch in den Ruhestand gegangen“, sagt Henning Gothe. Doch es lohnt sich einfach nicht mehr: Personalsorgen, sich ändernde Essgewohnheiten und die Konkurrenz der Supermärkte haben zu der Entscheidung geführt - trotz allem Herzblut, das in der Arbeit steckt. Vor dem 58-Jährigen haben schon sein Vater, Großvater und Ur-Großvater die Kunden mit Fleischwaren versorgt. Ihre Meisterbriefe hängen alle im Büro der Metzgerei und zeigen den Wandel des Handwerks.

Die ersten in Hannover ausgestellten Briefe zieren noch prächtige Zeichnungen und altdeutsche Schrift. Henning Gothe und sein Vater Hermann konnten ihre Prüfung zum Fleischermeister nicht mehr in Hannover machen, sondern mussten nach Frankfurt am Main. „Die Meisterschulen sterben ja auch weg“, bedauert Henning Gothe. 1981 hatte er seine Prüfung bestanden, 1990 den Betrieb übernommen. Neben den Zeugnissen hängt eine Karikatur. Der Künstler Ossi Oswald hat den Metzger gezeichnet, wie ihn viele Kunden in Erinnerung behalten werden, mit Bleistift hinterm Ohr und zufriedenem Lächeln inmitten von Waren.

Am 31. Dezember schließt Fleischerei Gothe in der Limmerstraße. Seit 1903 beherbergt das altehrwürdige Gebäude den Familienbetrieb Gothe.

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Die Fleischerei hatte seit ihrer Gründung 1903 einen guten Kundenstamm. Alte Fotos aus den Anfangsjahren und von Jubiläen erinnern an die gute alte Zeit. Manche Spezialitäten haben überdauert, wie die „Laubenpieper“. „Keine Ahnung mehr wo der Name herkommt“, sagt der Fleischer. Dahinter verbirgt sich eine Grillgut nach Art der Thüringer Rostbratwürste. Etwas kräftiger gewürzt, war sie im Sommer beliebt bei Fleischfreunden. „Wir haben sie einzeln gefüllt, das war der Gag.“ Viele verkauften sie als Spirale auf Holzspießen. „Das ist der größte Mist, dann läuft der ganze Saft raus“, ärgert sich der Fleischermeister. Auch Spezialanfertigungen, etwa für italienische Kunden auf der Suche nach etwas Heimatgefühl, waren kein Problem, wenn die Stückzahl stimmte.

Die Kunden wussten das Angebot zu schätzen, auch wenn es insgesamt zu wenige waren. Kurz vor Schluss ist Laden noch gut gefüllt. „Ich hab’ das mit Schrecken gesehen“, sagt Henrieke Conradt, die den Aushang mit der traurigen Nachricht im Schaufenster gelesen hat. Sie und ihr Mann Felix waren treue Stammkunden, nicht nur weil Gothe so nah war, sondern auch weil die Qualität stimmte. „Wir haben hier Kalbsleberwurst gekauft für die Kinder“, sagt die 38-Jährige. Heute wandern noch Grünkohl und Bregenwurst in die Einkaufstüte. Die Töchter Ida und Svea bekommen wie immer eine Scheibe Mortadella über die Theke gereicht.

Obwohl er die Metzgerschürze an den Haken hängt, ganz zur Ruhe setzen mag sich Henning Gothe nicht. Seit zehn Jahren führt er die Gaststätte Lorberg in der Pavillonstraße 12 und wird es weiter tun. „Ich muss ja ein bisschen was um die Ohren haben, sonst verblöde ich noch“, sagt der 58-Jährige lächelnd.

In der Limmerstraße 28 eröffnet im neuen Jahr eine weitere Filiale der Bäckerei Göing.

Von Benjamin Behrens

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Linden in Zahlen
  • Stadtbezirk : Linden-Limmer, 10. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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