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Land erlaubt widerrechtliche Abholzung

Marienwerder Land erlaubt widerrechtliche Abholzung

Bei der Rodung eines Lärmschutzwalls entlang der A 2 wurde die städtische Baumschutzsatzung ignoriert. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte die Arbeiten erlaubt, ohne zu kontrollieren, wie sie umgesetzt werden.

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Radikal zurückgeschnitten: Bäume und Busche sind verschwunden.Foto: Moers

Marienwerder. Grobe Sägespäne und mit Neonspray markierte Baumstümpfe, mehr ist von der ehemals üppigen Begrünung des Lärmschutzwalls entlang der A2 nicht übrig geblieben. Weil Bäume und Hecken den Blick auf das markante Werbeschild der Firma Paradies Betten versperrten, ließ das Unternehmen den Kamm des Erdwalls zwischen Schönbecker Allee und der B 6 radikal zurückschneiden. Dabei wurde höchstwahrscheinlich gleich mehrfach gegen die Baumschutzsatzung verstoßen. Denn mit Beginn der Vogelbrutzeit im März wäre eine Genehmigung der Stadt notwendig gewesen. Die hatte allerdings keine Ahnung von dem Kahlschlag. Erst die Anfragen besorgter Anlieger machten die Behörden auf die Abholzung aufmerksam, die nun möglicherweise juristische Konsequenzen für die Verantwortlichen nach sich zieht.

Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte der Bettwarenfirma die Arbeiten erlaubt, ohne jedoch zu kontrollieren, wie sie umgesetzt wurden. „Eine riesige Fläche wurde ohne nachvollziehbaren Grund dem Erdboden gleichgemacht“, ärgert sich Thomas Braun, der Geschäftsführer einer Telekommunikationsfirma in der anliegenden Merkurstraße. Seitdem die Bäume und Büsche vor dem Bürogebäude verschwunden sind, öffnen er und seine Mitarbeiter nur noch ungern die Fenster. „Es ist merklich laut geworden“, so Braun. Dieter Schele, ein Dachdeckermeister, der 15 Meter hinter dem Wall wohnt, teilt die Feststellung. Als Ende Februar die Gärtner auf dem Wall begannen, den wild gewachsenen Bewuchs zu schreddern, machte das Ausmaß der Arbeiten die Anlieger stutzig. „Vermutlich wurden die Vögel radikal mit ihren Nestern herausgerissen“, kritisiert Schele das schonungslose Vorgehen.

„Die Arbeiten hätten auf Grundlage der Baumschutzsatzung beantragt werden müssen und wären so vermutlich nicht genehmigungsfähig gewesen“, kommentiert Stadtsprecher Dennis Dix die Maßnahme. Die Verwaltung prüft gerade, ob sie ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit einleitet. Bei der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, von der die Arbeiten auf Wunsch des Unternehmens erlaubt worden waren, wird derweil zugegeben, dass man mit der Genehmigung einen Fehler gemacht hat. Der Rückschnitt sei „zu radikal“ und „unfachmännisch“ ausgeführt worden, bestätigt Heinrich Kersten, der zuständige Landschaftsplaner der Landesbehörde. Auswirkungen auf den Lärmschutz bezweifelt Kersten allerdings. Die Wahrnehmung der Anlieger führt er auf einen psychologischen Effekt zurück. „Wenn die Lärmquelle nicht sichtbar ist, wird sie als weniger störend empfunden“, so Kersten. Er geht außerdem davon aus, dass der Bewuchs zum Sommer wieder austreibt. Sollte das nicht der Fall sein, würde man auch bei der Landesbehörde eine Regressforderung gegenüber der Bettwarenfirma erwägen. In der niederrheinischen Paradies-Betten-Zentrale zeigt man sich überrascht von den Auswirkungen der eigens in Auftrag gegebenen Arbeiten. „Dass oben so ratzfatz abgeschnitten wurde, war uns nicht bewusst“, kommentiert der zuständige Mitarbeiter Josef Klingen das Malheur. Diese Woche will er nach Hannover fahren und den Schaden inspizieren. Von der A 2 wird er den Weg leicht finden, nur ein paar restliche Sträucher stören noch den freien Blick auf das Firmenschild. Von Mario Moers

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Marienwerder in Zahlen
  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
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  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
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  • Besonderheit: Traurige Berühmtheit erlangte der Stadtteil für das Konzentrationslager beim Akkumulatorenwerk, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Rund 1800 ausländische Zwangsarbeiter mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. Zur Erinnerung stehen seit 1989 nahe dem Lager ein Mahnmal und Gedenktafeln.