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Zwei Brüder bauen auf Lego

Tim und Alexander Kratzsch Zwei Brüder bauen auf Lego

Die Brüder Tim und Alexander Kratzsch haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: In ihrem Laden bieten sie Lego-Spielereien für Individualisten und Steinchen-Architekturmodelle an.

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Die Steinchen-Brüder Tim (l.) und Alexander Kratzsch.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Unverkennbar recken sich die drei markanten Schornsteine in die Höhe. Darunter ruht der massive Sockelbau mit seinen Ecken und Kanten. Lindens Wahrzeichen kann sich mal wieder sehen lassen. Auch wenn es nur 30 Zentimeter hoch ist. Dafür stecken gut 1800 Steine in der Lego-Variante des Heizkraftwerks. Erbaut haben die geschrumpfte Version der drei „Warmen Brüder“ die beiden „Steinchenbrüder“. So nennen sich Tim und Alexander Kratzsch. Sie haben ihre Leidenschaft für Lego zum Beruf gemacht.

Die Brüder Tim und Alexander Kratzsch haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: In ihrem Laden bieten sie Lego-Spielereien für Individualisten und Steinchen-Architekturmodelle an.

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Anderthalb Jahre waren die Geschwister an der Ecke von Annen- und Rautenstraße in der Südstadt zu finden. Jetzt sind sie nach Linden-Mitte umgezogen und haben in einer ehemaligen Apotheke in der Davenstedter Straße 39 ihren Lego-Laden eröffnet. Dort stehen ihnen nun 120 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung - in dem kleinen Eckladen in der Südstadt waren es gerade mal 18 Quadratmeter gewesen. Auf das Geschäft mit Lego lässt sich bauen: „Wir brauchten mehr Platz“, sagt Tim Kratzsch, mit 33 Jahren der ältere der beiden Brüder.

Viel Auswahl im "Land der bunten Steine"

Auch wenn die „Steinchenbrüder“ die Südstadt verlassen haben, bleibt dem Stadtteil ein Lego-Spezialgeschäft erhalten. In der Hildesheimer Straße 103 gibt es noch das „Land der bunten Steine“. Dort bietet Sebastian Engel bereits seit fast sechs Jahren eine große Auswahl für junge und ältere Lego-Fans an. Natürlich führt er die neuesten Trends – fabrikneue Ware, verpackt in Hochglanzkartons, wie man sie auch aus anderen Spielwarengeschäften kennt. Das Besondere an Engels Sortiment aber sind die riesigen Plastikwannen voller loser, gebrauchter Lego-Steine. Ob in Rot, Blau, Gelb, Weiß oder Schwarz – in jedem der Behälter türmen sich bunte Berge, in denen Lego-Bastler mit Sicherheit fündig werden. Verkauft wird nach Gewicht: 100 Gramm kosten 3 Euro.

Lego für Individualisten

Er und der sieben Jahre jüngere Alexander bieten keine Ware an, die man in jedem Spielwarengeschäft findet. Sie verkaufen Lego für Individualisten. Dabei setzen die beiden, die schon als Kinder („trotz des Altersunterschieds“) zusammen mit den bunten Steinen gespielt haben, vor allem auf das Thema Modellbau.

Sie fertigen Baupläne an und kalkulieren auf diese Weise, wie viele Steine von welcher Farbe und Größe benötigt werden. Wie bei den „Warmen Brüdern“, die passend zum Umzug nach Linden entworfen wurden. Alexander hat ausgetüftelt, wie sich die Kopie des Kraftwerks am besten zusammensetzen lässt. Dabei hat er auch Steine zweckentfremdet - zum Beispiel wurden die Griffe von Lego-Schwertern aus der Star-Wars-Serie zu Details der Schornsteine. Die rund 500 durchsichtigen Steine, die in dem Modell stecken, sind teure Raritäten. „Sie wurden 1980 hergestellt, ein einziger davon kostet heute 1,50 Euro“, erklärt der Experte. Kein Wunder, dass das Bauwerk nicht billig ist. Für 800 Euro würden die „Steinchenbrüder“ ihr eigentlich unverkäufliches Unikat dann aber doch hergeben.

