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30 Jahre Hilfe für Frauen in der Krise

List 30 Jahre Hilfe für Frauen in der Krise

Der Frauen-Treffpunkt am Lister Platz berät und begleitet rund 3000 Klientinnen im Jahr in Problemsituationen - und das seit 30 Jahren. Das Spektrum reicht von Einzelgesprächen bis zu Gruppenangeboten. Neben häuslicher Gewalt sind auch immer öfter Depression oder Burn-out Thema. 2016 will der Treff eine Online-Beratung starten.

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30 Jahre Frauenpower: Die Mitarbeiterinnnen des Frauen-Treffpunkts am Lister Platz Beate Schacht (v. l.), Ursel Menschel, Esther Leger-Stier, Birgit Lapp-Schumacher und Tatyana Zhulyeva.

Quelle: Rainer Surrey

List. Drei Sozialpädagogik-Studentinnen haben den Anfang gemacht: Schon 1982 hatten sie das Projekt „Arbeit mit Frauen und Mädchen“ gegründet, sie arbeiteten vor allem mit dem Frauenhaus zusammen. Schnell wurde den jungen Studentinnen klar, dass die Frauen auch Begleitung brauchen, wenn sie den geschützten Ort wieder verlassen, und so machten sie sich auf die Suche nach geeigneten Räumen für den Frauen-Treffpunkt.

Der offizielle Startschuss fiel dann genau vor 30 Jahren, „wobei der Begriff Treffpunkt auch ein wenig irreführend ist“, wie Sozialpädagogin Birgit Lapp-Schumacher betont. Denn ein offener Treffpunkt zum Teetrinken oder Klönen verbirgt sich weniger im Hinterhaus am Lister Platz, vielmehr eine Beratungsstelle für Frauen in allen - problembehafteten - Lebenslagen. Rund 3000 Frauen nehmen jährlich Kontakt zu den vier hauptamtlichen und elf freien Mitarbeitern des Treffpunkts auf. „Wir begleiten, beraten und sind in Krisensituationen da“, sagt Tatyana Zhulyeva, ebenfalls Sozialpädagogin und spezialisiert auf Trauma-Beratung - nach Bedarf auch auf russisch und ukrainisch.

„Jede Frau kann mit jeder Frage zu uns kommen“, betont Psychologin Beate Schacht. Der Frauen-Treffpunkt bietet nicht nur Erstberatung, sondern auch eine sogenannte Brückenhilfe an - „eine Begleitung der Wartezeit auf einen Therapieplatz“, so Schacht. Und diese Zeit dauert nicht nur in Hannover meistens viele Monate. Neben der offenen Sprechstunde gibt es Termine für unterschiedliche Krisengespräche. So suchen obdachlose oder alleinerziehende Frauen Unterstützung am Lister Platz, Frauen mit Depressionen und Burn-out oder Gewalterfahrungen in der Kindheit, Klientinnen, die frisch getrennt, arbeitslos sind oder aber Suchtprobleme haben. „Viele der Probleme haben einen Gewalthintergrund wie Missbrauch oder Misshandlung“, sagt Zhulyeva. Aber auch vom Jobcenter werden Klienten zum Frauen-Treff geschickt, „Frauen, die aus psychologischen Gründen einfach schwer zu vermitteln sind und einen Bezugsschein für unsere Einrichtung bekommen“, sagt Soziologin Ursel Menschel.

In akuten Lebenskrisen müssen die Beraterinnen selten Hilfe leisten, „vielmehr sind wir meist für die Aufarbeitung nach einer akuten Phase zuständig“, betont Schacht. Die Wartelisten für Beratungstermine sind zuweilen recht lang, der Frauen-Treff bietet daher neben Einzelgesprächen auch Gruppen an, in denen sich betroffenen Frauen bei Kunst oder Tanz ein Stück selber näher kommen können. „Ein Projekt für 2016 ist die Online-Beratung“, sagt Beate Schacht. Die Beraterinnen hoffen damit sowohl noch mehr Frauen zu erreichen als auch begleiten zu können.

