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Linden Stadt lässt Erbe des Hanomag-Direktors verfallen
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Stadt lässt Erbe des Hanomag-Direktors verfallen
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00:15 07.09.2016
Von Juliane Kaune
Die Stadt lässt das Erbe des Hanomag-Direktors verfallen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Ganz im Sinne seines Namensgebers: Der frühere Hanomag-Direktor Ernst Korte hatte sein Wohnhaus nach seinem Tod 1963 der Stadt Hannover vermacht - mit der Auflage, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) es unentgeltlich für die Seniorenarbeit nutzen kann. Heute ist das in den Zwanzigerjahren errichtete Gebäude in einem schlechten Zustand. Die Farbe an Fassade und Fenstern bröckelt, das Dach ist undicht, der Keller feucht und der Garten verwildert. Die erkennbaren Mängel haben jetzt den Bezirksrat Linden-Limmer auf den Plan gerufen. „Die Stadt sollte pfleglicher mit den ihr übereigneten Immobilien umgehen“, mahnt Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. Er hat einen interfraktionellen Antrag vorbereitet, um die Verwaltung zum Handeln aufzufordern.

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Impressionen vom Ernst-Korte-Haus am Von-Alten-Garten.

Bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der AWO-Begegnungsstätte Anfang August fiel Grube auf, was im Ernst-Korte-Haus alles im Argen ist. „Es sieht sehr danach aus, dass eine umfassende Sanierung nötig ist“, sagt er. Mit dem Antrag wolle der Bezirksrat erreichen, dass die Stadt umgehend eine Ortbesichtigung macht, die baulichen Mängel auflistet, die nötigen Sanierungskosten ermittelt - und einen Zeitplan für die Reparaturen vorlegt.

Gebäude mit Geschichte

Der frühere Hanomag-Direktor Ernst Korte unterstützte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bereits 1945 kurz nach Kriegsende. Zum Beispiel stellte er die nicht zerstörte Kantine seiner Fabrik für Weihnachtsfeiern zur Verfügung. Dies war der Beginn einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen Korte und der AWO-Vorsitzenden Margarete Hofmann in Linden. Gemeinsam überlegten sie, wie man Kortes Wohnhaus später für soziale Zwecke erhalten könnte, ohne den Wohlfahrtsverbund mit Unterhaltungskosten zu belasten. Und sie kamen auf die bis heute gültige Lösung: Das Haus vermachte Korte der Landeshauptstadt Hannover und das Nutzungsrecht für soziale Zwecke bekam die AWO.

Einrichtung ist nicht barrierefrei

Was den Bezirksbürgermeister besonders wundert: Die Senioreneinrichtung, in der pro Woche 150 bis 200 Nutzer ein und ausgehen, ist nicht barrierefrei. Eine Treppe mit fünf steilen Stufen führt zum Eingang hinauf. „Es gab immer mal wieder Begutachtungen mit der Stadt, und es wurden Ideen entwickelt, die aber im Sande verlaufen sind“, berichtet Silke Oppenhausen, die als Sozialpädagogin seit 2010 im Ernst-Korte-Haus arbeitet. Auch die Toilettenanlagen sind nicht altengerecht, mit dem Rollator wird es dort zu eng. Stets habe es geheißen, für Verbesserungen sei kein Geld im Etat vorhanden, sagt Oppenhausen. Die Stadt ist als Eigentümerin für den baulichen Zustand des Hauses inklusive Sanitärräumen und Versorgungsleitungen sowie für die Außenanlagen verantwortlich; die AWO kann das Gebäude mietfrei nutzen und muss sich um die Innenausstattung wie Teppiche und Tapeten kümmern.

Seniorengruppen nutzen Erdgeschoss

Die verschiedenen Seniorengruppen nutzen das Erdgeschoss der ehemaligen Direktorenvilla. Der Gruppenraum ist der frühere Salon, Tische sind in Längsreihen aufgestellt, an denen sich an diesem Vormittag Schachspieler treffen. Der imposante grüne Kachelofen ist eines der wenigen verbliebenen Einrichtungsstücke aus dem Besitz Kortes. „Er ist aber nicht mehr funktionsfähig“, sagt Oppenhausen beim Rundgang durch das Gebäude. An den Wänden hängen alte Ölgemälde, die teilweise auch dem Industriellen gehört haben sollen. „Anfangs hat es hier noch viel historisches Inventar gegeben, aber es wurde immer mal wieder eingebrochen.“ Ein besonderes Zeitzeugnis der Villa aber bleibt die Bibliothek mit Büchern, die teilweise noch den Stempel der Hanomag-Werksbibliothek tragen. „Wir haben leider keine Möglichkeit, sie angemessen zu archivieren und zu präsentieren.“ Die Bibliothek wird als Lagerraum genutzt.

"Es regnet immer mal wieder rein"

Doch im Haus gibt es viel größere Probleme. Vor allem das Dach macht den AWO-Mitarbeitern Sorgen. „Es regnet immer mal wieder rein“, sagt Oppenhausen. „Etwa einmal im Jahr muss jemand im Auftrag der Stadt kommen und die undichten Stellen reparieren.“ Doch das bleibe letztlich Flickwerk. Gleichwohl hält das AWO-Team sich mit Vorwürfen an die Stadt zurück. „Wir wissen ja, dass sie wenig Geld hat und viel in den Erhalt der Schulen stecken muss - aber es wäre schön, wenn auch bei uns bald mal grundlegend etwas passiert.“

Ob und wann das so weit sein könnte, kann Stadtsprecher Dennis Dix nicht beantworten. Er räumt aber ein: „Eine Gesamtsanierung unter Berücksichtigung der Aspekte der Barrierefreiheit wäre sinnvoll.“ Allerdings müsse die Verwaltung angesichts der Vielzahl städtischer Gebäude und des begrenzten Budgets Prioritäten setzen. Sicherheitsrelevante Baumaßnahmen und Pflichtaufgaben wie etwa Schulen und Kitas hätten Vorrang. Die Verkehrssicherheit des Korte-Hauses werde aber überwacht und sei gewährleistet.

Stadt soll Finanzierungsmodell prüfen

Bezirksbürgermeister Grube stellt das nicht zufrieden. Er regt an, dass die Stadt auch alternative Finanzierungsmodelle prüfen soll. Um die Barrierefreiheit herzustellen, gebe es zum Beispiel Fördermöglichkeiten bei Organisationen wie der „Aktion Mensch“. Der Garten lasse sich sicher mithilfe von Praxisprojekten für Uni-Studenten herrichten.

Das AWO-Team hofft nun, dass die Sozialdezernentin ein offenes Ohr für die Probleme hat. Konstanze Beckedorf war bereits bei der Jubiläumsfeier zu Gast - und sie hat zugesagt, im Oktober noch einmal wiederzukommen, um sich über die Arbeit im Ernst-Korte-Haus zu informieren.

Das Kesselhaus auf dem Faust-Gelände wird ins rechte Licht gesetzt. Am Tag des Denkmals am 11. September wird das Kesselhaus dann feierlich eröffnet - und die abendliche Beleuchtung dauerhaft in Betrieb gehen.

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