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List Anwohner erobern Weißekreuzplatz zurück
Hannover Aus den Stadtteilen List Anwohner erobern Weißekreuzplatz zurück
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00:38 09.06.2018
Anlieger nehmen den Weißekreuzplatz in Beschlag – zumindest schonmal auf dem Bodenplakat: Abschluss der (ersten Phase der) Bürgerbeteiligung. Quelle: Meding
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Hannover

Sie werden tagsüber von Trinkergruppen gestört und nachts von Partygängern genervt: Die Situation für die Anwohner des Weißekreuzplatzes am Raschplatz-Pavillon hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlimmert. Jetzt ist eine neunmonatige Bürgerbeteiligung abgeschlossen. Das Ergebnis: ein klarer Regelkatalog für die Nutzung des Platzes, Wünsche für die Umgestaltung auch des benachbarten Andreas-Hermes-Platzes und viele Ideen für neue Projekte und Veranstaltungen. Mitarbeiter der Stadt haben versprochen, dass vieles davon umgesetzt wird, auch der Bürgerdialog soll weitergehen.

Ohne Kontroversen verlief auch der Abschlussabend nicht. Die Frage, wie mit den rücksichtslosen Platznutzern umzugehen ist, spaltet die Anwohnerschaft. Mehrere Teilnehmer meldeten Zweifel an, dass ein respektvoller Umgang der Anwohner auch auf der anderen Seite Respekt hervorruft. „Wer sich nur für sich interessiert und wem andere völlig egal ist, der hat das Recht auf Teilhabe verwirkt, dem sollten wir nicht die schönsten Plätze der Stadt überlassen“, sagte ein langjähriger Anlieger. Die Mehrheit sprach sich allerdings dafür aus, niemanden vom Platz zu vertreiben – aber das funktioniere nur, wenn die Stadt die neu definierten Regeln auch durchsetze, und das vor allem nachts.

Die sehen vor, dass es weder lautstarke Musik noch sonstige Ruhestörungen gibt. Wer sich nicht daran hält, soll ein bis zu einwöchiges Platzverbot erhalten. Müll und zerbrochene Flaschen sollen geahndet werden, im Gespräch ist ein Alkoholverbot – das aber wird wohl frühestens mit dem neuen Polizeigesetz umzusetzen sein. Uwe Diers vom städtischen Fachbereich Ordnung sagte zu, dass Mitarbeiter des 26-köpfigen Ordnungsteams ab 1. Juli regelmäßig auf dem Platz nach dem Rechten sehen. Ab 22 Uhr allerdings sei die Polizei zuständig.

Anwohnervertreterin Gloria Schaper sagte allerdings: „Es entspricht nicht meinem Lebensgefühl, dass ich regelmäßig nach der fünften Störung, die mich aus dem Schlaf gerissen hat, die Polizei rufen soll.“ Deshalb sei es vor allem in den ersten Monaten wichtig, dass Ordnungskräfte von sich aus nachts Präsenz zeigten, „damit die neuen Regeln auch ankommen.“ Eine andere Anwohnerin, die mit ihrer Familie direkt über dem Penny-Markt lebt, pflichtete ihr bei. Vor allem die Partygänger auf dem Rückweg aus den Discotheken sei zum echten Problem geworden.

Wichtig ist vielen Anwohnern aber auch, dass die Stadt nicht nur repressiv auftritt, sondern auch Sozialarbeiter schickt. Verdrängung problematischer Gruppen sei schließlich keine Lösung sagte einer: „Die tauchen dann ja auf dem nächsten Platz auf.“

Das mithilfe des Moderationsbüros Plan-Zwei entwickelte Konzept sieht auch vor, dass beide Plätze behutsam umgestaltet werden. Der Weißekreuzplatz müsse aufgeräumt und als grüner Platz besser für alle nutzbar werden. Der Andreas-Hermes-Platz, ohnehin rauer, müsse urbaner genutzt werden, vielleicht für Parcour-Sportler und Freizeitaktivitäten. Einer der Wünsche vieler Teilnehmer: Das runde Becken müsse weg. Eine Anwohnerin sprach vom „Tümpel“, der ohnehin meist verdreckt sei. Sie sagte aber auch: „Es ist ein Kunstwerk“, möglicherweise gebe es Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht, wenn er beseitigt werde. Nicht alle Fragen sind abschließend geklärt: Viele Anwohner und das Kulturzentrum Pavillon etwa wünschen sich weniger Autoparkplätze zugunsten mehr Freiraumqualität. Geschäftsfrau Mareike Stich von Bruckhoff-Hörgeräte hingegen berichtete, dass die gewerblichen Anlieger sich eher mehr Parkplätze wünschten.

Hilke Bergestock vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün sagte zu, dass viele Gestaltungswünsche kurzfristig umsetzbar seien. So könne die Rosenpergola im Herbst ausgelichtet werden, die Pflege intensiviert, vielleicht auch die Reinigung häufiger durchgeführt werden. Was die grundlegende Umgestaltung beider Plätze angehe, werde man im Haushaltsentwurf für die nächsten beiden Jahre Wünsche anmelden – allerdings muss darüber die Stadtpolitik befinden.

Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch dankte den mehr als 100 Mitwirkenden für ihr Engagement. „Sie sind die Menschen, die etwas verändern wollen, die sich Gedanken über ihre Stadt machen.“ Der Bezirksrat hatte die Bürgerbeteiligung angeschoben, nachdem sich Beschwerden von Anliegern gehäuft hatten. „Wir werden die Situation, die nicht mehr tragbar ist, anpacken“, versprach sie. Die Anwohner müssten jetzt aber auch selbst dazu beitragen, dass sie sich den Platz zurückerobern, indem sie ihn nutzten und bespielten.

In zwei Jahren, das war Konsens in der Abschlussrunde, wolle man sich auf dem Platz zu einem kleinen Fest treffen. Ob dann alles schon fertig sei, wollte Stadtgrün-Managerin Bergerstock zwar nicht versprechen. Aber zumindest werde vieles von dem sichtbar sein, was die Anwohner erarbeitet haben.

Von Conrad von Meding

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