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Linden Verein Lebendiges Linden blickt auf ein Vierteljahrhundert zurück
Hannover Aus den Stadtteilen Linden Verein Lebendiges Linden blickt auf ein Vierteljahrhundert zurück
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00:15 23.01.2016
Von Juliane Kaune
Sie haben viel für den Verein bewirkt: Gisbert Fuchs (von links), Uwe Brandenburg, Egon Kuhn und der aktuelle Vorsitzende Hans-Jürgen Giesecke. Ebenfalls für Linden engagiert: Peter Hoffmann-Schoenborn, der Vorsitzende des Wirtschaftsforums (Bild rechts, links), plaudert mit Edelgard Bulmahn und dem Lindener Urgestein Dietrich Hasselbring. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Linden

Mit einem schwungvollen Pinselstrich hingewischt, leuchten die Streifen in den Farben des Regenbogens, darunter steht in kursiver Schrift „Lebendiges Linden“. Das Wandbild prangt in Übergröße an der Stirnseite des Hauses in der Minister-Stüve Straße, direkt gegenüber der Volksbank. Man kennt es, und aus Linden ist es nicht wegzudenken. Das Gleiche gilt für den Verein Lebendiges Linden, der sich seit einem Vierteljahrhundert darum kümmert, dass der Stadtteil so lebens- und liebenswert bleibt, wie er ist. Ob Kultur, Wirtschaft oder öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen: „Wir sind wie eine Holding - jeder, der sich in einem Bereich einbringen mag, kann das tun“, sagt der Vorsitzende Hans-Jürgen Giesecke.

Seit der Gründung 1991 ist das Regenbogen-Logo das optische Erkennungszeichen des Vereins, in dem sich Lindener, Freunde des Stadtteils, Künstler, Kaufleute, Privatiers, Politiker und Initiativen zusammengeschlossen haben. Gleichwohl war das plakative Markenzeichen zunächst anderen Zwecken vorbehalten - Grafiker Hermann Otto entwarf das Logo 1990 zum 100. Geburtstag der Lindener Volksbank. Weil seinerzeit der ganze Stadtteil mitfeierte, kam der Bankvorstand auf die Idee, dieses Potenzial am Leben zu halten: Der Verein Lebendiges Linden war geboren. Folgerichtig übernahm den Posten des Vorsitzenden der damalige Bankdirektor Uwe Brandenburg. Zu den 13 Gründungsmitgliedern gehörte auch die inzwischen verstorbene frühere Bezirksbürgermeisterin Hiltrud Grote.

Brandenburg ist 25 Jahre später wieder dabei, um mit 50 geladenen Gästen auf das Jubiläum anzustoßen. „Es gibt wohl kaum einen Verein, der seinen Hauptzweck in der Förderung seines Stadtteils sieht“, erklärt er am Sonnabend bei der Feier die zugleich Neujahrsempfang ist, in Räumen der Ostland Wohnungsgenossenschaft. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner gibt zu, dass er anfangs kaum einschlägiges Wissen mitbrachte: „Von Linden hatte ich keine Ahnung.“ Da half ihm Hella Jacobsen weiter, die Chefin der legendären Kneipe Zum Holländer (heute Centrum).

Einfach war der Start nicht. In den Achtzigerjahren litt Linden nach dem Niedergang der Hanomag unter einem Verlust an Arbeitsplätzen; Betriebsschließungen und Standortwechsel prägten die Entwicklung. Statt Neubauten gab es einen Großbestand an sanierungsbedürftigem Altbau. Gleichwohl, so Brandenburgs Fazit, hatte der Stadtteil schon immer etwas, das ihn von anderen hervorhob. Viele Migranten, viele Studenten, viele Kneipen, ein funktionierendes Miteinander. Lebendiges Linden.

