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„Wir sind wie eine große Familie“

List „Wir sind wie eine große Familie“

Jeden Mittwoch treffen sich rund 40 Rentner zu Kaffeeklatsch und Gesellschaftsspielen im Familienzentrum Gottfried-Keller-Straße. Jetzt feiert der Seniorenclub im Familienzentrum in der List sein 50-jähriges Bestehen. Seit 40 Jahren bietet Leiterin Heidi Günther den Besuchern viel Programm.

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Muntere Uno-Runde: Renate Müller (78, von links), Thea Zimmer (89), hinter ihr Heidi Günther, Ilse Leschke (85) und Tekla Hopfenbach (78).

Quelle: Benjamin Behrens

List. Mit leisem Platschen landet der Kaffee auf der Untertasse. „Oh, jetzt hab ich etwas geplörrt, krieg ich jetzt was an die Ohren?“, fragt Heidi Böttcher. „Na aber hallo“, lautet die prompte Antwort von Beathe Hoefs - mit einem verschmitzten Grinsen. Wie jeden Mittwoch treffen sich rund 40 Rentner zu Kaffeeklatsch und Gesellschaftsspielen im Familienzentrum Gottfried-Keller-Straße. Ein wenig ist der Seniorenclub für seine Mitglieder zu einem zweiten Wohnzimmer geworden. Dieses Jahr feiert die Anlaufstelle in der List ihr 50-jähriges Jubiläum. Sie ist ein Ort, um Freunde zu treffen, neue zu finden, Gesellschaftsspiele zu spielen oder auch um Vorträgen zu lauschen und gemeinsam Gymnastik zu machen.

Der runde Geburtstag im Familienzentrum in der namensgebenden Gottfried-Keller-Straße 13 fällt mit einem weiteren Grund zum Feiern zusammen. Für ihr jahrzehntelanges Engagement bekam Clubleiterin Heidi Günther am 28. Oktober die Verdienstmedaille der Arbeiterwohlfahrt verliehen. „Über so was freut man sich natürlich!“

Dass sie den 1965 gegründeten Club seit 1980 leitet, war eigentlich nicht vorgesehen, schon gar nicht so lange. Immer wieder hatte Günther mit Bastelnachmittagen oder anderen Aktionen für Abwechslung gesorgt, da lag es nahe einzuspringen, als ihre Amtsvorgängerin Marie Beutert mit einem Oberschenkelhalsbruch ausfiel. „Ich sollte den Club nur übernehmen, bis sie wieder fit ist“, erinnert sich Heidi Günther. Durch eine Krebserkrankung der Vorgängerin wurde daraus die Dauerlösung. „Ich bin an dem Ding hängen geblieben“, sagt die 67-Jährige lachend.

Und das keineswegs widerwillig, denn die damals 28-Jährige hat sich mit Feuereifer auf die Aufgabe gestürzt. „Ich hab ständig irgendwelche Ideen“, sagt sie. Selbst organisierte Diavorträge oder Gymnastik kamen ebenso ins Programm wie gemeinsame Tagesreisen. Und falls mal Unterstützung bei dem ganzen Trubel nötig war, wurde kurzerhand ihr Mann eingespannt, schließlich war er zu allem zu gebrauchen, vom Waffelnbacken wie am Fließband bis hin zum spannenden Diavortrag. Und ab an und musste er seine Frau auch mal etwas mit seiner ruhigen Art bremsen. „Ich geh schnell mal an die Decke, er hat dann gewartet, bis ich wieder unten war.“ Der Club wurde zum Vollzeitjob. Die Familie hat es mitgetragen, anders ginge es auch nicht, neben dem Beruf schon gar nicht. „Mein Sohn ist von Schoß zu Schoß gewandert und er hatte da nur Omas.“

Omas wie Thea Zimmer, mit über 20 Jahren ist sie am längsten dabei, wie vor ihr schon ihre Mutter. „Es ist schön, sonst würde ich auch nicht kommen“, sagt die 89-Jährige. Vor allem die Tagesfahrten sind in bester Erinnerung geblieben, und solange es noch geht, will sie dabeibleiben. Dass gerade in so hohem Alter der Zusammenhalt untereinander sehr wichtig wird, gehört mit dazu. Zweimal hat Heidi Günther es erlebt, dass Mitglieder in der Wohnung gestürzt waren und erst gefunden wurden, weil sie vermisst wurden. „Wir sind wie eine große Familie - jeder für jeden“, bekräftigt Beathe Hoefs.

An diesem Mittwoch stehen Kaffee, Kuchen, Kartenspiele wie Uno und natürlich Bingo auf dem Programm. Die Bingo-Bögen sind verteilt, es geht los. Heidi Günther zieht eine weitere Zahl aus dem Lostopf, die 96. „Och Heidi“, ärgert sich Beathe Hoefs. Die 30 hätte sie gebraucht.

Von Benjamin Behrens

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List in Zahlen
  • Stadtbezirk : Vahrenwald-List, 2. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 67.620
  • Einwohner je Stadtteil: Vahrenwald (24.036) und List (43.584)
  • Bevölkerungsdichte : 8.216 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30161, 30163, 30165, 30177, 30655
  • Markantes aus der Geschichte: 2004 feierte die List ihr 700-jähriges Bestehen. Das älteste noch vorhandene Fachwerkhaus ist eine frühere Einsiedlerkate in der Waldstraße.
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