Brüder fertigen auf Bestellung

Wer nicht ganz so viel ausgeben will, kann ein deutlich kleineres Lego-Kraftwerk für 69 Euro mit nach Hause nehmen. Das fertigen die Brüder auf Bestellung an. Dieses Prinzip gilt auch für die 20 Zentimeter große Version der Kröpcke-Uhr (169 Euro), die aus gut 600 Teilen besteht, wegen eines zurzeit vergriffenen grünen Spezialsteins aktuell allerdings nicht lieferbar ist. Miniaturen aus der Motorwelt stehen ebenfalls in den Vitrinen. Ob ein Porsche (79 Euro) oder eine Vespa (59 Euro) - nie sind es Bausätze von der Stange. Ein Lego-Fan, der auch gerne Golf spielt, ließ sich eine funktionsfähige Anlage mit kleinem Spieler nachbauen. Ein anderer orderte einen Truck. Das 300 Euro teure Backgammon-Spiel, das Alexander vor allem aus Dachziegeln gebaut hat, hat indes noch keinen Abnehmer gefunden.

Diese sehr spezielle Form des Modellbaus ist nicht das einzige Geschäftsfeld der „Steinchenbrüder“. Sie kaufen und restaurieren auch alte Lego-Sets, die bei Liebhabern begehrt sind. Ein Prunkstück, das sie aufgespürt haben, ist der System-Baukasten von 1958. Dass die Verpackung sichtlich ramponiert ist, stört echte Sammler nicht. Die kommen teilweise sogar aus Bremen oder Braunschweig in den Lindener Laden.

8000 Figuren hängen im Laden

Auch Einzelsteine haben die Brüder im Sortiment. Diese kaufen die beiden gebraucht, reinigen sie und verkaufen sie dann für einen Cent bis zu 70 Euro pro Stück - je nach Form, Größe und Häufigkeit. Besonders praktisch ist der frühere Apothekenschrank, den Tim und Alexander Kratzsch für ihre Zwecke umgenutzt haben: 180 Schubladen stehen für die Lego-Schätze bereit. Zudem hängen gut 8000 Figuren mit Sammlerwert, handverpackt in Plastiktütchen, an den Wandhaken. Ungleich größer ist das Lager. „Wir haben wohl anderthalb Tonnen Steine“, sagt Tim. Das sind weit mehr als eine Million Stück - berechnet nach der einschlägigen Faustformel: Ein Kilogramm Lego entspricht 700 Steinen.

Auf jeden Fall genug Baumaterial für ein weiteres Standbein der „Steinchenbrüder“: Sie fertigen auch originalgetreue Architekturmodelle für Wohn- oder Geschäftshäuser aus Lego an. Ein solches Projekt kann schon einmal mehrere Wochen in Anspruch nehmen und den Auftraggeber mehr als tausend Euro kosten. Aber es gibt auch günstigere Varianten - alles ist Verhandlungssache. Das Interesse sei bei Architekturbüros oder Baufirmen durchaus vorhanden, betont Tim Kratzsch, der hauptberuflich in der Immobilienbranche arbeitet, während sein Bruder ganz von Lego leben will. Selbst in der Welt virtueller Entwürfe bleibe es für potenzielle Käufer wichtig, ein Modell anfassen und in Teilen verändern zu können. Für eine der Wohnungen in dem Haus, in dem die Brüder ihren Laden betreiben, gibt es ebenfalls schon einen Grundriss aus Lego-Steinen. Das Gebäude wird saniert - mit dem Ziel, die Wohnungen zu verkaufen.

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Linden in Zahlen
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  • Stadtteile: Linden-Mitte, Linden-Nord, Linden-Süd und Limmer
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.164 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Linden-Mitte (11.843 Einwohner), Linden-Nord (16.080 Einwohner), Linden-Süd (9.326 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 5.277 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30449, 30451, 30453
  • Geschichte: Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19. Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet wurde.
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