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List Kindern drohen längere Schulwege
Hannover Aus den Stadtteilen List Kindern drohen längere Schulwege
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00:15 06.02.2016
Von Andreas Schinkel
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Vahrenwald/List

Die Stadt will die Einzugsbereiche von zwölf Grundschulen im Osten und Süden Hannovers verändern – und erntet zum Teil heftigen Widerspruch aus Elternschaft und Kommunalpolitik. In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Mitte haben Grüne und CDU die Verwaltungspläne vehement kritisiert, eine Entscheidung über die neuen Schulgrenzen hat das Gremium auf Wunsch der Grünen vertagt. „Wir sind uns bewusst, dass jede Änderung der Schulbezirke Fragen aufwirft“, sagte Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski in der Sitzung. Dennoch könne es nicht sein, dass die eine Schule aus allen Nähten platzt und in der anderen noch Kapazitäten frei sind. Streitpunkte sind die Johanna-Friesen-Schule in der Oststadt und die Grundschule Kestnerstraße in der Südstadt. Letztere ist schon jetzt gut besucht und wird nach einer Prognose der Stadt in Zukunft fünf bis sechs erste Klassen bilden müssen – wenn sich die Einzugsgebiete nicht ändern. „Das liegt daran, dass in die Südstadt sehr viele Familien ziehen“, heißt es vonseiten der Stadt. Damit wäre die Grundschule Kestnerstraße in absehbarer Zeit überlastet. In der Johanna-Friesen-Schule dagegen fehlen Kinder. Sie kann kaum ihre Dreizügigkeit aufrechterhalten. Um Ausgleich zu schaffen, will die Stadt Teile des Zooviertels zwischen Gellertstraße und Fritz-Behrens-Allee der Johanna-Friesen-Schule zuschlagen und damit vom Einzugsbereich der Kestnerschule abzwacken. In der Kestnerschule stößt der Plan auf Widerstand. „Dann müssen alle betroffenen Grundschüler des Zooviertels die verkehrsreiche Fritz-Behrens-Allee sowie die Eilenriede passieren“, monieren Elternvertreter in einem Brief an den Bezirksrat Mitte, der dem Stadt-Anzeiger vorliegt. Zudem seien Geschwisterkinder gezwungen, auf zwei verschiedene Schulen zu gehen. Die Schulverwaltung versucht, die Einwände zu entkräften. „Für Geschwisterkinder kann es auf Wunsch der Eltern eine Ausnahmegenehmigung geben, sodass sie eine gemeinsame Schule besuchen können“, versichert Bildungsdezernentin Rzyski. CDU und Grüne im Bezirksrat bezweifeln aber, dass die Landesschulbehörde eine solche Erlaubnis ohne Weiteres erteilt. „Dazu müssten beide Schulleitungen zustimmen, und das ist in der Regel schwierig“, sagt CDU-Bezirksratsherr Joachim Albrecht. Die Stadt betont, dass die neuen Schulwege für die Zooviertel-Kinder selbst im ungünstigsten Fall noch unterhalb der erlaubten Grenze von zwei Kilometern blieben. Schulplaner haben ausgerechnet, dass zum Beispiel Kinder aus der Adenauerallee, am Rande des neuen Einzugsgebietes, einen 1,9 Kilometer langen Weg auf sich nehmen müssten. Der führt jedoch über den verkehrsreichen Emmichplatz. Eine alternative Strecke zur Johanna-Friesen-Schule beträgt zwar nur 1,7 Kilometer, der Weg durch den Stadtwald sei aber nicht zu empfehlen, argumentiert die Stadt. „Auch die Strecke über den Emmichplatz halte ich für schwierig“, sagt Martin Nebendahl, Grünen-Fraktionschef im Bezirksrat. Schon für Erwachsene sei die Kreuzung unübersichtlich. „Das ist kein sicherer Schulweg“, meint auch CDU-Mann Albrecht. Er hält die Pläne der Stadt insgesamt für „Flickschusterei“. Auf der anderen Seite sind Elternvertreter der Johanna-Friesen-Schule froh über jede Veränderung, die ihnen zusätzliche Kinder beschert. „Der Mangel stammt noch aus der letzten Reform der Gebietsgrenzen“, meint Elternvertreter Armin Rott. Vor zwei Jahren habe die Stadt der Johanna-Friesen-Schule Teile der Oststadt genommen und ein riesiges Gebiet im Osten zugeschlagen – die unbewohnte Eilenriede. Dicht besiedelte Bereiche der Oststadt gehören nun zum Einzugsbereich der neu gegründeten Grundschule Am Welfenplatz, einer Ganztagsschule, die von Eltern gut angenommen wird. Auch die Johanna-Friesen-Schule, kündigt Bildungsdezernentin Rzyski an, soll künftig zur Ganztagsschule ausgebaut werden. Elternvertreter Rott schlägt jetzt als Alternative vor, den Einzugsbereich der Johanna-Friesen-Schule in Richtung Oststadt zu erweitern, nicht in Richtung Zooviertel. Damit trifft er auf Zustimmung im Bezirksrat. „Das ist der natürliche Einzugsbereich der Schule“, sagt CDU-Mann Albrecht. Elternvertreter und Politiker geben zu bedenken, dass Einwohnerzahlen und Prognosen für einen Stadtteil noch keine klaren Rückschlüsse auf die Zahl der Kinder erlauben, die tatsächlich eine Schule im Bezirk besuchen. Es gebe Trends, räumt die Stadt ein, die kaum vorhersehbar sind. Mal ist die eine Schule „in Mode“, mal die andere. Oft bemühen sich Eltern, ihre Kinder an einer Trend-Schule anzumelden, obwohl diese nicht in ihrem Einzugsgebiet liegen. „Wir können solchen Trends aber nicht hinterherrennen“, sagt Rzyski. Im Schulausschuss haben Eltern aus dem Zooviertel und aus der List noch einmal ihre Bedenken gegen die Pläne der Stadt vorgebracht. „Die Neuregelung ist für mich unnatürlich und unvernünftig“, sagte etwa Prof. Michael Kempe, Vater einer Tochter, die noch in den Kindergarten geht. Besonders kritisiert wurde, dass eine Straße verschiedenen Schulen zugeteilt werde. „Freundschaften werden zerrissen, Fahr- und Abholgemeinschaften gesprengt“, sagte eine Mutter. Inzwischen haben die Eltern noch einmal mit den Stadtplanern zusammengesessen und über die neuen Schulgrenzen diskutiert. Rzyski sagte, die Wünsche der Familien würden berücksichtigt, alle könne man aber vermutlich nicht zufriedenstellen.

Von Andreas Schinkel und Saskia Döhner

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