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List Flucht und Vertreibung in Öl
Hannover Aus den Stadtteilen List Flucht und Vertreibung in Öl
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00:15 11.01.2016
Von Susanna Bauch
„Die Bilder sind im Kopf“: Künstler R. F. Myller hat sein Atelier in der Goebenstraße. Quelle: Rainer Surrey
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Einen richtigen Künstlernamen wollte R. F. Myller eigentlich gar nicht haben. Aber irgendwann so vor 20 Jahren - der Hannoveraner war da bereits künstlerisch erfolgreich - stellte er fest, dass es da noch jemanden gab, der so hieß wie er und auch Künstler war. „Da habe ich dann den Namen ein bisschen verändert“, sagt der 51-Jährige. Und seitdem heißt er R. F. Myller.

Hannover und der Stadtbezirk Vahrenwald-List sind stets das Zentrum von Leben und Schaffen des Künstlers gewesen. Myller ist in Vahrenwald aufgewachsen, hat an der Herschelschule Abitur gemacht und an der Uni zunächst Lehramt studiert. „Freie Kunst war eigentlich schon vorher mein Ziel, aber in der ersten Runde bin ich an der Fachhochschule in Herrenhausen abgelehnt worden.“ Der zweite Anlauf gelang, Myller macht jetzt seit 30 Jahren Kunst.

„Zunächst habe ich mich lange auf Druckgrafik, Holzschnitte und Radierungen konzentriert“, sagt er. Mittlerweile aber widmet er sich seit zwei Jahrzehnten der Malerei, zunächst in der Helmkestraße, dann im Sahlkamp bei seiner Schwester unterm Dach und dann in einer Ateliergemeinschaft in Bornum. Seit sieben Jahren arbeitet er nun in der Goebenstraße in der List, sein Atelier teilt er sich mit dem Kollegen Guido Kratz. Myller malt am liebsten in Öl. „Acryl trocknet zu schnell, da geht der Prozess beim Malen verloren.“ Myller malt Menschen, mal nach der Vorlage aus Zeitungsfotos, mal nimmt er seine eigenen Urlaubsfotografien als Motive.

„Ein großes Thema für mich ist auch Flucht und Vertreibung“, sagt er. Momentan ein sehr aktuelles Thema, doch der Künstler beschäftigt sich schon seit Langem damit. „Meine Mutter ist nach dem Krieg geflohen, daher habe ich die Thematik immer wieder aufgearbeitet.“ So hängen viele Bilder mit teils erschreckenden politischen Aussagen in seinem Atelier - von gesteinigten Kindern, gestrandeten Flüchtlingen auf Lampedusa oder Sterbenden in Kriegsgebieten.

Bilder, die nicht immer leicht in Ausstellungen zu integrieren sind. „Das Thema ist mitunter künstlerisch schwierig“, sagt Myller. Genau, wie es immer schwerer werde, von der Kunst zu leben und eine kleine Familie zu ernähren. Der 51-Jährige macht das mit einem Nebenjob. Im Büro, trotz 30 Jahren als etablierter Künstler. „Man braucht einen langen Atem“, betont er. Auch in der Medizinischen Hochschule stellt er aus, einmal hat er das Titelbild eines englischen Sachbuches zu Flucht und Vertreibung liefern dürfen.

Myller ist fleißig, im vergangenen Jahr hat er bereits 35 Gemälde vollendet - und das bei einer Kunst-Arbeitszeit von 10 bis 15 Wochenstunden. Insgesamt war er an Hunderten Ausstellungen beteiligt. Die jüngste war in der Galerie Rammlmaier, verschiedene Künstler stellten ihre Assoziationen zum Thema „Röhrender Hirsch“ vor. Myller hat sich für eine Collage entschieden - ein Rahmen mit röhrenden Hirschen 2015, etwa Oliver Kahn oder Ronaldo. „So stelle ich mir das heute eben vor“, sagt der Künstler und lächelt verschmitzt.

R. F. Myller mag Experimente. „Bloß nicht festlegen, egal ob es Technik, Material oder Motiv angeht. Ich weiß nie, was ich als Nächstes mache“, betont der Hannoveraner, der seine Stadt zwar liebt, aber dennoch künstlerisch reichlich über den Tellerrand geschaut hat - ob in San Francisco, Italien oder Osteuropa. Auftragsarbeiten mag Myller weniger. „Wenn etwas zu meiner Arbeit passt, würde ich das schon mal machen, Landschaften etwa“, meint er. Aber eigentlich möchte er nur nach seinen Vorlagen arbeiten, seien sie im Kopf oder auf Fotos. Nur für Frau und Tochter macht er mal eine Ausnahme. „Ich muss mir wirklich nicht meine Bilder über das Sofa hängen“, sagt er. Aber seine Frau hatte sich Orchideen in Pink gewünscht - und wird sie bekommen. Wo immer die Blumen in der myllerschen Wohnung dann auch blühen.

Wer Lust auf einen Atelierbesuch hat, kann über E-Mail an kontakt@rfmyller.com einen Termin in der Goebenstraße vereinbaren.

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