Drei Jahre stand er an der Spitze des Vereins, ihm folgte für fünf Jahre Egon Kuhn, langjähriger Leiter des Freizeitheims. Dessen Nachfolger im Freizeitheim, Ruth Schwake und Fred Meier, übernahmen als jeweils einjähriges Intermezzo wiederum auch den Vereinsvorsitz. Am längsten hat es bisher Hans-Jürgen Giesecke geschafft: Seit 2005 lenkt der heute 79-Jährige die Geschicke beim Lebendigen Linden.

„Dabei hatte ich mit Vereinen eigentlich gar nichts am Hut“, sagt der im Harz geborene Kunstprofessor, der seit 1979 Lindener ist. Doch die Ziele des Vereins, dem er erst 2002 beitrat, überzeugten ihn. Im gleichen Jahr gründete er mit dem damaligen Volksbankvorstand Gisbert Fuchs das Kulturforum als eines der drei Standbeine. Kultcharakter erwarben die Ausstellungen in der Bank - 20-mal zeigten Künstler aus ganz Niedersachsen ihre Werke. Zum 900. Geburtstag Lindens 2015 bekam der Nachwuchs seine Chance: Das Forum finanzierte das Projekt „Click! Linden im Blick“, für das IGS-Schüler mit Künstler Uwe Stelter und ihren Kameras durch den Stadtteil zogen. Grundsätzlich versteht sich der Verein auch als Sponsor für Stadtteilinitiativen und arbeitet eng mit der Linden-Limmer-Stiftung zusammen.

Banker Fuchs hatte auch entscheidenden Anteil am Aufbau der zweiten Säule des Vereins - dem 2004 gegründeten Wirtschaftsforum das er zehn Jahre leitete. Idee war es, die Standortgemeinschaften LindenGut, Aktion Limmerstraße und Deisterkiez besser zu vernetzen. „Das war im wahrsten Wortsinn ein Wachstumsfaktor“, sagt Giesecke. Die Zahl der bis dato 45 Vereinsmitglieder verdoppelte sich. Das Forum brachte einen Shoppingführer heraus, organisierte „Entdeckertouren“, rief das Präventionsprojekt „Lindenpol“ für in Not geratene Menschen ins Leben und gab 2010 den Impuls für gemeinsame verkaufsoffene Sonntage in den drei Teilen Lindens. Auch bei aktuellen Themen mischt das seit zwei Jahren von Peter Hoffmann-Schoenborn geleitete Forum mit - sei es die Parksituation in der Falkenstraße, die Aufwertung der Deisterstraße, die Debatte um Gentrifizierung oder die Integration von Flüchtlingen.

Die Projektgruppe Veranstaltungen ist der dritte Anker. Die Zahl der Aktionen, die binnen 25 Jahren auf die Beine gestellt wurden, hat keiner so genau gezählt. Eine der größten war das 2009 mit dem Freizeitheim organisierte Fest „Linden - mein Zuhause“ mit zehn Nationen auf dem Küchengartenplatz. „Das war einer unserer Beiträge zum Thema Integration, als andere noch gar nicht davon gesprochen haben“, meint Giesecke selbstbewusst. Neue Ideen gibt es viele. So denkt der Vereinschef an Führungen entlang einer „Kulturmeile“, die wie ein roter Faden Sehenswürdigkeiten des Stadtteils verbindet. Auch mehr Veranstaltungen im Von-Alten-Garten wie ein Jazz- und Weinfest sind geplant.

Besonders stolz ist Giesecke, dass das Engagement des Vereins längst auch über die Grenzen Lindens hinaus gewürdigt wird: Zu den Neujahrstreffen kamen neben anderen prominenten Gästen schon Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg sowie seine Amtsnachfolger Stephan Weil und Stefan Schostok.

Bei der jüngsten Feier vertritt Bürgermeister Thomas Hermann die Stadt. „Der Verein ist ein starkes Stück Linden in einem starken Hannover“, erklärt der Südstädter, der in Linden oft zu „seinem Spanier“ geht. Und ein langjähriges Vereinsmitglied ist auch dieses Mal wieder zu Gast: die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und rundum überzeugte Lindenerin Edelgard Bulmahn.

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