Die Einrichtung am Lister Platz wird von Stadt und Region gefördert, „Zuschüsse gibt es auch vom Bezirksrat Vahrenwald-List“, sagt Künstlerin Esther Leger-Stier. Sie hat vor allem die Erfahrung gemacht, dass das eher niedrigschwellige Angebot des Treffs den Frauen die Kontaktaufnahme erleichtert. „Viele wissen nicht , was sie erwartet und sind dann meist positiv überrascht von der Leichtigkeit einer Gesprächsaufnahme.“ Andere wiederum würden zwar kommen, ihre Probleme aber zunächst gar nicht erkennen. „Gewalt gibt es bei uns zu Hause nicht, ich bin noch nie geschlagen worden“, habe eine Klientin von Ursel Menschel einmal gesagt. Um dann hinzuzufügen, dass sie aber nicht alleine auf die Straße oder arbeiten gehen dürfe.

Was Routine für die Therapeutinnen ist, bedeutet für viele Frauen einen sehr großen Schritt, der viel Mut und auch Zuversicht erfordert. Dass schon bald Flüchtlinge Rat und Hilfe suchen, glaubt das Team indes nicht. „Da sind zum einen die Sprachprobleme“, sagt Beate Schacht. Schon in der Muttersprache sei es zuweilen unerträglich über Traumata zu sprechen. „Außerdem haben die Flüchtlinge wohl zunächst noch viele andere Dinge und Probleme zu regeln, bevor sie an ihr Trauma denken können“, sagt Birgit Lapp-Schumacher. Die vielen Ehrenamtlichen indes, die die Flüchtlinge derzeit unterstützen ohne dabei auf professionelle Erfahrungen zurückgreifen zu können, würden in der Einrichtung zunehmend begleitet.

Die Gründe, warum Frauen den Treffpunkt aufsuchen, haben sich im Lauf der drei Jahrzehnte nicht grundlegend geändert: „Es ging und geht immer wieder um Gewalt, vor allem im häuslichen und familiären Bereich“, sagt Tatyana Zhulyeva. Manche Themen seien allerdings mittlerweile enttabuisiert, sodass viele Frauen besser darüber sprechen könnten. „Steht ein Problem im öffentlichen Fokus wie etwa Depression oder Burn-out, dann verzeichnen wir auch hier einen Anstieg“, ergänzt Beate Schacht.

Stress- und Erschöpfungssymptome hätten dabei eindeutig zugenommen. Auch seien soziale Isolation oder Armut vermehrt Gründe, Hilfe zu suchen. „Die Menschen sind einsamer als früher“ sagt Lapp-Schumacher, seit 23 Jahren im Frauen-Treffpunkt dabei. Und viele wüssten einfach gar nicht, was mit ihnen los ist. „Nur dass etwas nicht stimmt, das spüren sie“, berichtet Lapp-Schumacher. Mit diesem diffusen Gefühl sind sie beim Team am Lister Platz bestens aufgehoben.

Beratung bei Beziehungsproblemen bis Burn-out

Der Frauen-Treffpunkt bietet eine Vielzahl von Gruppen- und Einzelberatungen an. Neben der offenen Telefonsprechstunde dienstags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 17 bis 19 Uhr bietet das Team mittwochs von 13.30 bis 14.30 Uhr eine offene Sprechstunde zum Thema Depression und Burn-out an. Darüber hinaus gibt es Einzelberatungen zu Themen wie Essstörungen, körperliche und seelische Gewalt, Identitätsfindung, Lebenskrisen, Beziehungsproblemen, Scheidung, sexuelle Gewalterfahrung in der Kindheit sowie posttraumatische Belastungsstörungen durch sexuelle Traumata. Jeden Freitag findet ein offenes Frauenfrühstück von 10 bis 13 Uhr statt, das Team bietet zudem ein offenes Kunstatelier, Rechtsberatung sowie Gruppenaktionen zu wechselnden Themenschwerpunkten an. Die Beratungsstelle liegt direkt am Lister Platz an der Jakobistraße 2. Die Einrichtung ist zu erreichen unter Telefon 33 21 41 und per E-Mail an info@frauentreffpunkt-hannover.de.

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List in Zahlen
  • Stadtbezirk : Vahrenwald-List, 2. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 67.620
  • Einwohner je Stadtteil: Vahrenwald (24.036) und List (43.584)
  • Bevölkerungsdichte : 8.216 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30161, 30163, 30165, 30177, 30655
  • Markantes aus der Geschichte: 2004 feierte die List ihr 700-jähriges Bestehen. Das älteste noch vorhandene Fachwerkhaus ist eine frühere Einsiedlerkate in der Waldstraße.
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