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Pachtvertrag ohne Pächter: Kirche will Parkplatz nicht

Marienwerder Pachtvertrag ohne Pächter: Kirche will Parkplatz nicht

Besucher des Hinüberschen Gartens in Marienwerder müssen sich möglicherweise schon bald nach neuen Parkgelegenheiten umsehen. Weil Unbekannte immer wieder Müll auf einem Parkplatz abladen, der am Friedhof an der Garbsener Landstraße liegt, arbeitet die Stadt nun an einer ungewöhnlichen Lösung für das Problem.

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Auch Besucher des anliegenden Friedhofs sowie Trauergemeinden nutzen den Parkplatz. Doch nun hat die Stadt die Zufahrt mit Pollern gesperrt und das Durchfahren und Parken verboten.

Quelle: Mario Moers

Hannover. Die angrenzende Kirchengemeinde Marienwerder soll künftig als Pächter für den Parkplatz verantwortlich sein. Metallpoller und ein entsprechendes Hinweisschild weisen potenzielle Parkplatznutzer seit zwei Wochen in die Schranken. Der Pachtvertrag, der die Abtretung regeln soll, liegt bereits auf dem Schreibtisch von Pastorin Judith Augustin. Eine Unterschrift darunter wird es allerdings nie geben. Der Grund: Die Kirchengemeinde hat keinerlei Interesse, die seit beinahe zwei Jahrzehnten öffentliche Parkfläche zu pachten. Zwar nutzen auch Trauergemeinschaften den Stellplatz bei Beerdigungen auf dem anliegenden Friedhof, vorwiegend sind es allerdings Besucher des historischen Landschaftsgartens, die dort parken.

Zum dritten Mal im Bezirksrat

„Die Beschilderung der Stadt sorgt im ganzen Stadtteil für das Missverständnis, dass die Gemeinde verantwortlich sei“, ärgert sich Pastorin Augustin. Wie kam es zu dem Pachtvertrag ohne Pächter? Und was wird aus der etablierten Parkfläche? In der vergangenen Woche beschäftigte der Fall den Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken, zum dritten Mal dieses Jahr.

„Die Verwaltung ist mit der Kirchengemeinde im Einvernehmen, dass sie die gesamte Fläche übernehmen wird“, erklärte Bezirksmanagerin Rita Heitsch zur Verwunderung einer Mehrheit der Anwesenden. Offenbar eine Fehleinschätzung der Stadtverantwortlichen, wie die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands, Christa Otte-Welsch, klarstellt: „Der Parkplatz ist Sache der Stadt“, so Welsch. Ihn zu pachten sei weder gewünscht noch finanzierbar.

Verpachtet oder nicht, der Bereich soll künftig nicht länger als öffentlicher Parkplatz genutzt werden. Die Begründung: Das Grundstück sei im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen - das jahrelange Parken demnach illegal. Kurios - ist der Parkplatz nach Aussagen von Anwohnern doch zeitgleich mit der Restaurierung des Hinüberschen Gartens als Expo-Projekt angelegt worden.

„Verwaltung spielt nicht ehrlich“

„Wie der Parkplatz entstanden ist, kann die Verwaltung nicht nachvollziehen“, so Heitsch. Eine Position, die CDU-Bezirksratsmitglied und Anlieger Norbert Dragon nicht gelten lässt. „Die Begründungen sind nicht nachzuvollziehen. Die Verwaltung spielt nicht ehrlich“, findet Dragon. Rückendeckung bekam er von der SPD-Abgeordneten Anna Marijke Goedeke. „Ich glaube kaum, dass irgendwer in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Parkplatz ausgebaut hat“, so Goedeke. Mit deutlicher Mehrheit brachte der Bezirksrat einen Antrag auf den Weg, der die Fläche offiziell als Parkplatz ausweisen soll. Eine Woche später stehen die Poller und das Hinweisschild der Verwaltung noch immer in der Zufahrt. Der Ausgang der Parkplatzposse bleibt ungewiss.

So kurios wie die Parkplatzdebatte daherkommt, ist bereits deren Vorgeschichte. Denn ausgerechnet ein Antrag, der eigentlich für mehr Verkehrssicherheit entlang der Garbsener Landstraße sorgen sollte, führte die Verwaltung auf die Fährte der mutmaßlich illegal bebauten Grünfläche. Die CDU-Fraktion im Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken hatte im Februar beantragt, an der Ausfahrt zu einem kleineren Parkplatz, zwischen Waldkauz und Friedhof, einen Verkehrsspiegel zu montieren. Weil solche Spiegel in Hannovers Verkehrsraum grundsätzlich nicht vorgesehen sind, lehnte die Verwaltung den Antrag ab. Im Monat darauf, teilte eine Stadtvertreterin dem Bezirksrat mit, der Parkplatz müsse möglicherweise geschlossen werden.

Von Mario Moers

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Marienwerder in Zahlen
  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Burg (3.725), Herrenhausen (7.660), Ledeburg (5.797), Leinhausen (2.918), Marienwerder (2.461), Nordhafen (128) und Stöcken (11.975)
  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30419
  • Besonderheit: Traurige Berühmtheit erlangte der Stadtteil für das Konzentrationslager beim Akkumulatorenwerk, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Rund 1800 ausländische Zwangsarbeiter mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. Zur Erinnerung stehen seit 1989 nahe dem Lager ein Mahnmal und Gedenktafeln.