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Gartenhofsiedlung feiert 50. Geburtstag

Mit großem Fest Gartenhofsiedlung feiert 50. Geburtstag

Die Gartenhofsiedlung in Marienwerder wird 50 Jahre alt. Das Jubiläum feierten die Bewohner des in Hannover einzigartigen Wohnkonzepts mit einem großen Fest.

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Kinderflohmarkt im Mittelweg. Für den Nachwuchs ist die begrenzte Siedlung ein idealer Spielplatz.

Quelle: Moers

Hannover. Am Hinüberschen Garten, hinter dem Kloster, vor dem gelben Ortsschild der Stadt Garbsen und hinter der Tankstelle - dort liegt die Gartenhofsiedlung. Ein Hort der Privatheit, hinter roten Backsteinmauern. Vor 50 Jahren entstand an der Garbsener Landstraße mit der Gartenhofsiedlung ein Teil des neuen Marienwerder. Denkmalgeschützt markiert das beschauliche Quartier im Klosterforst ein Stück hannoverscher Architekturgeschichte. Das kleine Labyrinth zwischen Westermannweg und Quantelholz spiegelt die Befindlichkeit einer Generation, die mehr wollte als bloß ein (spitzes) Dach über dem Kopf. Am vergangenen Wochenende begingen die Bewohner das 50. Jubiläum ihres Quartiers mit einem Nachbarschaftsfest.

„Man kann den Nachbarn zwar durch die Mauer hören, aber man sieht ihn nicht“, erklärt Albrecht Haller das besondere Wohnen in der Gartenhofsiedlung. Jedes Haus hat hier ein „grünes Zimmer“, einen Garten, den eine mannshohe Backsteinwand vor fremden Blicken schützt. Etwas über ein Dutzend Häuser sind jeweils um einen kleinen Innenhof gruppiert. Daher der Name Gartenhofsiedlung.

An den meisten Tagen geht es ruhig zu

Ein Namensschild an der Brust macht Albrecht Haller für die anderen Besucher der Siedlungsfeier kenntlich. „W-5H“ steht darauf. Der Buchstabe steht für den Westermannweg, die Zahl markiert die Hausnummer. „Normalerweise trifft man sich hier nur selten, außer im Supermarkt“, erklärt Wolfgang Pax, einer der Mitorganisatoren. Die meisten Tage geht es hier ruhig zu, etwas abseits der Garbsener Landstraße. Heute gibt es auf dem „Mittelweg“, so nennen die Bewohner liebevoll die „Hauptstraße“ zwischen Westermannweg und Quantelholz, Stehtische, einen Grill und einen kleinen Flohmarkt. In der Gartenhofsiedlung sind das Leben hinter der Mauer und das Leben dazwischen zwei Welten. „Wenn man gute Nachbarn hat, braucht man sich nicht über den Jägerzaun zu schauen“, erklärt Helge-Michael Breig, Gartenhofsiedlungsbewohner in zweiter Generation.

Einzigartiges Konzept der Gartenhofsiedlung

Als „Kaninchenhöfe“ bezeichneten einige Zeitgenossen das damals in Hannover einzigartige Konzept der Gartenhofsiedlung. An „Gefängnismauern“ fühlten sich auch einige der ersten Bewohner erinnert. Doch natürlich hatten sich die Stadtplaner etwas dabei gedacht, als sie 1965 das ehemalige Ackerland zu einem modernen Wohnquartier umgestalteten. Ein Puffer zwischen Stadt und Dorf sollte das „neue Marienwerder“ werden. Nach dem ersten Aufbau der Nachkriegszeit und mit steigendem Wohlstand entstand ein Bedürfnis nach neuen Wohnformen. Abseits der autogerechten Stadt mit seinen Großwohnkomplexen entstanden moderne Siedlungen. Die Gartenhofsiedlung sollte dem Städter einen Ausgleich schaffen. Eine Zeile von Künstlerhäusern mit eigenen Ateliers und die damals fortschrittlichen flachen Dächer zeugen von dem Innovationspotenzial der Siedlung. Nach anfänglich zögerlicher Nachfrage zogen viele Stadtbedienstete, Künstler, Wissenschaftler und honorige Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft in die Siedlung. Sogar der ehemalige Oberstadtdirektor Martin Neuffer bezog hier Quartier. „Im Zeichen des Wirtschaftswunders hatten die Männer früh die Erfolgsleiter erklommen“, schreibt Dagmar Albrecht in ihrem Standardwerk zur jüngeren Geschichte Marienwerders. „Als junge Familienväter verdienten sie bald recht gut und sahen sich, spätestens wenn das dritte Kind unterwegs war, nach einer größeren Wohnung um. Sie fanden sie in Marienwerder“, so Albrecht in „Heute in Marienwerder“ (1992). Zeitgleich mit der beschaulichen Siedlung entstand übrigens auch das zweite große Neubauquartier in Klosternähe, die „Große Pranke“, ein weniger erfolgreiches Kapitel der Stadtteilgeschichte.

"Hier lebt man wie auf'm Campingplatz"

50 Jahre nach dem Erstbezug hat sich das Konzept der Gartenhofsiedlung als höchst erfolgreich bewiesen. Ein großer Teil der damaligen Siedler lebt noch heute zufrieden in Marienwerder. „Hier in den Reihenhäusern lebt man an und für sich wie auf’m Campingplatz. Jeder hat seinen Wohnwagen und davor noch ein bisschen“, erinnert sich der Sozialpädagoge Helmut Kentler in der Stadtteilgeschichte.

Dass in einem halben Jahrhundert auch zwischen den Mauern eine Gemeinschaft entstanden ist, zeigte sich bei dem Siedlungsfest. 250 Nachbarn hatten sich angemeldet. Bereits seit 40 Jahren organisiert Wolfgang Kupfer jedes Jahr ein kleines Fest in seinem Innenhof, quasi der Vorläufer der großen Jubiläumsfeier. „Wir wollten auf dem neuen Gelände ein bisschen sozialen Boden unter die Füße kriegen“, erklärt er den Ursprung der Tradition. Für seine Verdienste wird er nun mit dem Ehrenpreis des Bezirksrats Herrenhausen-Stöcken ausgezeichnet.

SPD lädt zu Radtour ein

Radtour: Der SPD-Ortsverein Herrenhausen-Stöcken veranstaltet am Sonntag, 4. September, eine Radtour rund um die Grenzen von Marienwerder. Der Treffpunkt ist vor der Klosterkirche um 13.45 Uhr. In rund zwei Stunden werden etwa neun Kilometer zurückgelegt. Die Teilnahme ist kostenlos.

Von Mario Moers

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Marienwerder in Zahlen
  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Burg (3.725), Herrenhausen (7.660), Ledeburg (5.797), Leinhausen (2.918), Marienwerder (2.461), Nordhafen (128) und Stöcken (11.975)
  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30419
  • Besonderheit: Traurige Berühmtheit erlangte der Stadtteil für das Konzentrationslager beim Akkumulatorenwerk, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Rund 1800 ausländische Zwangsarbeiter mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. Zur Erinnerung stehen seit 1989 nahe dem Lager ein Mahnmal und Gedenktafeln.