Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Linden Silvester schließt Fleischerei Gothe für immer
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Silvester schließt Fleischerei Gothe für immer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 02.01.2016
Anke Gothe, Henning Gothe und Verkäuferin Yvonne Schönau (re.) hätten gerne noch weiter gemacht. Quelle: Benjamin Behrens
Anzeige
Hannover

Seit 1903 beherbergt das altehrwürdige Gebäude den Familienbetrieb Gothe. Und die vierte Generation hätte gerne noch weiter gemacht. „Fünf Jahre noch, dann wäre ich auch in den Ruhestand gegangen“, sagt Henning Gothe. Doch es lohnt sich einfach nicht mehr: Personalsorgen, sich ändernde Essgewohnheiten und die Konkurrenz der Supermärkte haben zu der Entscheidung geführt - trotz allem Herzblut, das in der Arbeit steckt. Vor dem 58-Jährigen haben schon sein Vater, Großvater und Ur-Großvater die Kunden mit Fleischwaren versorgt. Ihre Meisterbriefe hängen alle im Büro der Metzgerei und zeigen den Wandel des Handwerks.

Die ersten in Hannover ausgestellten Briefe zieren noch prächtige Zeichnungen und altdeutsche Schrift. Henning Gothe und sein Vater Hermann konnten ihre Prüfung zum Fleischermeister nicht mehr in Hannover machen, sondern mussten nach Frankfurt am Main. „Die Meisterschulen sterben ja auch weg“, bedauert Henning Gothe. 1981 hatte er seine Prüfung bestanden, 1990 den Betrieb übernommen. Neben den Zeugnissen hängt eine Karikatur. Der Künstler Ossi Oswald hat den Metzger gezeichnet, wie ihn viele Kunden in Erinnerung behalten werden, mit Bleistift hinterm Ohr und zufriedenem Lächeln inmitten von Waren.

Zur Galerie
Am 31. Dezember schließt Fleischerei Gothe in der Limmerstraße. Seit 1903 beherbergt das altehrwürdige Gebäude den Familienbetrieb Gothe.

Die Fleischerei hatte seit ihrer Gründung 1903 einen guten Kundenstamm. Alte Fotos aus den Anfangsjahren und von Jubiläen erinnern an die gute alte Zeit. Manche Spezialitäten haben überdauert, wie die „Laubenpieper“. „Keine Ahnung mehr wo der Name herkommt“, sagt der Fleischer. Dahinter verbirgt sich eine Grillgut nach Art der Thüringer Rostbratwürste. Etwas kräftiger gewürzt, war sie im Sommer beliebt bei Fleischfreunden. „Wir haben sie einzeln gefüllt, das war der Gag.“ Viele verkauften sie als Spirale auf Holzspießen. „Das ist der größte Mist, dann läuft der ganze Saft raus“, ärgert sich der Fleischermeister. Auch Spezialanfertigungen, etwa für italienische Kunden auf der Suche nach etwas Heimatgefühl, waren kein Problem, wenn die Stückzahl stimmte.

Die Kunden wussten das Angebot zu schätzen, auch wenn es insgesamt zu wenige waren. Kurz vor Schluss ist Laden noch gut gefüllt. „Ich hab’ das mit Schrecken gesehen“, sagt Henrieke Conradt, die den Aushang mit der traurigen Nachricht im Schaufenster gelesen hat. Sie und ihr Mann Felix waren treue Stammkunden, nicht nur weil Gothe so nah war, sondern auch weil die Qualität stimmte. „Wir haben hier Kalbsleberwurst gekauft für die Kinder“, sagt die 38-Jährige. Heute wandern noch Grünkohl und Bregenwurst in die Einkaufstüte. Die Töchter Ida und Svea bekommen wie immer eine Scheibe Mortadella über die Theke gereicht.

Obwohl er die Metzgerschürze an den Haken hängt, ganz zur Ruhe setzen mag sich Henning Gothe nicht. Seit zehn Jahren führt er die Gaststätte Lorberg in der Pavillonstraße 12 und wird es weiter tun. „Ich muss ja ein bisschen was um die Ohren haben, sonst verblöde ich noch“, sagt der 58-Jährige lächelnd.

In der Limmerstraße 28 eröffnet im neuen Jahr eine weitere Filiale der Bäckerei Göing.

Von Benjamin Behrens

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwei Zivilfahnder der Polizeidirektion haben am Freitag in Linden-Süd drei Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren überrascht, als diese in einen Imbiss an der Elfriede-Paul-Allee einbrechen wollten. Die Polizisten nahmen die drei mutmaßlichen Einbrecher vorläufig fest.

28.12.2015

Bis Linden-Limmers Bürgermeister Rainer-Jörg Grube wieder gesund ist, nimmt sein Stellvertreter Norbert Voltmer (Die Linke) die Aufgaben des Bezirksbürgermeisters wahr.

Rüdiger Meise 28.12.2015

Mehr Sicherheit für die risikofreudigen Kreativen: Die Stadt Hannover verhandelt mit der Metro Group über das Vorkaufsrecht an der Platzprojekt-Fläche am Lindener-Hafen. Und ein neuer Kulturcontainer auf dem „Platz“ soll Hannovers alternative Veranstaltungsszene bereichern.

28.12.2015
Anzeige