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Lehrerzentrum schließt nach 40 Jahren

List Lehrerzentrum schließt nach 40 Jahren

Der Pädagogentreff in der Jakobistraße schließt und verkauft bis Ende August sein Lehrmaterial. Es war die letzte Einrichtung dieser Art in Norddeutschland. "Unser Konzept hat sich überholt", sagt der Gründer Otto Köhler.

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„Wir wollten uns austauschen und weg vom lehrerzentrierten Unterricht“: Dieter Groth (l.) und Otto Köhler lösen das Zentrum auf.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Die Grundidee war eigentlich ganz simpel: Lehrer helfen Lehrern, damit diese nicht nur theoretisch mit dem Stoff, sondern auch praktisch mit den Schülern klarkommen. Die erste Zusammenkunft der jungen Pädagogen war vor 40 Jahren – in den politisch bunten Siebzigerjahren, die sich an vielen Stellen „alternativ“ und „basisdemokratisch“ gaben, wurde auf der Suche nach neuen Wegen zum Schulunterricht 1977 das Lehrerzentrum Hannover gegründet.

Info

Lehrerzentrum Hannover, Jakobistraße 39, Telefon: 62 51 00. Geöffnet ist bis Ende August dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr. Auf alle Bücher gibt es bis zu 60 Prozent Nachlass.

Der Vorsitzende von damals, Otto Köhler, ist es bis heute geblieben, Geschäftsführer Dieter Groth ist ebenfalls fast von Anbeginn dabei. An den großen Fenstern an der Jakobistraße in der List hängen jetzt allerdings die Schilder für den Räumungsverkauf – kindgerechte Lektüre zu fremden Kulturen zählt dazu, daneben Lesehilfen für Rechtschreibschwache und auch Bücher über Konfliktbewältigung an Schulen. „Wir sind beide über 70, außerdem hat sich unser Konzept längst überholt“, sagt Köhler. Lehrer stünden heute vor ihren Klassen und träfen sich nicht mehr in Vereinen zum Austausch. Mit dem Lehrerzentrum Hannover schließt die letzte Einrichtung dieser Art in Norddeutschland, „wenn nicht im gesamten Bundesgebiet“, so der Vorsitzende.

Energiewende stand stets im Fokus

In den Anfängen kamen jede Menge junger Lehrer in das Zentrum, das zunächst in der Pädagogischen Hochschule und dann in der List zu Hause war. „Alle jungen Pädagogen hatten dasselbe Problem – sie hatten seit dem Abi nur die Uni, nie aber die Schule von innen gesehen“, sagt Köhler, selber Berufsschullehrer. „Wir wollten uns austauschen und vor allem weg vom lehrerzentrierten Unterricht.“ Weg vom Frontalunterricht, hin zu freieren Lernformen, die den Schülern ein eigenständiges Lernen ermöglichen sollen. Dabei stand bei allen Ansätzen und Aktionen auch stets das Thema Energiewende im Fokus. „Es gab wohl keinen Castor-Transport ohne uns“, meint Dieter Groth. Bei diesen Protestfahrten ist dann auch die Idee für ein bisschen Begleitmusik entstanden. „Wir haben getrommelt damals, daraus wurde die Samba-Truppe, die noch heute am Silvesterabend am Moltkeplatz spielt“, so Groth.

Auch in punkto Unterrichtsmaterialien, die das Lehrerzentrum seit den Achtzigerjahren mit verschiedenen Verlagen herausgab, spielte die Energiewende eine Rolle. „Ich habe mit meinen Schülern vor knapp 20 Jahren eine Fotovoltaik-Anlage entwickelt und auf das Schuldach gebracht“, sagt Köhler.

Ausverkauf bis Ende August

In den Anfängen des Zentrums stand vor allem die Schüleraktivität beim Zusammenstellen der Unterlagen für den Unterricht im Mittelpunkt: Filme und Grafiken kamen zum Einsatz, die Schüler sollten selber etwas daraus entwickeln. „Reformpädagogik war ein großes Thema“, betont der Vorsitzende.

Mehr als 40 Mitglieder hat der Verein nie gehabt, finanzielle Unterstützung gab es kaum. Der Laden in der List – früher mit Männer- und Frauengruppe, einer Gruppe für arbeitslose Pädagogen und einer für Schwule, hat sich über den Verkauf von Schulbüchern und Lehrmaterial finanziert – und dank viel persönlichem Engagement und Ehrenamt auch gerechnet.

Die vielen Schulbücher und Materialsammlungen werden jetzt bis Ende August an der Jakobistraße günstig abgegeben. „Ich hoffe, die Regale leeren sich schnell“, sagt Groth. Dann endet eine Ära, die sich vor allem der Frage gewidmet hat, wie sich Schule freundlicher gestalten lässt – und zwar für alle Beteiligten.

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