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List So sähe der Bundestag aus, wenn nur Schüler wählten
Hannover Aus den Stadtteilen List So sähe der Bundestag aus, wenn nur Schüler wählten
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00:15 02.10.2017
Von Susanna Bauch
Wahlbenachrichtigung, Wahllisten, Wahlkabinen und Wahlurnen: Die Juniorwahl in der Ricarda-Huch-Schule verläuft nach allen Regeln der demokratischen Kunst. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Die Aula der Leibnizschule in der Röntgenstraße ist voll bis auf den letzten Platz. Vier Tage vor der Bundestagswahl steht für die Jahrgänge acht bis zwölf die Juniorwahl an. Auf der Bühne stehen allerdings keine Wahlurnen, vielmehr haben hier die Vertreter von sechs Parteien Platz genommen - um sich vorzustellen, Stellung zu beziehen sowie auf Schülerfragen zu antworten.

Im Politikunterricht haben sich die Schüler im Vorfeld auf die Wahl vorbereitet. Wen oder was wählt man eigentlich mit Erst- und Zweitstimme? Wie genau setzt sich der Bundestag zusammen? Und welche Ziele verfolgen die Kandidaten und die Parteien? Wer soll in den nächsten vier Jahren die Bundes­politik bestimmen? „Das sind die zentralen Fragen der Schüler, von denen einige vom Podium beantwortet werden sollen“, erläutert Politiklehrer Axel Ehlers.

Kurze Antworten fallen den Politikern schwer

Vier anspruchsvolle Themenschwerpunkte haben die Gymnasiasten ausgewählt, zu denen sich die Kandidaten Felix Blaschzyk (CDU), Agnes Hasenjäger (Linke), Jörn König (AfD), Swantje Michaelsen (Bündnis 90/Grüne), Björn-Christian Seela (FDP) und Kerstin Tack (SPD) äußern sollen. Das sehr souveräne und gut vorbereitete Moderatorentrio hat allerdings den Redefluss der Politiker unterschätzt, die Partei-Programmatik passt zuweilen nicht in das Zwei-Minuten-Konzept. Dennoch fragen die Schüler unbeirrt zu Flüchtlingspolitik, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit oder auch höherem Bafög. Und wenn die Antworten zu lang ausfallen, wird nach mehrfacher Mahnung der Ton abgedreht. Geht doch!

Michaelsen setzt auf Klimaschutz und Gender-Gerechtigkeit, König auf Volksentscheide, Blaschzyk möchte mehr Chancengleichheit für Bildung und Beruf, Tack eine Solidargemeinschaft gegen rechts, Seela fordert den Breitbandausbau und Hasenjäger eine Bürgerversicherung für Arztbesuche. Die Politiker verzichten weitgehend darauf, sich gegenseitig anzugreifen, wenngleich der Vertreter der AfD gleich zweimal persönliche Attacken einstecken muss. Das Podium hat sich auf die Schülerschaft eingestellt und weiß, mit welchen Themen es punkten kann - Umwelt etwa, Digitalisierung, Bildung, Videoüberwachung oder Asyl. Schließlich kann man nie wissen, wie viele der Schüler nicht nur an der Junior-, sondern auch an der Bundestagswahl teilnehmen können.

Welche Partei sie gewählt haben, wollen die Schüler nicht sagen. „Das ist und bleibt geheim“, meint Jonas. Die Podiumsdiskussion habe ihm allerdings etwas gebracht: „Die Bestätigung, dass die AfD gar nicht geht.“ Zwei Mitschülerinnen haben sozialdemokratisch gewählt, „aber die meisten, die es auch verraten, haben bei den Grünen ein Kreuz gemacht“, erzählen die Zehntklässlerinnen.

Wahlen auch an der Ricarda-Huch-Schule

Auch in der Ricarda-Huch-Schule wird an diesem Tag gewählt. Im Mehrzweckraum steht eine versiegelte Urne, zwei Wahlkabinen sorgen für Diskretion und Datenschutz, Milla Kruse und Franka Jonczyk aus dem zehnten Jahrgang für den reibungslosen Ablauf. Sie haben Wahllisten vorbereitet, die Schüler haben eine Wahlbenachrichtigung bekommen, die sie jetzt gegen den Stimmzettel austauschen können. „Wir haben uns im Unterricht mit den Parteien, den Inhalten und dem Wahlrecht beschäftigt“, erzählen zwei Oberstufen-Schüler. Wo sie das Kreuz machen, verraten sie nicht, zu den Unentschlossenen gehören sie ebenso wenig. Manche Schüler in der Warteschlange vor dem Wahlraum machen keinen Hehl aus ihrer Wunschpartei: „Erststimme SPD, Zweitstimme Grüne“, sagen zwei Mädchen. Und ein Junge ruft dazwischen, dass er das auch so sieht, weil Merkel ja wegmüsse. Im Flur hängt zudem eine große Comic-Collage, deren Aussage eindeutig ist: Geht wählen.

„Auch bei uns muss das natürlich niemand“, sagt Politiklehrer Martin Harer. Aber die meisten Kurse treten geschlossen an, die Wahlbeteiligung erreicht Wunschquote. Mit seiner Kollegin Sandra Behrens hat er die Juniorwahl an dem Gymnasium am Bonifatiusplatz vorbereitet - jetzt sind alle Beteiligten gespannt auf das Ergebnis.

Und so ging die Juniorwahl aus

Mit der ersten Hochrechnung für das Wahlergebnis im Bund standen auch die Resultate der Juniorwahlen fest: An der Leibnizschule sind die Grünen mit 24 Prozent stärkste Kraft, dahinter folgen CDU (20,4?%), SPD (18 %), FDP (12,5?%), Linke (7,9 %) sowie AfD (5 %). Bei den Erststimmen konnte Kerstin Tack (SPD) mit 35,3 Prozent der Stimmen punkten, gefolgt von Maximilian Oppelt (CDU, 24,2 %) sowie Swantje Michaelsen (Grüne) mit 15,1 %. Das Abstimmungsergebnis an der Ricarda-Huch-Schule zeigt deutliche Mehrheiten: Nach dem Willen der Schüler – 91 Prozent haben sich beteiligt – stehen die Grünen an erster Stelle (27,6 %) gefolgt von SPD (19,2?%) sowie CDU 18 %) und Linken (10 %). Die FDP bekommt 6?Prozent der Stimmen, die AfD 4. Bei der Erststimme schneidet Kerstin Tack von der SPD mit 36,2 Prozent am besten ab gefolgt von Swantje Michaelsen (Grüne, 20,2 %) sowie Maximilian Oppelt (CDU, 18,6 %). Im Bundesdurchschnitt haben die Schüler der CDU (24,3?%) den Vorzug vor SPD (19,3 %) und Grünen (17,9?%) gegeben.

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