Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
List Leibnizschule zeigt Emoji-Theaterstück
Hannover Aus den Stadtteilen List Leibnizschule zeigt Emoji-Theaterstück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 11.06.2016
Unter dem WhatsApp-Baum: Hier wird gerade eine Liebesgeschichte erzählt. Quelle: Melanie Huber
Anzeige
List

Wie man den Titel des Stücks wohl ausspricht, das die „kleine“ Theater-AG der Leibnizschule an diesem Abend aufführt? „Keine Ahnung“, zuckt eine Schülerin mit den Schultern. „Ich nenne es einfach ‚das Stück‘.“ Ein durchaus passender Begriff, denn „das Stück“ setzt sich lediglich aus drei sogenannten „Emojis“ zusammen: einem „Cool-Grins-Smiley“, einem „Küsschen-Smiley“ und einem „Lach-Heul-Smiley“. Der Wandel der Sprache und der sozialen Interaktion durch die massive Verwendung solcher Ideogramme im Alltag ist das dominierende Thema der Schultheateraufführung.

Kommunikationshemmende Papp-Smartphones

Unter der Regie der Lehrerinnen Iris Sörgel und Isabel Eder karikieren 17 Schüler im Alter von elf bis 14 Jahren ihr Leben mit den allgegenwärtigen Smartphones und dem Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ein Schuljahr lang haben sie sich dafür mit den Auswirkungen dieser modernen Kommunikationsform beschäftigt. „Wir haben Frau Sörgel aufgeschrieben, wie wir miteinander reden, wenn wir WhatsApp benutzen“, erzählt eine AG-Teilnehmerin. „Daraus hat sie dann das Theaterstück gemacht.“ Worum es in dem Stück geht, bedarf allerdings einer ganz besonderen Aufmerksamkeit: Das Programmheft besteht ausschließlich aus Emojis und die Handlung wird durch die Präsenz von Papp-Smartphones, die in den Händen der Schüler immer größer werden, beeinträchtigt.

Und nicht nur das: Auch das schauspielerische Miteinander wird dadurch verhindert. Die klassische Liebesgeschichte zwischen zwei Schülern, die sich regelmäßig unter einem Baum in einem Park treffen, wird durch die moderne Technik - im Stück dargestellt von Selma Frank als „schwarze Gestalt“ - arg erschwert. Annäherungen werden auf eine virtuelle Ebene verschoben, der Versuch, Händchen zu halten, durch die „schwarze Gestalt“ zunichte gemacht. Unter sich sind die beiden Liebenden auch nicht, die Klassenkameraden stehen mit ihren Smartphones immer bereit.

„Daumen hoch“

Als Stellvertreter des Publikums fungieren zwei alte Männer (Lucas Hildebrandt und Arne Kleinert), die, auf einer Parkbank sitzend, darüber rätseln, was die Jugendlichen unter dem Baum eigentlich treiben. Sie und die Zuschauer sehen ausschließlich Kinder, die auf Geräte starren und ab und an Selfies machen oder „Daumen hoch“ rufen. Die reduzierte Darstellung wirkt sich auch auf das Publikum aus: Dort sitzen Schüler, die, statt zu applaudieren, klatschende Hände aus Pappe in die Höhe halten. Diese erzählerischen Feinheiten finden unter den Besuchern großen Gefallen. Es wird viel gelacht und „Ja, so ist das bei uns auch“ durch den Saal geraunt.

Aber vor allem wird deutlich, dass es sich bei dem Stück um den Blick einer Lehrerin auf eine Schülergeneration handelt, die sich WhatsApp und Co. nicht erst aneignen musste, sondern mit Smartphones, Computer und dem Internet aufgewachsen ist. Durch die Medien- und Sozialkritik, die sich in dieser Inszenierung verbirgt, kann man das Stück am Ende aber auch als eine in eine Persiflage verpackte Dystopie verstehen, die vor der Trostlosigkeit warnt, die moderne Kommunikation mit sich bringen kann. Allerdings haben die Kinder einen Riesenspaß an ihren Papp-Smartphones und den Emojis. Mit anderen Worten: „Lach-Heul-Smiley“.

Von Melanie Huber

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Café soll kommen, das Klettergerüst bleibt: Der Moltkeplatz wird gründlich umgebaut. Aber nicht zu gründlich. Das wurde bei der Bürgerversammlung zur Umgestaltung des Platzes deutlich.

11.06.2016
List Craftbeer und Designsalate - "Jo's Food and Craft" eröffnet in der List

Frischer Wind für Hannovers Gastroszene. In der List eröffnet „Jo’s Food & Craft“. Gründer Georg Hörning will die Hannoveraner mit einem neuen Gastrokonzept überzeugen, das in erster Linie auf meisterlich zubereitete Designsalate setzt.

03.06.2016

Der Teilabriss der ehemaligen HDI-Zentrale an der Ecke Bödekerstraße und Wedekindstraße hat begonnen: Die Büros weichen 90 Wohnungen auf sieben Etagen.

04.06.2016
Anzeige